Andreas Prediger


„Einem Lied muss man zuhören, und ein Bild ansehen“, sagt der unter den deutschen Aussiedlern bekannte Künstlerveteran und Propagandist Andreas Prediger. „Mein Nachname ist Prediger, und ich predige schon mein ganzes Leben lang in meinen Bildern von den Deutschen Russlands und ihrer Geschichte. Wir sind Deutsche aus Russland und unser Schicksal ist für uns alle das gleiche! Meine Großmutter, Felomina Iwanowna, sagte: „Man muss immer zusammen in seiner Zeit leben!“

„Ich gebe mir Mühe, im guten Glauben die Lehre meiner Großmutter zu erfüllen!“ sagt der eigenwillige Künstler und Patriot, der mehr als 500 Bilder gemalt hat, unter diesen die Werke „Umsiedlung“, „Segen“, „Morgengrauen“, „Revolution“, „Anklage“, „Verachtung“, „Ausweisung“, „Baumfällung“, „Hunger“, „Tod“, „Wiedergeburt“, „Exodus“, „Integration“. Ungefähr einundert von ihnen prangern die Verbrechen des sowjetischen Staates an den Russlanddeutschen an. Einen Teil seiner Arbeiten kann man im Internet unter der Adresse: www.01.andreas-prediger.de betrachten.

Andreas Andreewitsch hat ein großartiges Gedächtnis, er kann stundenlang von der Vergangenheit erzählen. Seine Erörterungen sind weise, einmalig und wohlbegründet. Sein Schicksal ist die Geschichte des Volkes!

Andreas Prediger wurde 1926 an der Wolga geboren, in dem Dorf Marienfeld nicht weit von der Stadt Kamyschin. Später ging die Familie nach Weißrussland, und von dort kamen sie in den Kaukasus, lebten in Zestafoni nicht weit weg von Tiflis, wo die Eltern in einer von deutschen Spezialisten errichteten metallurgischen Fabrik arbeiteten. Dort ging Andreas in die erste deutsche Klasse. In der Familie gab es sieben Kinder.

Im Jahr 1933 starben der Vater Andrej Michailowitsch Prediger, die zwei Schwestern Katja und Anja und der Bruder Aleksandr an Hunger. Die Mutter Maria Iwanowna wurde zum zweiten Mal verheiratet, mit dem Dorfgenossen Fjodor Stepanowitsch Diler. Anschließend wurden sie zur Arbeit in einer Traktorenfabrik nach Stalingrad gesendet. Als der Krieg begann, wurden sie nach Ostkasachstan geschickt, in das Bergwerk Rosa Luxemburg in Palatzy, im Kreis Samara. Dort förderten sie seltene Metalle, Molybdän und Wolfram, notwendig für die Herstellung der Panzerung sowjetischer Panzer.

Nach der siebten Klasse arbeitete er bereits wie ein Erwachsener, und als er 16 Jahre alt wurde, wurde er zur Arbeitsfront eingezogen. In seinem Arbeitsbuch gibt es einen Eintrag: „Von der Arbeit abgezogen in Verbindung mit dem Aufruf in die Arbeitskolonne“. Nicht in die Trudarmee oder in die Arbeitskolonne, sondern er kam in die Kolonne, wie ein Verbrecher! Mit diesem Schmerz und mit diesem Stempel lebte er. Zu dieser Zeit ließen sie den sowjetischen Deutschen nicht einmal den Kopf heben, einen Abschluss machen, einen angesehenen Dienst zu tun, sie waren verdammt dazu, ausschließlich körperliche Arbeit unter freiem Himmel zu leisten.

Nach der Befreiung blieb er in der Siedlung, in dem Städtchen Prokopewsk, 26 Jahre lang arbeitete er als Bergmann, wäre drei Mal fast gestorben. Er beendete die Abendschule der Arbeiterjugend, er wollte so gerne weiter studieren, aber den sowjetischen Deutschen stand in alle Richtungen eine Schranke im Wege. Erst nach 35 Jahren konnte er in die pädagogische Hochschule Krasnojarsk für ein Fernstudium eintreten. Er beendete danach das Institut der Fremdsprachen im Fernstudium, arbeitete als Lehrer in einer Schule für technisches Zeichnen Malerei und Dekoration.

In seiner Freizeit rührte er das Schöne nicht an, er malte das, was ihm keine Ruhe ließ, unter was seine Seele litt; Er malte Stillleben, Landschaften, Porträts, geschichtliche Gemälde im Stil des politischen Plakates, in ihnen finden sich berühmte Ereignisse und bekannte Gesichter. Er gab einen Farbkatalog mit seinen Bildern heraus, organisierte eigene Ausstellungen, heiratete, lernte, zog sieben Kinder groß.

Im Jahr 1968 fuhr er aus der vom eisernen Vorhang verhüllten UdSSR nach Westdeutschland, zu Besuch zu den Verwandten nahe Düsseldorf, sie fuhren ihn durch das Land, zeigten ihm die Wunder und Märchen vom „verfaulten Kapitalismus“. Im Jahr 1993, nach 25 Jahren des politischen Kampfes, ging Andreas Prediger mit seiner Familie auf Dauer nach Deutschland und kam nach Bayern, in ein Kurbad. „Nach der Trudarmee und einem schweren Leben ist das durchaus verdient!“ scherzt er.

So, wie ein Düsenflugzeug schöne Kondensationsstreifen im hohen Himmel hinterlässt, so hinterlassen auch Menschen mit großer Ordnung der heldenhaften Seele Spuren in der Geschichte der Menschheit und im Herzen einer jeden Person, die mit seinem Werk in Kontakt gekommen ist. Ein schönes Äußeres haben viele, aber eine schöne Seele besitzen nur wenige. Wie toll ist es, dass es nach dem Kontakt mit manchen Menschen unter uns zu einem Ausbruch von Kraft kommt, man neuen Atem findet, die Sonne wieder scheint und einem die Welt behaglich und wunderschön vorkommt!

PS: Ausgehend von zahllosen Unterhaltungen mit unseren Veteranen bietet sich eine Schlussfolgerung an, auf welche die Aufmerksamkeit der Leiter aller Vereinigungen der Deutschen gelenkt werden soll. Solche Menschen, wie der Künstler Andreas Prediger, welche einen großen Beitrag zur Volkssache geleistet haben, sollten nicht in Vergessenheit geraten, es wäre dringend nötig, ihre heldenhafte, für die Gesellschaft nützliche Tätigkeit anzuerkennen und für die Verdienste innerhalb des deutschen Volkes die Verleihung des Jubiläumsordens der staatlichen oder öffentlichen Würdigung zu beantragen, oder ihn wenigstens selbstständig mit einer einfachen, aber offiziellen Urkunde auszuzeichnen. Der Respekt für unsere Alten wie Medizin.

Der Jugend ist überall bei uns ein Weg, ist den Alten überall bei uns die Ehre?

Raingold Schulz


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