Lieben bis zum Ende

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Die Premiere des Theaterstücks „Kalter Tango“ hinterließ eine Masse an Emotionen, mit welchen sich die Zuschauer nicht zurückhielten: es gab Tränen, stehenden Applaus und Stolz. Stolz auf das, wie gewöhnliche Schüler aus Aktöbinsk die Atmosphäre der Kriegsjahre vermitteln können.

Im Juni 2017 kam das Kriegsdrama von Pawel Tschuchrai „Kalter Tango“ auf die große Leinwand. Es ist ein schwieriger Film, seine Bedeutungslast zwingt den Zuschauer dazu, nicht nur das Erlebte der Filmhelden mitzufühlen, sondern auch sich aller Ungerechtigkeiten und Belastungen zweier Regime bewusst zu werden: dem faschistischen und dem stalinschen. Ein Jahr später entschied sich Diana Schurygina, zu dieser Zeit noch Schülerin der Zehnten Klasse an der Schule Nr. 11 in Aktöbinsk dazu, eine kleine Vorstellung zum Tag des Sieges vorzubereiten.

„Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, tat es mir im Herzen weh, jeder Moment stach direkt in die Seele. Anschließend habe ich verstanden, dass ich mehr will, als eine einfache Vorstellung für einen Wettbewerb. Aber alleine würde ich das nicht schaffen, darum habe ich mich an die Leiterin der deutschen Theaterwerkstatt Inna Woloschina gewendet“ – erinnert sich Diana.

Bis zur Verwirklichung der Idee vergingen für die Schüler einige Monate: die seltenen Proben (praktisch die ganze Zeit wird für den Schulunterricht und zusätzliche Schulstunden verwendet) wurden durch den großen Wunsch, die Beharrlichkeit und den Fleiß jedes Teilnehmers ausgeglichen. Und vor kurzem fand im Saal des Hauses der Freundschaft die Premiere statt…

Krieg ist ein schlimmes Wort, aber noch fürchterlicher war es für die, die ihn durchleben mussten. Das ist nicht nur der Tod auf dem Schlachtfeld, das ist auch Hunger, Schrecken, Misstrauen, Mutmaßungen… außerhalb des Theaters der Kriegshandlungen.

Maks ist Jude, der als Kind die faschistische Invasion in Litauen erlebt hat. Zusammen mit seiner Schwester und Mutter wurde er in ein Lager verschleppt, aber ihm gelang die Flucht. Als er nach Hause zurückkommt, entdeckt er dort fremde Menschen. Sie lassen ihn übernachten, als er erzählt, dass alle seine Verwandten erschossen wurden. Wie sich später herausstellt, wird dies eine schicksalshafte Nacht. Die Tochter der neuen Hausherren Lajma, eine Altersgenossin von Maks, spürt Sympathie für den glücklosen Jungen. Viele meinen, dass es zu früh ist, in solch jungem Alter über die Liebe zu reden, aber die Kinder denken anders. Ein heller Geistesblitz, der aber (in diesem Moment) nicht in etwas größeres heranwachsen kann. Ein Streit zwischen Lajma und Maks schafft eine Barriere zwischen den beiden.

Es vergehen zehn Jahre. Maks, der jetzt bereits Offizier der NKWD ist, kehrt wieder in seine Heimatstadt zurück und trifft die, von der er in all den Jahren geträumt hat. Beide begreifen noch nicht, dass sie nicht zusammen sein können.

In der Zeit der faschistischen Okkupation hat der Vater von Lajma in einer Kohlenmine gearbeitet. Jetzt ist er ein Volksfeind. Ihm droht die Erschießung. Für Maks ist sie die Tochter eines Verräters, der indirekt ein verhasstes Regime unterstützt hat. Ein Dilemma – Liebe oder Blutrache? Der junge Mann entscheidet sich für ersteres. Er möchte seine Liebe retten, bietet an zu fliehen, aber es ist bereits zu spät. Sie sind beide durch den Tod bedroht. Maks wird angeboten, einen Zettel zu unterschreiben und sich als Spion zu bezichtigen. Dafür versprechen die Tschekisten, das Mädchen freizulassen. Der Sträfling stimmt zu. In dem Moment, als er seine Unterschrift auf das Dokument setzt, entscheidet sich seine Lajma zum Selbstmord. Zwei Tage später wird Maks erschossen…

Ein Spiel aus dem Herzen

Ich dachte, solche Aufführungen sind noch zu schwierig für Schulkinder, aber ich habe mich geirrt. Die ganze Aufführung wurde in 40 Minuten gepackt, trotzdem bleibt das Gesehene noch einige Tage in mir stecken. Die Laienschauspieler haben so gut gespielt, dass niemand seine Emotionen zurückhalten konnte. Und das war auch nicht nötig. In solchen Momenten schämt man sich nicht für die Tränen…

Der Bühnenpartner von Diana, Willi Amuchamedow (Maks) spielte glänzend! Nach seinen Worten war das allerwichtigste, die Emotionen des Helden genau wiederzugeben. „Es ist eine solch subtile Arbeit, die keine Fehler zulässt. Niemand weiß, wer wir in 10 oder 20 Jahren sein werden. Aber eines kann ich sicher sagen: das, was wir zusammen mit der deutschen Theaterwerkstatt machen, ist eine unbezahlbare Erfahrung, welche uns in Zukunft noch sehr nützlich sein wird. Und diese aufregenden Momente, diese Tränen, diese Emotionen! Von ihnen werden wir unseren Kindern und Enkelkindern erzählen“.

Dmitri Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

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