Ein akzentfreier Sommer

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Das Sprachlager ist also vorbei. Die Pädagogen und Erzieher der einzigartigen Netzwerk-Sprachplattform „Auf den Spuren der russlanddeutschen Kulturgeschichte“, welche im Gebiet Pawlodar stattfand, haben ihre Schicht erfolgreich beendet.

Zur Erinnerung: Das Sprachlager wurde sowohl im Gebietszentrum (Auf Grundlage der lokalen geisteswissenschaftlichen und pädagogischen Hochschule, – Anm.), sowie in anderen Regionen veranstaltet: In Ekibastuz, Aksu, Nowotschernojarka, Olgino, Rozowka, und Lugansk. Die Gesamtzahl der Schüler, die das Sprachlager besuchten, betrug 113 Personen.

Die Kinder konnten dort ihr Deutsch auf originelle, effektive und unterhaltsame Weise verbessern, an Kreativworkshops (Basteln) und Theateraufführungen (Theater) teilnehmen, nationale Traditionen, Kultur, Geschichte und Landeskunde erfassen, Sport, ästhetische Gymnastik (in Rozowka) treiben, sowie an verschiedenen thematischen Trainings, Spielen und Ratespielen teilnehmen. Als Sahnehäubchen wurden verschiedene Wanderungen und Exkursionen angeboten, aber auch hier galt die Maßgabe: nicht nur Unterhaltung, sondern auch Wissen und Weiterentwicklung. Genau so, wie es der Zeitgeist verlangt.

Olgino

– Das ethnokulturelle Bildungsprogramm wurde unter Berücksichtigung der Interessen der Kinder geplant, – erzählt Wilimina Gerzen, Deutschlehrerin der POON „Wiedergeburt“ im Dorf Olgino, sowie Fremdsprachenlehrerin und stellvertretende Direktorin für Bildungsarbeit an der KGU SOSch Olgino im Uspensker Kreis, Gebiet Pawlodar. – Fast zwei Wochen lang hatten Jungs und Mädels, die deutsche Wurzeln besitzen, die Möglichkeit, nicht nur die Sprache ihrer Vorfahren zu lernen, sondern auch in die Welt der Kunst einzutauchen – sie hatten die Möglichkeit, herausragende Persönlichkeiten kennenzulernen, russische und kasachstanische Deutsche, die unschätzbare Beiträge zu Kultur, Literatur, Musik und Malerei leisteten. Kein Tag glich dem anderen.

Im Sprachlabor „Die Kunstwerkstatt“ übten die jungen Gelehrten, Künstler, Linguisten und Kenner der Literatur und Geschichte Gedichte ein, sangen Lieder, erstellten Collagen, zeichneten, meißelten und modellierten, und pumpten sich mit Kreativität und neuem Wissen auf.

– An dem Tag, der sich der bildenden Kunst widmete, haben wir zunächst das regionale Kunstmuseum besucht, wo wir die Gemälde kasachstanischer und russischer Meister kennengelernt haben. Dann haben wir uns auf in das Multimedia-Museum „Ertis“ gemacht, wo wir eine Menge an positiven Emotionen und obendrauf noch einen Sturm der Freude erhalten haben, – teilt Wilimina Gerzen ihre Eindrücke. – Der Tag der Malerei wurde der Natur gewidmet: es wurden Bilder an der frischen Luft gemalt. Genau so haben es schon viele bedeutenden Künstler getan, und sie lagen damit völlig richtig… Am Theatertag versanken alle in den Proben und vervollkommneten die Nuancen des schauspielerischen Charismas und der oratorischen Fähigkeiten. Am Tag des Volkstanzes wurde eine deutsche Polka und Volkstrachten aufgeführt.

Laut Wilimina Gerzen haben sich sämtliche Mühen absolut gelohnt: die Sprachplattform war dazu da, Kinder zu motivieren, auch weiterhin Deutsch zu studieren. Tatsächlich ist die Sprache von Goethe und Schiller für die Volksdeutschen Kasachstans sowohl das Ahnengedächtnis als auch nationale Tradition, Kultur und Geschichte.

Lugansk

– Ein weises chinesisches Sprichwort sagt: „Sag es mir – und ich werde es vergessen. Zeige es mir – und ich werde es erlernen“. Dieses Zitat stimmt genau mit dem Hauptziel unserer Sprachplattform überein – der Weiterentwicklung und Verbesserung der Fähigkeiten der mündlichen Sprache, der Bereicherung des Wortschatzes, dem Kennenlernen der Kultur der kasachstanischen und russischen Deutschen, sowie der Herausbildung einer ethnischen Identität, – erklärt Tatjana Tkatsch, Lehrerin der Kurse und Zirkel der deutschen Sprache in der POON „Wiedergeburt“ in dem Dorf Lugansk, sowie Lehrerin für Englisch und Deutsch an der Mittelschule Lugansk im Pawlodarer Kreis. – Das Sprach- und Lernprogramm nahm im Lager einen besonderen Platz ein – das ist nicht nur Grammatik, sondern auch Sprachpraxis, das Eintauchen in die sprachliche Umgebung während des gesamten Aufenthaltes. Der tägliche aktive, kognitive Deutschunterricht umfasste vier Unterrichtsstunden.

Wie Tatjana Tkatsch feststellt, ist eines der dringendsten Probleme der ethnischen Deutschen Kasachstans heute die Schwierigkeit, die ethnische Identität zu bewahren. In diesem Zusammenhang interessant war der Workshop, der auf das Verständnis der Geschichte und der Sprache des deutschen Volkes anhand der Familiengeschichte jedes Teilnehmers des Sprachlagers ausgerichtet war.

– Die Jungs und Mädels wurden gebeten, die wichtigsten Ereignisse in ihren Familien vor und nach ihrer Geburt aufzulisten, – fährt die Lehrerin der Lugansker Mittelschule fort, – Die daraus resultierende chronologische Liste begann für einige Teilnehmer manchmal mit sehr wichtigen historischen Ereignissen im Zusammenhang mit der Deportation, Arbeitsarmee (Urgroßmütter und Urgroßväter), und setzte sich mit dem Kennenlernen der Eltern und sehr persönlichen Situationen fort.

Was ist das eigentlich, Sommerferien mit Nutzen?Das ist ein harmonisch strukturiertes Programm mit einem Komplex aus verschiedenen, spannenden und Kreativen Aktivitäten, sich entwickelnden Meisterklassen und Sport- und Freizeitaktivitäten. So lernten die Schüler zunächst das großartige Werk von A. Befort „Die Geschichte der Wolgadeutschen“ kennen, anschließend ließen sie sich von der Erstellung von Illustrationen zu einem Gedicht mitreißen, danach beschäftigten sie sich mit der Erstellung von Collagen und studierten gleichzeitig das Leben und die Werke von Nelly Wacker, Rosa Pflug und Nora Pfeffer kennen. Und danach stürzten sie sich kopfüber in das Verlegertum und gaben gekonnt bunte „Mini-Bücher“ mit den einprägsamsten Werken heraus.

Die Jungs und Mädels wurden der Meisterwerke der kreativen Kultur teilhaftig, gaben den Bildern von A. Rittich, W. Eifert und L. Brummer eine hervorragende Bewertung, nahmen die Rollen von Künstlern an, indem sie die Erinnerungsstücke „Magische Pinsel“ bastelten und Karnevalsmasken bemalten. Die stiegen in die Rollen von Geschichtenerzählern und Schauspielern, inszenierten das Stück „Hänsel und Gretel“ und tanzten sogar Polka. Sie lernten die Kleiderkollektionen der Wolgadeutschen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennen, als sie eine entsprechende Ausstellung vorbereitet hatten. Aber besonders unvergesslich war für die Jungs und Mädels die Bekanntschaft mit der Geschichte der deutschen Musikinstrumente. Zu ihrer lauten Begleitung wurden Volksmusik und Lieder von J. Fischer aufgeführt.

– Das Hauptaugenmerk wurde natürlich auf die Entwicklung der monologischen und der dialogischen Rede gelegt. Das Erlernen von Liedern und Zungenbrechern, das Anschauen von Filmen, und, das wichtigste, die lebendige Kommunikation auf Deutsch – alles dies ermutigte die Kinder dazu, ihre besten Qualitäten zu präsentieren, – merkte Tatjana Tkatsch an, – Ich denke, das ist uns alles gut gelungen!…

Novotschernojarka

– Die Arbeit im Sommersprachlager fand gemäß des Programms in zwei Bereichen statt, und jeden Tag brachte sie neue Fähigkeiten, Kenntnisse und Talente zutage, – kommentiert Marina Sereda, Deutschlehrerin der POON „Wiedergeburt“ im Dorf Nowotschernojarka, Lehrerin für Russisch, Literatur und Englisch an der KGU Mittelschule Tschernojarsk im Pawlodarer Kreis. – So verwandelten sich die Jungs und Mädels mit großer Freude in Designer, Schriftsteller, Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler. Sie wirkten an der Entwicklung und Gestaltung deutscher Volkstracht mit, stellten die Kulissen für die Aufführung des Märchens „Rotkäppchen“ in Eigenregie her und probten ausschließlich in deutscher Sprache.

Nach dem Besuch der Werkstatt „Landeskunde“ waren die Schüler von der Idee begeistert, ein eigenes Buch über die Geschichte der Russlanddeutschen zu veröffentlichen. Und am Tag der Filmkunst organisierten sie einen Drehort, statteten ihn mit dem nötigen Equipment aus und griffen mit Begeisterung die „wichtigste aller Künste“ auf. Die Großen Tatjana Peltzer und Alisa Frejnlich hätten sicherlich zugestimmt.

Marina Angaldt

Übersetzung: Philipp Dippl

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