Internationale wissenschaftspraktische Konferenz: Kommentare und Perspektiven

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Wie kann man das kulturelle Erbe in Zeiten der Globalisierung bewahren? (Teil 2)

Wendelin Mangold, Doktor der Philosophie, Königstein im Taunus, Deutschland:

„Literatur und Kunst, das sind heikle Angelegenheiten, nicht jeder ist zu einer künstlerischen Darlegung der Gedanken fähig. Im diesem Zusammenhang kommt einem ein russisches Wort in den Sinn: „пестовать» (schätzen) – man muss Talente schätzen, man muss sie aussuchen, unterstützen, insbesondere junge Talente, man muss ihnen helfen! Ohne dies werden wir noch lange auf Preisträger warten müssen. Wir müssen die Jugend zur lebhaften Begegnung mit den Schriftstellern aufrufen. Eine solche Zusammenarbeit wird in jedem Falle seine Resultate bringen. Es lohnt sich nicht, in der Position des Opfers zu verharren und nur über die schwere Bürde des deutschen Volkes zu schreiben. Wir sind ein robustes Volk! Und es gibt noch viele Bereiche, in denen man arbeiten und wunderbare Werke schaffen kann.

Ich bin sehr erfreut über die Anteilnahme der Deutschen Kasachstans an den Problemen der Moderne, insbesondere der Bewahrung des unschätzbaren Erbes der Poeten, Schriftsteller und Wissenschaftler durch die Übertragung der Informationen vom Papier auf elektronische Datenträger. Die Digitalisierung ist heute ein überaus wichtiges Thema. Viele Talente gehen weg, und mit ihnen ihre Werke. Man weiß nie, welche Generation sich für Geschichte und Kultur interessieren wird. So wie sich jetzt zum Beispiel viele Amerikaner und Kanadier deutscher Herkunft, oder, wie man sie auch nennt, amerikanische und kanadische Deutsche, dafür begeistern“.

Tatjana Plochotnjuch, Doktorin der Geschichtswissenschaften, Professorin am Lehrstuhl für die Geschichte Russlands an der Nordkaukasischen Föderalen Universität:

„Diese Konferenz wurde dazu einberufen, die Angelegenheit zu einem logischen Abschluss zu führen, mit welcher wir uns bereits seit drei Jahrzehnten beschäftigen. Dies wird uns erlauben, die historische Vergangenheit zu bewahren und dem deutschen Volk Gerechtigkeit zu erweisen, welches viel für die Entwicklung unserer Länder geleistet hat.

Ich möchte ein Thema erschließen, welches der Nachfrage in unseren Ländern etwas zuvorkommt, allerdings Wissen miteinbezieht, welches vorbehaltlos die Definition „Erfahrung vieler Jahrzehnte“ verdient. Dies ist die Erfahrung der Amerikanischen Historischen Gesellschaft Deutscher aus Russland, welche im Jahr 1968 in Denver (Colorado) gegründet wurde. Zum Abschluss des ersten Konvents im Jahr 1970 fand ein großangelegtes Treffen von Nachkommen russischer Deutscher, die in Amerika leben, aber mit ihrer Herkunft in ängstlicher Beziehung stehen, statt. Sie sagen: „Ja, wir sind Deutsche, aber wir sind Russian Germans, wir sind nicht aus Deutschland, wir sind russische Deutsche“.

Diese Gesellschaft ist mit den Jahren nur erstarkt und bezeichnet ihre Bestrebungen so: unbedingte, widerstandsfähige Präsenz und starke Positionen im Internet. Die Internetressourcen der amerikanischen Deutschen arbeiten in allen Bereichen. Durch die digitalen Technologien und das Internet bewahren sie ihr Erbe, pflegen ihre Identität und erhalten sogar finanzielle Mittel, welche es ihnen erlaubt, als eigenständige Gesellschaft zu existieren. Dieser Faktor, neben der aktiven Verwendung der Internettechnologie, unterscheidet sie von anderen Vereinigungen und direkt von den russischen Deutschen selbst. Sie befassen sich mit der Rekonstruktion und der Bewahrung der Vergangenheit ihres Volkes und wählen zur Erforschung einen völlig anderen, metalogischen Ansatz – die Mikrogeschichte.

Die Mitglieder der Gesellschaft finden das Material, stellen Befragungen an, führen Interviews und stellen die Handlungen zusammen, die später durch Archivdaten belegt werden könnten. Sie geben die Handlungen dem Menschen zurück, entweder seinen Verwandten oder ihm selbst, sie sind damit wirklich Gegenstand der Geschichtswissenschaften, denn genau das ist der Mensch, und das, was er in der Vergangenheit getan hat. Diese Gesellschaft besitzt ein reich verzweigtes Netzwerk lokaler Niederlassungen, und jede von ihren verfügt über eigenen Ressourcen, die bereits digitalisiert wurden. Es wäre ratsam, die Erfahrungen zur Durchführung der Digitalisierung von unseren ausländischen Kollegen zu übernehmen.

Es ist erfreulich, dass die Konferenz „Die Deutschen Kasachstans: historische Erinnerung der Ethnie und Digitalisierung der Informationsressourcen“ zu einer Plattform für eine moderne Arbeit nicht

nur für kasachstanische und deutsche Wissenschaftler wurde, an ihr haben selbst führende Geschichtsexperten aus Russland und der Ukraine teilgenommen. Einer von ihnen ist Aleksandr Djulkenko (Stadt Stawropol), der sofort mit dem Thema seiner Rede Interesse weckte und eine alternative Idee zur Entwicklung des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans vorschlug. Er hat den Teilnehmern anschaulich demonstriert, wie moderne Technologien Informationen transformieren und sie an die moderne Jugend anpassen können, wie man Exkursionen durch ein Museum zu einer spannenden Lehrübung für Kinder und Erwachsene umgestaltet. Aleksandr hat am Beispiel der Arbeit des Anne-Frank-Museums in Amsterdam anschaulich erläutert, wie Chat-Bots funktionieren.

Aleksandr Djuldenko: „Ein Chat-Bot ist ein Programm, welches in der Lage ist, eine Korrespondenz mit dem Benutzer in einem Chat aufzunehmen, während es dabei menschliches Verhalten imitiert. Es funktioniert auf jeder bekannten Plattform. Diesen Programmen wurde beigebracht, sich mit einer für Menschen natürlichen Sprache zu unterhalten. Ich gehe gleich auf das Problem ein, welches sie lösen.

Die meisten Museen sind mit dem Verlust des Interesses der jungen Generation an den Exponaten konfrontiert. Das aktuelle Verlangen der Jugendlichen bezieht sich auf schnelle, bündige und farbenfrohe Informationen, die in kurzen Fristen abzurufen sind, deshalb beziehen viele Museen weltweit IT-Technologien in ihre Arbeit mit ein.

Eines der markantesten Beispiele ihres Einsatzes ist das Hausmuseum von Anne Frank. Dessen Besucher benutzen den Facebook-Messenger, in welchem man durch die Kommunikation mit einen Bot erfährt, wie man zum Museum findet, wie viel die Eintrittskarte kostet, man Informationen zu den Exponaten erhält und vieles weiteres.

In der modernen Welt gibt es drei Haupttrends, welche alle bestehenden Informationslösungen verdeutlichen: der Aufbau von „leichten“ Webseiten, die Suche von Informationen in Gemeinschaften, das erhöhte Interesse in die persönliche Geschichte. Das können Informationen über sich selbst, über die Familie oder über die Vorfahren sein. In dieser Hinsicht folgt der Chat-Bot ideal den modernen Tendenzen: eine einfache Lösung, eine individuelle Gesellschaft, in der es eine direkte, persönliche Korrespondenz gibt.

Ebenso möchte ich das Kunstmuseum des 21. Jahrhunderts in Rom erwähnen. Dessen Mitarbeiter haben einen Bot erschaffen, der Schülern dabei hilft, das Museum nicht einfach zu besuchen und dort Informationen zu erhalten, sondern sie zu erarbeiten. Dies funktioniert so: das Museum besitzt eine eigene Währung, und jeder Besucher nimmt an einer Schnitzeljagt teil, für die man Banknoten erhält, am Ende der Exkursion kann man diesen Geldbetrag in Artikel des Museums umtauschen, in Eintrittskarten oder eine neue Exkursion, was das Interesse der Jugend sehr anregt und steigert. Der Schlüsselmoment dieses Ratespiels, die Antworten dazu muss man im Museum selbst suchen, was dazu anregt, die Exponate während des Besuches im Detail kennenzulernen. Es ist möglich, dass solche Technologien im Moment aufgrund des Preises und den Schwierigkeiten in der Handhabung noch keine große Verbreitung erfahren, aber es gibt bereits jetzt Plattformen, die kostenlose Bot-Entwicklungen anbieten. Wenn nur die Initiative und der Wunsch da wäre, mit ihnen zu arbeiten“.

Wie man beobachten kann, war das Spektrum der in der kasachischen Hauptstadt vorübergegangenen Konferenz umfangreich, da es verschiedene Möglichkeiten zur Entwicklung des historischen Bereiches abdeckte. Das nächste Treffen der Praxiswissenschaftler wird im Jahr 2022 stattfinden.

Die Materialien hat Anastasija Koroljowa vorbereitet.

Ubersetzung: Philipp Dippl

 

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