Die Ernte ist bescheiden, aber wertvoll

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Das Fest der Arbeit und des Dankes wurde mit Tänzen und Leckereien gefeiert.

Das Erntedankfest ist einer der beliebtesten Feiertage der Deutschen. Es ist nicht nur die Dankbarkeit für die Ernte, sondern auch eine Gelegenheit zum plaudern.

– Aufgrund der Pandemie können wir unserer Mußestunde nicht vollständig nachgehen. Wenn erlaubt, dass nur nach Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen. Aber es ist besser, nichts zu riskieren und auf lärmende Treffen zu verzichten… – denkt Gustav Schepp.

Zu Beginn der 1990er Jahre zog Grigorij Filippowitsch aus Aktjubinsk nach Deutschland. Dort haben dem 20-jährigen jungen Mann die Verwandten mütterlicherseits unterstützt. Mit der Zeit ließ er sich in einer Kleinstadt im Kreis Weimarer Land nieder, was in Thüringen liegt, er gründete eine Familie, änderte seinen Namen und wurde Bauer. Viele Jahre lang hat er an der Kürbisausstellung teilgenommen.

– Für unsere gesamte Familie war dies eine Art Tradition. Ich habe nie irgendeinen Preis gewonnen, ich habe nur zum Spaß mitgemacht, obwohl ich im Jahr 2015 einen ziemlich guten Kürbis mit 20 Kilogramm angebaut hatte, – erzählt mein Gesprächspartner nicht ohne Stolz.

Schon seit zwei Jahren geht Gustav nicht mehr zu dem Jahrmarkt – im letzten Jahr sind seine Frau und seine Kinder krank geworden, und dieses Mal hat das Coronavirus auch seinen Organismus „attackiert“:

– Ich gehe jetzt nicht mehr auf Reisen. Ehrlich gesagt ist das Erntedankfest in diesen Jahren zu einem meiner Lieblingsfeste geworden. In dem Festtag liegt eine besondere Atmosphäre. Die Ernte war in diesem Jahr nicht besonders gut, nichts, womit man prahlen könnte, aber alle Gaben der Erde liegen mir am Herzen. Und diesen Feiertag feiern wir am 3. Oktober im Kreise unserer engsten. Wir haben einen Kürbisbrei mit Zimt und Vanille gekocht und einen Kartoffelsalat gemacht. Ich lese manchmal, wie die Landsleute aus Kasachstan das Erntedankfest feiern. Ich freue mich natürlich darüber, dass die Traditionen des deutschen Volkes nicht in Vergessenheit geraten.

Danke für die Ernte!

In der deutschen Gesellschaft Aktobe liebt man den Herbst. Das Erntedankfest wird jedes Jahr in der „Wiedergeburt“ veranstaltet. Auch das Jahr 2021 war da keine Ausnahme. An einem Tag des Wochenendes wurde es in einem der Kochstudios von Aktobe für die Saison ungewöhnlich heiß: Die Kinder tanzten zu „Lotta Karlotta“, die Erwachsenen halfen dabei Kuchen zu backen, und die Senioren „brüteten“ über den Aufgaben zu deutschen Traditionen und Bräuchen. Aber das Wichtigste zuerst.

– Das Erntedankfest bei uns lieben sowohl die Erwachsenen, als auch die Kinder. Bereits seit einigen Jahren kommen wir alle zusammen und veranstalten eine Art Workshop. Im letzten Jahr haben aufgrund der Pandemie die Jungs und Mädels des Jugendklubs „Junge Sterne“ teilgenommen, aber dieses Jahr haben wir uns dazu entschieden, alle Interessenten einzuladen. Und das natürlich wieder unter Einhaltung aller Regeln. Wir versuchen jedes Jahr, verschiedene Gerichte zu kochen, wir erinnern uns an die Rezepte, die uns unsere Großmütter überliefert haben, aber das Kürbisgericht wird nicht verändert, – erklärt Inna Woloschina, die Leiterin der Sonntagsschule der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Aktobe.

Übrigens wollten viel mehr Interessenten an der Meisterklasse teilnehmen, als in den Jahren zuvor. Die Kinder hat Inna Anatoljeowna übernommen:

– Erntedankfest – das ist nicht nur Unterhaltung und etwas Leckeres kochen, das sind auch Tänze. Deshalb haben wir für die Kinder einige Workshops für Volkstänze und moderne deutsche Tänze vorbereitet.

Interessant ist, dass selbst jene Kinder, die kein Deutsch sprechen, in den Prozess des Tanzens mit eingebunden wurden. Es ist wirklich wahr, wenn man sagt, dass die Sprache des Tanzens alle Barrieren überwindet. Während die Kinder unkomplizierte Bewegungen erschlossen, kochten ihre Eltern mit vollem Herzblut. Auf der Speisekarte stehen Bratäpfel, Oflaumenkompott, sowie Kürbis- und Karottenkuchen. Dr einzige Mann unter den Anwesenden, Dmitrij Dirksen, wurde aktiv in de Kochprozess mit eingeschlossen. Er kümmert sich bereits seit Langem um die älteren Eltern, kocht Suppen und Hauptgerichte. Aber mit dem Backen ist es irgendwie schwierig.

– Die deutschen Gerichte erschließe ich nach und nach, bei Brötchen und Kuchen bin ich noch nicht angekommen. Ich bin jetzt zum ersten Mal zu einer Meisterklasse gegangen, um zu lernen, – erwidert mein Gesprächspartner schüchtern, während er eine Karotte reibt. Um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, meldete sich Dmitrij für die Kurse an. Er sagt, dass sich die Gruppe ausgezeichnet entwickelt hat, er hat nicht nur das gefunden, weswegen er gekommen ist, er hat auch neue Freunde gefunden.

Den allgemeinen Verlauf der Zubereitung von Speisen übernahm Galina Solodownikowa. Beim geschickten Umgang mit den Kochutensilien gelingt es der Frau, ein wenig über ihre Familie zu erzählen: – Inna Woloschina unterrichtet meine Kinder in Deutsch in der Schule. Zuerst hat sich mein Sohn Ilja dafür interessiert, und hat sich auch meine Tochter Taisija mitreißen lassen. Und schon seit drei Jahren besucht Taja auch die Sonntagsschule. Es gefällt ihr sehr. Wissen und Sprachen schaden nie. Die aktuelle Generation ist neugierig, die jungen Menschen wollen mehr aufnehmen. Es ist sehr gut, dass die „Wiedergeburt“ eine solche Möglichkeit bietet.

Jakow Scheffer ist der Großvater einer weiteren Teilnehmerin an der Veranstaltung, Uljana Kwon. Der Mann liebt einfach die Bratäpfel und die Kürbisse. Deshalb, so kann man sagen, sind diese Gerichte in ihrem Haus bereits eine Tradition.

– Mein Sohn und meine Tochter sind zum ersten Mal beim Erntedankfest dabei. Wir werden lernen, wie man die deutschen Gerichte kocht und wie man ein Teil der deutschen Kultur werden kann, – kommentiert die Mutter vin Uljana, Jana Kwon (Schaeffer).

Milana Wolkowa, Schülerin der dritten Klasse des Gymnasiums Nr. 11, lernt bereits seit zwei Jahren Deutsch, hat sich aber erst im September in die Sonntagsschule der Gesellschaft „Wiedergeburt“ eingeschrieben.

– Wir haben sehr viele Verwandte in Deutschland. Die Taufpatin von Milana lebt in Österreich, und lädt regelmäßig zum Besuch ein. Damit wir uns wohler fühlen, lernen wir Deutsch. Übrigens ist das auch sehr hilfreich zur Weiterentwicklung des Gedächtnisses. Wir sind zum ersten Mal auf einem solchen Herbstfest, wir bekommen sehr viele positive Eindrücke. Ich habe es geschafft, mir alle Rezepte aufzuschreiben, zu Hause werde ich sie auf jeden Fall nachkochen, – sagt die Mutter von Milana, Elena Wolkowa.

Die Rezepte sind übrigens überhaupt nicht kompliziert. Für einen Karottenkuchen benötigt man: 4 Eier, ein Glas Zucker, zwei große Karotten, einen halben Teelöffel Soda (mit Zitronensaft gemischt) und Mehl (bis zu einer Dichte von Sauerrahm). Die Eier müssen geschlagen werden, bis sie ihr Volumen verdreifacht haben. Fügen Sie Mehl, die fein geriebenen Karotten und das vermischte Soda hinzu. Der Teig wird gebacken, bis er fertig ist.

Für einen Kürbiskuchen muss ein Mürbeteig geknetet werden (200 Gramm Mehl mit Backpulver, einer Prise Salz, 100 Gramm Sauerrahm). Als nächstes muss der Teig ausgerollt werden und man gibt die Füllung aus karamellisiertem Kürbis darüber (für den Geschmack und das Aroma eine Orange und eine Zitrone dazugeben). Den Teig ebenfalls backen, bis er fertig ist.

Wie man deutsche Kuchen backt, weiß die Aktivistin Lidija Ljach bereits seit langem. Die Teilnehmerin des Seniorenklubs liebt es, am Teig herumzutüfteln:

– Ich leite die Jugendlichen an, ich gebe mein Wissen weiter. Im letzten Jahr wurde mir von der Gesellschaft der Deutschen das Buch „Die besten kulinarischen Rezepte der Deutschen Kasachstans“ überreicht. Und hier sind die Brötchen und Kuchen, die ich nach den Rezepten des Buches gebacken habe.

Es ist eine anstrengende Sache, lange am Herd zu stehen. Für diejenigen, die sich entspannen wollen, wurden intellektuelle Spiele vorbereitet. Natürlich ging es bei den Fragen um die Kenntnisse zu den deutschen Bräuchen und Kulturen. Das Erntedankfest endete mit einer Teetafel.

– Wir haben die deutsche Sprache wieder ins Gedächtnis gerufen und spielten, und kochten und aßen und unterhielten uns. Wenn man die glücklichen Gesichter all jener sieht, die zu unserem Fest gekommen sind, versteht man, wie wichtig solche Veranstaltungen sind. Wir hoffen, dass die Situation es uns ermöglicht, solche Treffen häufiger durchzuführen, – fasste Inna Woloschina zusammen.

Konstantin Sergeew

Übersetzung: Philipp Dippl

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