BIZ: Wir arbeiten an einer Perspektive!

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Im Deutschen Haus der Stadt Almaty fand die erweiterte Sitzung des Vorstandes des Institutes für ethnokulturelle Bildung (BiZ, Stadt Moskau) statt. Die Repräsentanten der Partnerländer erörterten Strategien zur Entwicklung des Institutes sowie neue Wege der Zusammenarbeit. Die Pläne für die Zukunft teilten der Direktor des BiZ Andrej Lejman und der Vorsitzende des Vorstandes Oleg Schtraler.

– Oleg Franzewitsch, Andrej Richardowitsch, bereits seit mehr als 25 Jahren läuft die Bildungs- und Forschungstätigkeit und werden Diplomanwärter vorbereitet. In diesen Jahren wurde viel erreicht. Wie geht es weiter?

 Lejman: Gerade heute haben wir davon geredet, dass das Institut die derzeitige Entwicklungsstufe durchlaufen hat und in eine neue eintritt. Wir haben den Weg überwunden vom Begegnungszentrum in Mamontovka, wo sich die Russlanddeutschen in ihrer Muttersprache miteinander unterhalten und ihre Kultur kennenlernen konnten, zur Durchführung thematischer Seminare und zur Vorbereitung von Animatoren in Moskau. Und im Jahr 2012, als die Arbeitskompetenzen des Informations- und Bildungszentrums von der Internationalen Union der deutschen Kultur übernommen wurden, wurde das Zentrum für ehtnokulturelle Bildung BiZ geschaffen. Auf diese Weise erreichte unsere Tätigkeit eine professionellere Ebene: neben der Animation haben wir begonnen, Programme zur Steigerung der Qualifikation und zusätzliche Bildungsmaßnahmen durchzuführen.

Heute wurde auf der Konferenz des internationalen Koordinationsrates das Programm zur Entwicklung des Institutes von 2020 bis 2025 diskutiert.Die Formierung einer Arbeitsgruppe wurde beschlossen, welche ein neues Programmdokument bis zum Ende des Jahres erarbeiten soll. Wie das neue BiZ aussehen wird? Die Zeit wird es zeigen.

Wir müssen die internationale Zusammenarbeit mit Hochschulen ausbauen, unter anderem mit Deutschland; das bedeutet die Partnerschaften im Rahmen des internationalen BiZ erhalten und ausbauen, seine Teilnehmerländer sind Kasachstan, Usbekistan, Russland, Kirgistan und die Ukraine; auch müssen die Programme, die für die national-kulturelle Autonomie erarbeitet wurden, auf einem höheren Niveau umgesetzt werden. Darunter fallen nicht nur die Russlanddeutschen, sondern auch die Vertreter anderer Ethnien, die im Bereich der Realisierung einer staatlichen nationalen Politik arbeiten.Schtraler: Die Tatsache, dass es heute das Institut für ethnokulturelle Bildung gibt, bringt viele Verpflichtungen mit sich: vorallem dafür, dass wir Fachleute auf ihrem Gebiet vorbereiten.

Eine unserer wichtigsten Ausrichtungen bleibt die Sprache. Wir haben das System der Animatoren erhalten und versuchen, es weiterzuentwickeln, und das nicht nur unter Erwachsenen, sondern unter jungen Schülern, genauso wie im Bereich der Vorschulbildung.

Wichtig bleibt die Ausrichtung, die mit der Entwicklung der Kultur und der Traditionen zusammenhängt, wir haben die Möglichkeiten der Zusammenarbeit des Institutes mit künstlerischen Vereinigungen untersucht. Die Entwicklung einer Selbstorganisation findet in verschiedene Richtungen statt: kreativ, geschäftlich, auf die Jugend ausgerichtet – das ist das, was unser Tätigkeitsfeld erweitert und es ermöglicht, eine größere Anzahl Deutscher mit verschiedenen Interessen zu erreichen. Und die Aufgaben, welche wir auf der Konferenz gelöst haben, liegen in unserem aktuellen Betätigungsfeld und bleiben als Perspektive bestehen.

– Fernunterricht deutsche Sprache. Wie entstand dieses Projekt? Was ist seine methodische Basis?

 L.: Das Projekt entstand aus dem Bedarf heraus. Noch vor einigen Jahren haben wir gesagt, dass nicht alle Menschen, die in den abgelegenen Ecken unseres Landes leben, in die Zentren kommen können, wo Deutschunterricht angeboten wird. Also wurden ein paar Gruppen gebildet, in welchen der Unterricht mittels Skype entstand. Und vor eineinhalb Jahren, als die Digitalisierung des reichen kulturellen Erbes zu einem der priorisierten Projekte des Institutes wurde, wurde die Idee des Online-Unterrichts vorgeschlagen.

Seitdem haben wir mit den Teams von zwei Hochschulen, der MGIMO und der MGLU, sowie der Hauptreferentin für Spracharbeit Natalja Kozlowa, verantwortlich für die ethnokulturelle Komponente, begonnen, das Lehrbuch „Hallo, Nachbarn! NEU“ mit zusätzlichen Grammatik- und Phonetikübungen anzureichern. Dank der Tatsache, dass „Hallo, Nachbarn! NEU“ schon lange existiert, ist der Online-Kurs leicht wiedererkennbar. Die Übungen sind aus dem Lehrbuch selbst entnommen, Material aus zusätzlichen Publikationen wurde eingebaut und zusätzlich wurde ein Phonetikkurs unter der Leitung von Poman Matweew hinzugefügt.

– Als Sie in Almaty waren, haben Sie an der Messe „Bildung und Karriere“ teilgenommen. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit kasachstanischen Organisationen in diesem Bereich?

L.: Unser Stand auf der Messe hat sich hauptsächlich an Lehrer gerichtet. Wir haben Programme zur Weiterqualifizierung sowie den Kurs zur Fernlehre der deutschen Sprache vorgestellt. Wir haben gehofft, Lehrer zu gewinnen, weil wir genau durch sie unsere eigentliche Zielgruppe erreichen, die Jungs und Mädels für die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, zu interessieren. Wir haben auch das Lehrbuch „Deutsch mit Schrumdi“ präsentiert, welches sich an Lehrkräfte für Vorschulbildung richtet. Wir hoffen, dass sich Lehrer dafür interessieren werden und sie es in ihre Programme mit einfließen lassen.

Sch.: Natürlich ließ die Messe vermuten, dass sich eher Bildungseinrichtungen präsentieren, in denen junge Leute sowohl die Grundausbildung als auch Zusatzausbildungen erhalten, trotzdem,wie ich schon gesagt hatte, arbeiten wir an einer Perspektive.

– Die Partnerschaft BiZ-Kasachstan. Wie bewerten Sie die Perspektiven der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“?

 Sch.: Die Zusammenarbeit mit Olga Schtejn läuft direkt in mehrere Richtungen, in den letzten Jahren ist sie gewachsen, genauso wie ihre Bedeutung gewachsen ist. Vor fünf Jahren haben wir ein Memorandum über die Zusammenarbeit unserer Selbstorganisationen unterzeichnet. Seitdem hat sich viel verändert und jetzt organisieren wir die Zusammenarbeit bereits in der neuen Struktur der Deutschen Kasachstans.

Die Konferenz des Vorstandes brachte die Möglichkeit, Kontakte herzustellen und Berührungs- und Entwicklungspunkte zu finden. Wir haben etwas, worin wir Erfahrungen austauschen können. Dies sind viele interessante Entscheidungen und für die kasachstanischen Deutschen kalkulierte Projekte,  welche durch die Strukturen des BiZ unter Miteinbeziehung der Spezialisten der öffentlichen Stiftung leben. Sie kommen oft zu uns und schauen, wie wir unsere Arbeit organisieren, wie wir mit  den vermittelnden Organisationen, dem Innenministerium Deutschlands, usw. interagieren…

Ihrerseits können die Spezialisten des BiZ, zum Beispiel Lena Mironowa, Praktika machen und die Erfahrungen an die Deutschen Kasachstans in Fragen der Entwicklung der Selbstorganisation und der Umsetzung von Projektaktivitäten weitergeben. Deshalb glaube ich, dass unsere Konferenz einen neuen Impuls der Zusammenarbeit gibt.

– In diesem Jahr sind es 30 Jahre seit der Gründung der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“. Wie sehen Sie heute die Zukunft der Organisation der ethnischen Deutschen? Sind irgendwelche Veranstaltungen im Zusammenhang mit diesem Datum geplant?

Sch.: Eine wesentliche Veranstaltung, die wir in diesem Jahr planen, wird deine lehrpraktische Konferenz sein.Sie wird vom 20. bis zum 24. November in Jekaterinburg stattfinden. Wir haben diesen Ort vor allem deshalb ausgewählt, weil der Vorsitzende des Koordinationsrates zur Gründung der BOCH „Wiedergeburt“ der ehemals aus Nizhnij Tagil stammende Iwan Iwanowitsch Kronewald war. Zwischen 1965 und 1989 nahm er aktiv an einigen Delegationen nach Moskau teil, deren Ziel die Rehabilitation der sowjetischen Deutschen war.

Im Rahmen der Konferenz wird es nicht nur eine Diskussion über die Geschichte der Selbstorganisation geben, sondern auch die Neuauflage eines Geschichtslehrbuches. Es wurde vorgeschlagen, dessen Namen von „Geschichte der Deutschen Russlands“ in „Geschichte der russischen Deutschen“ zu ändern. Unsere Vorfahren stammten nämlich, unabhängig davon, in welchem Land wir heute leben, aus dem Russischen Imperium. Die Spezialisten beschäftigen sich mehr mit der Geschichte der Deutschen bis 1955, aber die Periode des Tauwetters unter Chruschtschjow und besonders die Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind sehr schlecht aufgearbeitet. Hier liegt noch ein großes Aktivitätsfeld nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Praktiker. Viele von ihnen sind auch heute noch aktiv handelnde Mitglieder unserer Organisation.

L.: Wiedergeburt ist in seinem Kern eine Renaissance, die Wiedergeburt dessen, was es eine Zeit lang nicht gab. Und unter modernen Bedingungen sind 30 Jahre sehr viel. Wir müssen mit der Zeit Schritt halten und in die Zukunft blicken, uns entwickeln, neue, zeitgenössische Formen entwickeln. Die heutige Welt ist eine hochtechnologisierte Welt, und sie verändert sich so dermaßen schnell, dass es notwendig ist, sich zuallererst auf die Jugend zu verlassen und neue digitale Formen und andere innovative Projekte zu entwickeln. Darin liegt wahrscheinlich die Entwicklung von „Wiedergeburt“.

Interview: Veronika Likhobabina

Übersetzung: Philipp Dippl

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