Tischlerwerkzeuge in der Kollektion des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans

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Wenn man sich den Katalog der Exponate des virtuellen Museums der Deutschen Kasachstans anschaut, fallen einem zwei interessante Dinge auf. Erstens sind aus irgendeinem Grund die meisten der Arbeitswerkzeuge, die in der Kollektion präsentiert werden, Tischlerwerkzeuge (zu diesen kann man Zimmereiwerkzeuge hinzuzählen), zweitens tragen viele von ihnen in russischer Sprache deutsche Namen. Versuchen wir, herauszufinden, was dahintersteckt.

Die Herstellung von Objekten aus Holz ist Jahrtausende alt. Englische Handwerksmeister im 17. Jahrhundert haben Formen von grundlegenden Werkzeugen entwickelt, die, wie zum Beispiel der Hobel, bis heute existieren.

Auch die industrielle Herstellung von Tischlerwerkzeugen wurde in England geschaffen. Aber mit Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die Innovationen in den Technologien des Tischlerhandwerks, sowie in vielen anderen Branchen, aus Deutschland. Von hier kamen viele Arten und Bezeichnungen von Werkzeugen: Scherchebel, Falzgebel, Spuntubel, Gruntubel, Zenzubel… (üdies sind überigens alles verschiedene Arten von Hobel für verschiedene Verwendungszwecke).

Das scheinbar im Russischen vertraute Wort „stameska“ stammt eigentlich vom deutschen Stemmeisen ab. So kamen deutsche Fachausdrücke in die russische Sprache. Die modernen Tischlerwerkzeuge unterscheiden sich stark von den historischen Prototypen, aber die Liste ihrer Bezeichnungen wurde hunderte Male weitergereicht. Von einer solchen Auswahl für die Arbeit konnte ein Tischler in einem deutschen Dorf in der Vergangenheit noch nicht einmal träumen.

Das Tischlerhandwerk war auf dem Land immer sehr gefragt, weil es schwierig war, Güter aus Fabrikproduktion zu kaufen. Natürlich konnte jeder Hausherr die notwendigsten Gegenstände, wie ein Regal, einen Schemel oder sogar eine Kinderwiege selbst herstellen, aber kompliziertere Dinge benötigten professionelle Fähigkeiten. Ein guter Handwerksmeister sollte neben geeigneten Ausgangsmaterialien auch die passende Ausrüstung und das Werkzeug besitzen. „Gutes Werkzeug – halbe Arbeit“, – besagt ein deutsches Sprichwort. Es waren Werkzeuge zum Messen und zum Markieren nötig, zum Zuschneiden des Materials, zum Bohren und zum Schnitzen, zum Sägen, zum Hobeln, genauso wie andere Hilfsmittel (Hämmer, Flachzangen, Schraubendreher und so weiter). Und natürlich war auch eine Tischlerwerkbank nötig. Für Formteile benötigte man eine Drehbank. Auf diese Weise musste ein Tischler viele Werkzeuge besitzen, was dazu führte, dass diese Exponate in unserer Kollektion vorhanden sind. Auf den Abbildungen kann man erkennen, dass die Werkzeuge handwerklich gefertigt sind, gleichwohl ist ihr Wert und ihre Einzigartigkeit dadurch nur noch höher.

Dem Aussehen nach kann man verstehen, dass mit den Werkzeugen zu ihrer Zeit hart gearbeitet wurde und in den geschickten Händen des Handwerkermeisters den Menschen viel Nutzen brachten.

Ja, die Exponate haben ihren Platz in dem Museum verdient. Doch auch in jüngster Zeit ist das Tischlerwesen wieder überaus beliebt. In der Stadt Puschkino nahe Sankt Petersburg gibt es ein Museum für Tischlerwerkzeuge. In verschiedenen Städten Russlands finden Feste und Ausstellungen für das Tischlerwesen statt.

Schpuntbel (auch – der Federhobel, Nuthobel) ist eines der komplexesten Handwerkzeuge des Tischlerns, er wird zur Ausführung von rechtwinkligen Nuten benutzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Holz, Metall, Handarbeit, Tischlerarbeit. Werkzeug gehörte der Familie I. W. Berg. Museumsecke der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Stadt Astana und Gebiet Akmolinsk.

Hobel, Scherchebel (Tischhobel). Diese Abwandlung des Hobels mit abgerundeter Klinge war für die erste, grobe Bearbeitung des Holzes nach dem Hobeln von Brettern vorgesehen. 1950Er Jahre. Holz, Metall, Handarbeit, Tischlerarbeit. Werkzeug gehörte W. B. Folza, KGU „Museum für Geschichte und Kultur des oberen Wolgagebietes Lisakowsk“.

Tamara Wolkowa, Doktor der Geschichtswissenschaften

Übersetzung: Philipp Dippl

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