Rosowka. Eine Insel des deutschen Lebens

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Wie das ehemalige deutsche Dorf in der Nähe von Pawlodar aktiv daran arbeitet, seine Sprache und die Traditionen seiner Vorfahren zu bewahren… Und worüber beschweren sich die Sozialhilfeempfänger?

Im Dorf Rosowka im Gebiet Pawlodar fand ein Arbeitstreffen in freier Form statt. Zu Sowjetzeiten befand sich hier die Kolchose Kirow, die führend und innovativ in der ganzen Region war. Der Grundstein des Dorfes wurde von deutschen Kolonisten aus der Provinz Ekaterinoslaw zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelegt.

Die Teilnehmer des Begegnungszentrums in Rozowka wurden von der Koordinatorin und Leiterin des Programms des deutschen Innenministeriums zur Unterstützung der Deutschen in der Region Pawlodar, Olga Wladimirowna Litnewskaja, besucht. Im Rahmen der Veranstaltung besuchten die Besucher pädagogische Meisterkurse und Freizeitclubs der Niederlassung, diskutierten über thematische Tätigkeitsbereiche des Begegnungszentrums und schenkten den methodischen Entwicklungen und der Relevanz von Bildungsansätzen besondere Aufmerksamkeit. In einer regen Diskussion wurden die erzielten Ergebnisse erörtert und neue Schritte geplant, um das Interesse der jungen Generation an der deutschen Sprache zu fördern und ihre Position zu stärken.

„Unser deutsches Kulturzentrum bei der regionalen Deutschen Gesellschaft „‘Wiedergeburt‘ in Pawlodar ist seit 1996 tätig. Letztes Jahr feierten wir eine Einweihungsparty in den renovierten und umgestalteten Räumlichkeiten eines ehemaligen Kindergartens, dessen Gebäude die ‚Wiedergeburt‘ teilweise erworben hatte. Jetzt stehen den Kindern warme, gemütliche und helle Räume zur Verfügung“, sagt Natalia Kolesnik, Lehrerin und Leiterin des Begegnungszentrums in Rozowka. „Die Gäste besuchten jede unserer Proben, spazierten durch das Zentrum, lauschten den Melodien und Liedern, sahen den Tänzen und Herbstworkshops zu und sprachen mit den Kindern und den Leitern der Kurse. Wir haben auch Erwachsene zu der Veranstaltung eingeladen – diejenigen, die an den Kursen teilnehmen und diejenigen, die in der Sozialarbeit unterstützt werden.“

Laut Olga Litnewskaja, der stellvertretenden Vorsitzenden der regionalen deutschen Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Pawlodar, ist die Zweigstelle in Rozowka wahrscheinlich die einzige im ganzen Dorf, in der Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, Kurse nach ihren Interessen zu besuchen.

„Es ist immer ein Vergnügen, gute, bewährte Arbeit zu sehen. Das ist der Eindruck, den wir bei unserem Besuch in der Zweigstelle des Begegnungszentrums im Dorf Rozowka im Gebiet Pawlodar gewonnen haben. Alle Kinder haben den Wunsch zu arbeiten, zu singen, zu tanzen und Deutsch zu lernen. Es ist angenehm, dass sich viele junge Leute im Zentrum aufhalten. Einen besonders herzlichen Eindruck hinterließ der Kurs der Gitarristen unter der Leitung von Denis Ilkow – junge Leute, die mit großem Interesse alle Musikinstrumente spielen, einschließlich improvisierter Trommeln, kreieren Lieder. Gleichzeitig lernen sie die deutsche Kultur und Sprache. Der kreative Prozess ist in vollem Gange“, sagt Olga Litnewskaja. „Bei der Eröffnung des Deutschen Hauses trafen wir eine Tanzgruppe, die uns in bester Erinnerung geblieben ist. Olesja Efremowa ist die Leiterin der deutschen Amateurtanzgruppe. Bei den Proben studierten die Teilnehmer des Kollektivs neue Tänze ein – sie waren völlig darin vertieft. Wir haben auch die Kursteilnehmer getroffen: Es ist schade, dass einige von ihnen erst dann anfangen, sich aktiv an die deutsche Sprache zu erinnern und Kurse zu besuchen, wenn ihr Umzug nach Deutschland ansteht. Wir besuchten die Kunsthandwerksgruppe „Basteln“ unter der Leitung von Erika Plewako und sahen uns die farbenfrohen und faszinierenden Exponate an. Kurzum, die Niederlassung in Rozowka führt ein erfülltes, abwechslungsreiches und interessantes Leben. Es gibt Möglichkeiten, sich zu treffen, Clubs zu besuchen, auf Deutsch zu kommunizieren, Feste zu feiern und andere Veranstaltungen durchzuführen.

Darüber hinaus fand während des Arbeitsbesuchs ein Gespräch mit der älteren Generation statt, also mit den Menschen, die von den Maßnahmen profitieren. In dem Gespräch mit ihnen ging es um die Einzelheiten der Sozialprogramme, einschließlich der Nahrungsmittelhilfe und der Erstattungen für den Kauf von Medikamenten. Wie sich herausstellte, waren viele Rentner mit der Qualität bestimmter Produkte nicht zufrieden.

„Das Prinzip, nach dem wir jetzt arbeiten – das Prinzip des Gewährleistungsrechts -, wirft bei mir persönlich natürlich viele Fragen auf. Wie kann man beispielsweise arbeiten, indem man die Anbieter mit den billigsten Produkten auswählt?“ fragt sich Olga Litnewskaja. „Ich denke, wir sollten hier nach dem Prinzip handeln: Weniger ist mehr, aber besser. Ich denke, wir müssen diese Frage noch einmal überdenken, sie im Kuratorium und im Stifterrat ansprechen sowie mit den Geldgebern diskutieren.“

Zum Abschluss des arbeitsreichen Tages verwöhnten die Organisatoren alle mit einem deutschen Nationalgebäck – leckeren Torten mit verschiedenen Füllungen. Und die entspannte Atmosphäre lud zu einem herzlichen Gespräch bei einer Tasse Tee ein.

Marina Angaldt

Übersetzung: Annabel Rosin

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