Johannistag in Semej

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Die Teilnehmer des Klubs der deutschen Jugend „Glück“, sowie die Zuhörer der Sprachkurse Deutsch der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Semej sind an einem warmen, sonnigen Tag auf die Insel Bejbitschilik gefahren, um die Traditionen des Johannistages kennenzulernen, der bei den ethnischen Deutschen am Tag der Sommersonnenwende gefeiert wird.

Der Johannistag gilt als magisch, da die Sonne an ihrem höchsten Punkt steht und die höchste Kraft hat. Es ist üblich, an diesem Tag ein Lagerfeuer zu entzünden, der Legende nach hat dieses besondere heilende Eigenschaften. Liebespaare versuchen an diesem Tag, ihre Liebe zu testen und für viele Jahre lang zu festigen. Jungen und Mädchen sprangen über das Feuer, während sie Händchen hielten: Die Flammen mussten unbedingt berührt werden – dies half dabei, die Liebe zu stärken. Auch war es wichtig, darauf zu achten, dass das Paar beim Sprung die Hände nicht loslässt – das galt als schlechtes Omen für die Liebesbeziehung.

Olga Beder, Methodistin und Kuratorin der Sprachprojekte der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“, half den Jugendlichen beim Flechten von Blumen- und Kräuterkränzen und fertigte auch eine Puppe aus Gras – das Kornmädchen. Sie symbolisiert eine Hexe, und sie wird im Feuer verbrannt, um alles Negative, alle Krankheiten und alles Schlechte loszuwerden. An diesem Feiertag weissagen die Mädchen über ihre Heirat, sie werfen geflochtene Kränze, den Johanniskranz, in den Fluss. Wenn der Kranz sicher auf dem Wasser schwimmt, dann kann seine Besitzerin auf eine baldige Hochzeit hoffen, und die Besitzerin eines untergegangenen Kranzes muss auf eine Heirat bis zum nächsten Jahr warten. Die Kränze aller Mädchen aus dem Klub sind auf dem Wasser geschwommen, also stehen viele Hochzeiten vor der Türe.

In der Nacht des Johannes besitzen solche Kräuter wie Johanniskraut, Ivan-Da-Marija, Schfgarbe, Kamille oder Wegerich heilende Kräfte. Sie helfen bei vielen Krankheiten, und in der weit zurückliegenden Vergangenheit wurden aus diesen Kräutern geflochtene Kränze zwischen die Fensterrahmen gelegt, an der Haustüre oder auf dem Dachboden aufgehängt, um sich vor bösen Geistern zu schützen.

Den Kranz aus Johanniskraut legten sich die Mädchen unter das Kopfkissen, das versprach ihnen, im Traum ihren Verlobten zu sehen. Man könnte auch seiner Liebsten einen solchen Kranz schenken. Auch das Wasser hat an diesem Tag heilende Eigenschaften. Um Sommersprossen und Hautkrankheiten loszuwerden und noch schöner zu werden, haben sich die Mädchen frühmorgens mit dem Tau das Gesicht gewaschen. Der Tag des heiligen Johannis hat den Sommer eröffnet, und ab diesem Tag war es erlaubt, in den Seen zu schwimmen. Das Baden gab Vitalität und sollte Glück bringen, und so haben sich alle fröhlich mit Wasser übergossen.

An diesem Feiertag lernten die Jugendlichen die farbenfrohen Traditionen des Johannistages kennen und bereiteten ein kurzes Video über die Bräuche des Johannistages vor, das in den sozialen Netzwerken des Klubs veröffentlicht wurde. Die Jungs und Mädels gingen an diesem Tag durchnässt und etwas angebrannt, aber sehr zufrieden nach Hause, denn dieser Feiertag war erlebnisreich und lustig.

Marija Gorbatschjowa

Übersetzung: Philipp Dippl

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