Eduard Keksel: „Ich wäre nicht stark im Kampf, wäre ich nicht in Kasachstan geboren!“

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Kämpfer Eduard Keksel, der für Deutschland auftritt, hob die Flagge von Kasachstan bei der Europameisterschaft der MMA (Kampf ohne Regeln). Nun bereitet sich der junge Mann wieder auf ein großes Turnier vor, diesmal auf die Weltmeisterschaft. Am Vorabend des Wettbewerbs beantwortete er unsere Fragen. Wir waren vor allem daran interessiert, warum ein Bürger der Bundesrepublik Deutschland mit der Flagge eines anderen Landes auf ein Podest getreten ist.

– „Ich wurde in der Region Akmola im Bezirk Esilsky im Dorf Kursk geboren“, sagte Eduard.

– Hier lebte ich bis ich 19 Jahre alt war. Warum ich mit der Flagge Kasachstans auftrat? Ich vermisse meine Heimatorte wirklich. Meine Eltern haben sehr Heimweh. Ich wollte schon lange mit der kasachischen Flagge das Podest besteigen, es war bisher einfach noch nicht möglich.

– Wie haben denn die Kollegen in Ihrem deutschen Team dazu gesagt?

– Ich spiele für den Verein „Fight Lounge“. Ursprünglich bin ich mit der Flagge Deutschlands aufgetreten und wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Und dann hob ich die kasachische Flagge, natürlich hatte ich zuvor beim Trainer um Erlaubnis gefragt. Er stimmte zu. Sie verstehen, wenn ich das in Kasachstan tun würde, würde man mich nicht verstehen (lacht). Deutsche sind eine andere Nation. Ich denke, ich werde es wieder tun. Wenn ich in die professionelle Mannschaft übergehe, werde ich mit zwei Flaggen das Podest besteigen…

– Wie lange bist du schon in diesem Sport?

– Ich begann mit 13 Jahren die Kampfkunst zu erlernen. Jetzt geht alles darauf hinaus, dass ich bald damit Geld verdienen werde. In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten für diejenigen, die das Beste geben und aufs Ganze gehen, denn hier versteht man besser, was „Humankapital“ ist. Zum Beispiel schenkt mir mein Trainer Mark Buchholz viele Geschenke vom Verein, die sich im Trainingsprozess als nützlich erweisen.

– Wie sind Ihre Erinnerungen an Kasachstan?

– Die Straße lehrte, die Ältesten zu respektieren und sich selbst zu schützen. Wenn ich nicht in Kasachstan geboren wäre, wäre ich nicht stark im Kampf. Ich habe eine Kampfgrundlage. Ich begann in der Sektion Freestyle Wrestling in Esil mit dem Trainer Tuligen Iskakov. Später betrat ich das Internat von Pavlodar und studierte anschließend in Kostanay, wo ich mich mit Ruslan Seksembayev im Armee-Nahkampf betätigte.

– Heißt das also, der Geist der Jungs in Kasachstan ist stärker als derer in Deutschland?

– Ich denke ja. Aber auch hier gibt es Kämpfer von gutem Niveau. Ich habe zwei Jungs aus Russland im Club, der Rest sind hiesig.

– Vermisst du deine Heimatorte?

– Ein kleines bisschen nach der hausgemachten Kost. Von den Gerichten – am meisten Beshbarmak, aber wir bereiten es in Deutschland für jeden Feiertagstisch vor. In der neuen Heimat bevorzuge ich Würstchen und gegrilltes mariniertes Fleisch.

– Beshbarmak vom Pferdefleisch? Oder isst man das in Deutschland nicht?

– Es gibt Orte, wo man es kaufen kann. Aber wir machen es mit Rindfleisch zu Hause.

– Übrigens, bist du in „VK“ in der Gruppe „Selfie Kostanay“. Suchst du nach Freunden oder vielleicht eine Frau in Kostanay?

– Ich habe vor, ein Mädchen aus Kasachstan hierherzuholen, aber erst nachdem ich selbst mit beiden Beinen sicher im Leben stehen werde.

– „Sicher im Leben stehen“ bedeutet das für dich, mit Wettkämpfen den Lebensunterhalt zu verdienen? Du kennst sicher den Ausdruck „The American dream“. Gibt es vielleicht auch so einen Ausdruck in Deutschland, so eine Art „Deutschen Traum?“

– Zuallererst möchte ich gut Deutsch lernen und in eine seriöse Sportorganisation eintreten. Und von dort aus wie bei allen üblich – ein Haus und eine Familie.

– Was gefällt Ihnen in Deutschland und was nicht?

– Hier mag ich die Natur, die Einstellung zu älteren Menschen und Behinderten. Um meine Eltern bin ich weniger besorgt. Ich mag die Jugendlichen hier nicht, die, so wie es mir scheint, den moralischen Werten nicht genug Aufmerksamkeit schenken.

– Wie kam Ihre Familie nach Kasachstan?

– Mein Großvater erzählte mir, dass die Familie während des Krieges aus Russland deportiert wurde.

– Erzählen Sie mir von der Weltmeisterschaft, an der Sie teilnehmen werden.

– Der Kampf wird in Bachrhein stattfinden. Ich kämpfe in der Gewichtsklasse ab 66 Kilogramm.

– Wenn Sie Kasachstaner treffen, fragen Sie dann erneut nach der Flagge, natürlich, wenn du das Podest aufsteigst?

– Ich weiß bereits sicher, dass bekannte Leute aus Kasachstan kommen werden. Und selbst in meinem Gewicht gibt es einen Kasachen. Ich kann jetzt noch nichts sagen. Ich möchte natürlich in jedem Kampf gewinnen, und weiter? … So wie es eben kommen mag!

– Abschließend möchte ich fragen … was oder wen würden Sie aus Kasachstan nach Deutschland nehmen?

– Meine wahren Freunde.

Eduard Keksel, der in der MMA kämpfte, nahm an der Weltmeisterschaft U18 teil (Karaganda, 2015), wo er den dritten Platz belegte. Zweimal wurde er in der offenen Meisterschaft Russlands im Ural Cup in Magnitogorsk und im russischen Nahkampf „Buza“ Sieger.

Lyudmila Fefelova, Farid Dandybaev

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