Die Gänse sind ganz und die Kinder sind satt

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Genauso wollte ich den Artikel nennen. Aber das werde ich nicht – denn von den Gänsen, die zum Martinstag gebraten wurden, war nichts mehr übrig.

Mit Liedern, Geschenken und bunten Laternen feierten die Kinder des Vorschulzentrums „Wunderkind“ das Fest zu Ehren eines der beliebtesten Heiligen in Deutschland. Als römischer Krieger zeigte St. Martin Barmherzigkeit und erlangte so Ruhm und den Ruf eines Beschützers und wurde zum Symbol für Mitgefühl und Selbstlosigkeit.

„Am 11. November feierten wir den St. Martinstag. Er war ein römischer Krieger, der in Ungarn geboren wurde, in Italien aufwuchs und im vierten Jahrhundert im heutigen Frankreich lebte. Der heilige Martin war ein Wohltäter sowohl des Adels als auch des einfachen Volkes“, sagte Irina Andrejewa, Methodikerin und Lehrerin für deutsche Sprache und Landeskunde am Wunderkind-Zentrum für vorschulische Zusatzausbildung bei der Regionalen Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar. Nach einer bekannten Legende teilte der heilige Martin als römischer Soldat in einem kalten Winter seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Obwohl Martin später zum Bischof ernannt wurde, lehnte er alle Insignien der Macht ab und zog die weltliche Einfachheit vor: Sein Bischofsthron war ein gewöhnlicher Schemel und seine Residenz eine Mönchszelle. Im Westen ist es am St. Martinstag üblich, Bedürftigen zu helfen.

Es sei darauf hingewiesen, dass der St. Martinstag erst seit kurzem zu einem fröhlichen Ereignis in der herbstlichen Nebensaison geworden ist. Seit dem frühen Mittelalter war er ein wichtiger Bestandteil des landwirtschaftlichen Jahreskalenders. Der heilige Martin galt als Beschützer des Viehs und als Schutzpatron aller landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Allerdings wurde dieser Tag nicht immer und überall positiv wahrgenommen: Am St. Martinstag mussten die Bauern ihre Schulden bezahlen. Die Hausgänse spielten dabei eine besondere Rolle, denn sie deckten oft ausstehende Schulden, auch als Miete. Wahrscheinlich ist es deshalb auch heute noch üblich, diese Vögel am St. Martinstag zu essen. Die Gans ist ein klassisches Gericht für ein festliches, hausgemachtes Essen bei den Deutschen am Martinstag.

Diese Vögel sind übrigens in eine andere historische und dramatische Situation verwickelt, die den Heiligen Martin betrifft. Es gibt zwei Legenden über die Wahl Martins zum Bischof – nach der einen waren es die Gänse, die ihn mit ihrem Geschnatter dem Volk verrieten, als er sich verstecken wollte, weil er sich eines so hohen Amtes nicht würdig fühlte.

„Wir haben uns alle gemeinsam und freundlich auf das Fest vorbereitet: Wir haben die Worte, Tänze und Lieder gelernt, die die Geschichte des Heiligen erzählen, und wir haben das Büro geschmückt. Wir haben Leckereien zubereitet, Martinsessen: Honigkuchen, speziell hergestellt und in Form von Gänsen gebacken“, sagt Irina Andreeva. „Die Veranstaltung begann mit einem traditionellen Laternenumzug mit stimmungsvollem und mitreißendem Gesang und Musik: ‘Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne’. Die Prozession fand nicht auf der Straße, sondern im Deutschen Haus statt. Der Umzug mit Laternen oder Kerzen ist ein alter Brauch mit jahrhundertealter Geschichte, der auch heute noch weit verbreitet ist.“

Die kleinen Reisenden schritten mit ihren schönen Laternen in der Hand in das Klassenzimmer und sorgten so für mehr Licht in der Dunkelheit… Der Raum, der mit einem Wirbel von glitzernden Girlanden geschmückt war, glich einer Insel in einer Märchenwelt. St. Martins Pferd erwies sich dieses Mal als ziemlich winzig und klein, so dass es leicht in eine Stofftasche mit dem Namen „Rate mal, wer hier ist?“ passte. Die Kinder, die das rätselhafte Polster mit ihren Fingern untersuchten, erkannten den Paarhufer-Betrüger recht schnell. Es folgte eine Reihe von spannenden Wettbewerben, unterbrochen von Gesang und Tanz. Die Eltern der jungen Wunderkind-Vorschüler verfolgten die Feierlichkeiten mit Freude.

Marina Angaldt

Übersetzung: Annabel Rosin

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