Geschichte und Literatur durch’s Theater

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Die Teilnehmer des Workshops „Zwischen Kulturen, Sprachen und Geschichte Schöpferische Arbeit bei den Spätaussiedlern“ konnten in die Welt der deutschen Geschichte, Kultur und Kreativität eintauchen. Die Diskussion fand letzten Samstag auf der Plattform Zoom statt.

Die Online-Veranstaltung ist Teil einer Reihe von Seminaren, die von der regionalen deutschen „Wiedergeburt“-Gesellschaft in Pawlodar und in Deutschland lebenden Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion organisiert werden. Die Diskussion wurde von Katharina Martin-Virolainen, einer deutschen Schriftstellerin, Sozialaktivistin und Journalistin, moderiert. Heute ist das Theater ein wesentlicher Bestandteil ihrer kulturellen Aktivitäten.

„Eines der beliebtesten und wichtigsten Themen vieler kreativer Projekte, die von Russlanddeutschen in Deutschland durchgeführt werden, ist Heimat. Das heißt: wo unsere Heimat ist, wo wir herkommen und wohin wir kamen, wo wir gelebt haben und besser leben, was unsere Eltern und Großeltern über unsere Heimat dachten“, sagte Katharina Martin-Virolainen. „Ein weiteres wichtiges Thema ist natürlich die Geschichte im Allgemeinen – ein Streifzug von der Manifest-Einladung der Kaiserin Katharina der Großen nach Russland bis zu den sowjetischen Repressionen und Deportationen und den Lebensgeschichten der einfachen Leute, unserer Vorfahren. In meinen Projekten verwende ich oft ‚Geschichte‘ und ‚Geschichten‘: Erzählungen über die Kriegs- und Nachkriegszeit, die Deportation, das Leben in einer Sondersiedlung, die Migration unserer Eltern, auch von uns, nach Deutschland und die Schwierigkeiten, die wir hatten. Darüber hinaus sind Literatur und Biografien historischer, erfolgreicher und kreativer Persönlichkeiten, wie der Schriftstellerin Nora Pfeffer, ein wichtiges Thema meiner Projekte. Und auch: Musik, Filme, Kunst und, wie gesagt, Integration und Leben in Deutschland.“

In dem Seminar wurden neben der Kultur und Geschichte der deutschen Minderheiten aus der ehemaligen Sowjetunion auch andere aktuelle Themen erörtert, Meinungen und praktische Erfahrungen ausgetauscht sowie Ideen und Vorschläge für zeitgemäße Anforderungen formuliert.

„Viele Menschen in der deutschen Gesellschaft wissen immer noch nicht, wer Russlanddeutsche sind, verstehen den Begriff ‚Russlanddeutsche‘ nicht, kennen die Geschichte unserer Vorfahren nicht und sind sich nicht aller Nuancen der Integration der deutschen Einwanderer in Deutschland bewusst. Übrigens war die Integration gar nicht so einfach“, erklärte die Seminarleiterin. „Heute wird mehr und mehr darüber gesprochen, um uns ein wenig verständlicher zu machen. Ich zum Beispiel zeige schon seit etwa zwanzig Jahren in verschiedenen Projekten, wer die Russlanddeutschen sind. Und ich muss sagen, dass dies sehr wichtig ist… Ich habe mich einmal mit einem Regisseur unterhalten und er sagte mir: ‚Wissen Sie, nicht viele Menschen in Deutschland fragen: Warum sind hier Türken, Italiener, Portugiesen?‘ Jeder kennt die Geschichte der Wanderarbeiter – sie wurde auf allen Fernsehkanälen behandelt. Aber die Geschichte der Russlanddeutschen ist immer noch unbekannt und kann nicht erzählt werden. Obwohl die erste Welle deutscher Einwanderer aus der Sowjetunion bereits 1956 in Deutschland beobachtet wurde.“

Wie Katharina Martin-Virolainen betonte, ist es ihr Traum, mit ihren Theaterprojekten das Publikum zu erreichen, um ihm die Wahrheit über die Geschichte der Russlanddeutschen zu vermitteln. Es gibt jedoch einige Hindernisse, die der Verwirklichung dieser guten Zwecke im Wege stehen.

„Meine Theatergruppe ‚Meine Leute‘ (ein Aufruf der Kaiserin Katharina der Großen an die Deutschen), die aus zehn Personen und zwei Lehrern besteht, leistet großartige Arbeit. Wir sind regelmäßig in der Öffentlichkeit, wir erzählen allen, wer die Russlanddeutschen sind, wir nehmen an vielen Veranstaltungen teil, wir tun alles Mögliche und Unmögliche. Aber wir erhalten keine Finanzmittel, uns werden nicht einmal Räumlichkeiten zugewiesen. Lachen Sie nicht, aber wir proben bei mir zu Hause“, sagt Katharina Martin-Virolainen. „Ich erinnere mich, als wir eines der Stücke über die Geschichte der Russlanddeutschen aufführten, kam ein Junge auf mich zu – damals hatten wir schon drei Jahre lang Produktionen gemacht – und sagte: ‚Wissen Sie, ich habe gerade erst gemerkt, wer Sie sind‘. Das heißt, er hat erst durch das Theaterstück erkannt, wer die Russlanddeutschen sind. Das war für mich damals eine Art Signal – ja, wir sollten die Geschichte der vertriebenen Deutschen wirklich weitererzählen und zeigen.“

Marina Angaldt

Übersetzung: Annabel Rosin

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