Wiktor Mejster


Es gelang mir, Wiktor Mejster in verschiedenen Situationen zu sehen, hauptamtlich und ehrenamtlich. Es gibt Menschen, welche sich gut im „offiziellen Amt“ machen, und dann gibt es ihn: je schlimmer, desto besser.

Wiktor Wiktorowitsch: hochragend, stattlich, immer selbstbewusst. Im Jahr 2010, als es im Kreis Auliekolsk einen großen Waldbrand gab, haben ihn viele zum ersten Mal wirklich dreckig gesehen. Der spätere Stellvertreter des Akims des Gebietes Kostanaj, Mejster, stand immer an der Spitze des Oberkommandosdes TschS zur Feuerbekämpfung, genau wie bei dem genannten Ereignis. Einige Siedlungen haben sich auf die Evakuierung vorbereitet, alles ringsum brummte von der Technik, von Stimmen, vom Wind und vom Feuer. Wiktor Mejster war wie im Krieg, komplett in Ruß, gab Kommandos mit versiegender, herrischer Stimme. Die Versuche der Journalisten, Informationen aus erster Hand zu erhalten, wies er mit fürchterlichem Handschlag zurück: „Mischt euch nicht ein!“. Durch die Feuerbekämpfung, es vergingen drei Tage, war die Evakuierung nicht mehr nötig, die Feuerwehrmänner, die Förster, die Freiwilligen, die örtliche Bevölkerung wurde verpflegt, mit Wasser versorgt: der Stopp war sinnvoll, trotz der Notlage.

Nach einigen Jahren erzählte mir Wiktor Wiktorowitsch, wie es in einem Heizwerk in Kostanaj einen Knall gab, es gab eine Explosion beim Einbau eines Reservekessels. Es war Januar, zu später Zeit, auf der Straße herrschte Frost bei 30 Grad unter Null, das Heizwerk versorgte 156 Apartmentblöcke, Schulen, Kindergärten. Eine Garantie, das System schnell wiederherstellen zu können, konnte niemand geben. Wiktor Wiktorowitsch erinnerte sich: „Auf der Hauptschalttafel sind hunderte Instrumente, es war unklar, welche von ihnen funktionierten und welche nicht, da die Impulsleitungen einfroren.

In der zwölften Nacht hoben wir die Temperatur auf 70 Grad an. Aber aus der Erfahrung in der Unfallbekämpfung weiß ich, das bestimmt noch irgend etwas kommen wird. Und so geschah es: es zerriss den Kollektor, durch den Dampf in die Boilergruppe geleitet wird, und danach konnten wir aus zehn Kesseln nicht einen einzigen mehr starten. Noch zwei oder drei Stunden, und es würden unumkehrbare Vorgänge beginnen. Es blieb nichts anderes übrig, als zwei beschädigte Kessel einzuschalten, obwohl das gegen alle Regeln verstieß…“. Er sagt, dass die Anspannung unmenschlich war: „Du riskierst nicht nur deine Reputation, zum Teufel mit ihr, mit der Reputation – du riskierst die ganze Stadt“.

Dieses Interview haben wir mit Mejster an einer Station seiner Karriere geführt, als er, der größte Staatsbeamte, in die wohlverdiente Rente ging. Es ging einer, der alle diese außerordentlichen Situationen besiegte. Verschiedenes bleibt in Erinnerung. In den 1990ern, als die Zulieferer wegen Schulden die Zufuhr von Gas im Gebiet Kostanaj abstellen wollten, wurde gerade Wiktor Mejster zur Schlüsselfigur in der Lösung der Gaskrise.

 Wiktor Wiktorowitsch: ein Einheimischer, professioneller Energiefachmann, der lange Zeit in Arkalyk gearbeitet hat. Nach Kostanaj siedelte er über, weil das Gebiet Turgaj aufgelöst wurde. „Ich war 50 Jahre alt. Von „Kostanajenergo“ wurden der Stadt die Heiznetzwerke übertragen, es musste eine Heizenergiegesellschaft gebildet werden, das habe ich getan. Und danach, erinnert ihr euch, gab es in Russland den „schwarzen Dienstag“, die Zahlungsunfähigkeit? An diesem Tag war ich in Moskau, wo ich erfuhr, dass Umirsak Schukeew zum Akim des Gebiets Kostanaj bestimmt wurde. Ich flog über Tscheljabinsk heim, nach Kostanaj flogen keine Flugzeuge. Ich kam erst in der Nacht an, und da ruft der Akim der Stadt an: Schukeew hat nach dir gefragt. Ich habe es ein paar Mal abgelehnt, sein Stellvertreter zu werden, ich wusste, in welche Schwierigkeiten ich geraten würde. Ich hatte keine Zweifel, dass allem voran die Tarife erhöht würden, und zwar heftig, weil es im Haushalt kein Geld mehr gab. Und ich wusste, dass die Bevölkerung ebenfalls kein Geld hat, dass neue Tarife die Menschen schmerzhaft treffen würden. Irgendjemand musste diese Arbeit erledigen, aber nicht ich, so habe ich zu dieser Zeit gedacht. Aber es kam dazu, dass ich diese Bürde auflud. Eines tröstete mich: diese erzwungene Maßnahme erlaubte uns zu überleben“.

Über seine Karriere sagt er Folgendes: „Ich wurde nicht wegen erfolgreicher Unterfangen ernannt. Seinerzeit wurde ich Verwalter eines Konzerns, in welchem in 30 Jahren Existenz 22 Leiter abgelöst wurden. Der erste Sekretär des Gebietskommittees sendete mich in das Bauministerium zum Vorstellungsgespräch. Dort haben sie mich lange dazu überredet, damit ich zustimme. Sie wurden Müde und luden mich zum Mittagessen ein. Und in der Empfangshalle im ersten Stock neben der Kantine sah ich ein Plakat: alle 57 Konzerne mit den Statistiken ihrer betrieblichen Leistungen. Jener, wohin sie mich „verschacherten“, stand am Ende der Liste. Also habe ich zugestimmt, das liegt in meinem Charakter. Und nach drei Jahren, in Verbindung mit einer anderen Ernennung, ging ich, um mich vom Minister zu verabschieden. Und wieder sah ich das Plakat mit der Liste der Konzerne: meiner war bereits in der oberen Hälfte“.

Am 22. Dezember 2017 beging Wiktor Wiktorowitsch Mejster seinen 70. Geburtstag. Am Vorabend des Jubiläums habe ich ihn gefragt, ob er denn das volle Potential seiner Leistungsfähigkeit ausgeschöpft habe? Er antwortete, dass es bislang noch niemandem gelang, alles zu erreichen. Doch ihm wurde ein interessantes und reiches Schicksal zu teil. Er hat viel „geackert“, reiste viel und sah viel, unter seinen Bekannten sind herausragende Menschen aus verschiedenen Ländern.

Und jetzt hat er Enkel, einer von ihnen trat in die Fußstapfen des Großvaters, wurde Energieexperte und arbeitet im Ural, auch er heißt Wiktor Wiktorowitsch.

Verehrter Witkor Wiktorowitsch, bitte nehmen Sie herzliche Glückwünsche zu ihrem 70-jährigen Jubiläum an! Von ganzem Herzen wünschen wir Ihnen gute Gesundheit, familiäres Glück und noch viele weitere Lebensjahre!

Kurzauskunft:

Geburtstag: 22.12.1947

Geburtsort: Kasachische SSR; Gebiet Kustanaj; Kreis Kustanaj; Dorf Semenjowka

Ausbildung, Beruf (Spezialisierung), Lizenzen: Kasachstanisches Technikum der Mechanisierung und Elektrifizierung in der Landwirtschaft (1967), Elektroingenieur. Zelinograder Landwirtschaftsinstitut (1978, Fernstudium).

Arbeitserfahrung:

– Elektroingenieur auf einer Sowchose, Meister der nördlichen Verwaltung der Stromnetze „Kustanajenergo“ (1969-1971);

– Leiter der Stromnetze des Kreises Arkalyk (1971-1974);

– Stellvertreter des Direktors des Betriebswerkes der Stromnetze des Gebietes Turgaj (1974-1977);

– Direktor des Betriebswerkes der östlichen Stromnetze „Kustanajenergo“ (1977-1982);

– Direktor des Betriebswerkes der südlichen Stromnetze „Kustanajenergo“ (1982-1985);

– Leiter der Abteilung des Gebietskommittees Turgaj der Partei (1985-1987);

– Geschäftsführer des Unternehmens „Turgajaljuminstroj“ (1987-1990);

– Vorsitzender des Stadtrates Arkalyk (1990-1992);

– Leiter der Stadtverwaltung Arkalyk (1992);

– Stellvertreter des Leiters der Verwaltung des Akims des Gebietes Turgaj (1992-1997);

– Direktor der GKP „Wärmenetzwerke“ der Stadt Kostanaj (1997-1998);

– Stellvertreter des Akims des Gebietes Kostanaj (09.1998 – 02.1999);

– Erster Stellvertreter des Akims des Gebietes Kostanaj (02.1999 – 04.2013);

– Berater des Akims des Gebietes Kostanaj (04.2013 – 11.01.2016)

Staatliche und internationale Auszeichnungen, Prämien, Ehrentitel:

– Orden: „Құрмет“ (2001), „Барыс“ der dritten Stufe (2009);

– Jubiläumsmedallien: „Қазақстан Республикасының тәуелсіздігіне 10 жыл“ (2001), „Тыңға 50 жыл“ (2004), „10 жыл Астана“ (2008), „Қазақстан Республикасының тәуелсіздігіне 20 жыл“, „Қазақстан ТЕМІР ЖОЛЫНА 100 ЖЫЛ“;

– Medaillen: „In Erinnerung an 50 Jahre Baikonur“ (2005), „der Föderation der Kosmonauten Russlands im Namen von S. P. Koroljew“ (2004), „Im Namen Ju. A. Gararins“ (2006);

– Urkunde „zur jahrelangen, gewissenhaften Arbeit“ (01.2016);

– Fachliche Abzeichen: „Құрметті жолшы“ (2005), „Қазақстанның құрметті құрылысшысы“ (2006), „ңбегі сіңген энергетик. Қазақстан Электр энергетикалық қауымдастығы“ (2007)

Armeedienst, militärische Titel, Dienstgrade:

– Arbeedienst (1967 – 1969)

Übersetzung: Philipp Dippl


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