Anna German


Am 16. Februar fand im Haus der Freundschaft in Almaty ein Gedenkabend anlässlich des Geburtstages der großen sowjetischen und polnischen Sängerin deutscher Abstammung, Anna German, statt. Die Veranstaltung wurde vom Netzwerk der Begegnungszentren in Almaty unter der Leitung von Galina Larionova initiiert. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung erfuhren die Gäste etwas vom komplizierten Lebensweg der Sängerin, tauchten in ihr Schaffen ein, und hörten sich ihre wohlwollenden Ratschläge und ihre Lieder an, die sowohl vom Tonband eingespielt als auch live vom Chor „Lebensfreude“ (unter seinem künstlerischen Leiter Vladimir Ivanovich Ustalov) vorgetragen wurden.

Der Gedenkabend hatte ein dichtes, durchdachtes Programms, dank dessen das Publikum die Natur von Annas Persönlichkeit gänzlich erfassen konnte und viele neue Fakten aus der Biographie der Sängerin erfuhr.

Anna German wurde im usbekischen Städtchen Urgench geboren. Sie wurde nach ihrer Großmutter Anna genannt, nach mennonitischer Tradition wurde „Victoria“ dem Namen Anna hinzugefügt. Ihr Vater, Buchhalter Jewgeni German, wurde 1937 erschossen, als seine Tochter etwas mehr als ein Jahr alt war. Er, ein bescheidener Deutscher, wurde aufgrund einer falschen Denunziation verhaftet und zu 10 Jahren Haft ohne Briefkontakt verurteilt. Seine Frau Irma hatte damals keine Ahnung, was dieses Urteil bedeutete, und wartete noch lange darauf, ihren geliebten Zhenja wiederzusehen. Die arme Frau blieb mit ihren beiden Kindern Anna und deren jüngeren Bruder Frederick sowie ihrer Mutter Anna Frizen in Urgench ohne Unterstützung zurück.

Irma, eine Nachfahrin niederländischer Mennoniten, die sich im 19. Jahrhundert im Kuban niedergelassen hatten, arbeitete als Deutschlehrerin. Die Familie sprach das für die Mennoniten typische Plattdeutsch.

Es kamen schlechte Zeiten für die Familie. Beide Kinder erkrankten an Scharlach, Frederick starb daran. Irma musste auf mehreren Arbeitsstellen arbeiten, die zwei Annas sahen sie kaum. Bald traf Irma einen jungen Polen, Hermann Berner, der ihr vorschlug, mit ihm nach Polen zu ziehen und seinen Nachnamen anzunehmen. Irma stimmte sofort zu: das war die einzige Chance, das Land zu verlassen, in dem ihre Familie jederzeit erschossen werden konnte. In diesem Moment schwor sich Irma, niemals in ihrem Leben irgendjemandem über die deutschen Wurzeln ihrer Tochter zu erzählen.

Die Familie beschloss, sich in Breslau niederzulassen, wo sie ein Zimmer in einer engen Gemeinschaftswohnung mieteten. In dieser Stadt absolvierte Anna die Schule und träumte davon, Künstlerin zu werden, entschied sich aber aus Geldmangel für ein Studium an der Universität, um eine besser bezahlte Arbeit zu bekommen. Anna bewarb sich an der Fakultät für Geologie.

Der erste Auftritt von Anna German fand ebenfalls in Breslau statt. Ihre Freundin Bogusya wollte heiraten und bat Anna, bei ihrer Hochzeit zu singen. Anna sang dort das „Ave Maria“. Dies war der Beginn des großen Erfolgs der Sängerin, der später von Krankheiten überschattet wurde.

Eines Tages war Anna bei einem Konzert in Almaty. Dort traf sie ihren Onkel Arthur German zum ersten Mal. Bis zu diesem Moment glaubte sie, keine Verwandten zu haben. Wie sich herausstellte, arbeitete ihr Onkel zu dieser Zeit als Journalist für die Zeitung „Freundschaft“ (seit 1991 „Deutsche Allgemeine Zeitung“). Später zog er nach Deutschland, wo er eine vollständige Biographie seiner Nichte schrieb.

Den Gästen des Abends wurde die Lebensgeschichte der Sängerin erzählt, ergänzt durch ihre beliebtesten Melodien. Von ihr selbst erklangen die Stücke „Ave Maria“, „Lullaby“ und ein Lied in italienischer Sprache, von der Gruppe „Lebensfreude“ wurden die Lieder „Tańczące Eurydyki“, „Seltsamer Mann“, „Zärtlichkeit“, „Hoffnung“ und „Echo der Liebe“ vorgetragen.

Anastasia Koroleva


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