Und warst du in der Hölle?

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Der Geruch von Blut, Dreck und Schweiß, vermischt in einem bizarren Wirrwarr aus menschlichen Körpern und Seelen, die sich in krampfhaften Versuchen bemühen, den Stacheldraht zu durchbrechen. Irgendwo dort in der Ferne, oberhalb – ein heiterer blauer Himmel, und die helle, strahlende Sonne. Und rundherum ist die Unterwelt, nichts anderes.

Die sowjetischen Deutschen… Zu Unrecht der Beihilfe der Nazis beschuldigt, über Nacht allem beraubt und, wenn nicht in den sicheren Tod, dann gleichbedeutend in die Zwangsarbeit geschickt. Alptraumhafte, totalitäre Praktiken, eine grandiose nationale Katastrophe, zerstörte Schicksale, Hunger, Tod, Elend… Und, wie die Krone allen Leids – das Stigma „Faschisten“ – viele Jahre lang.

„Жизнь, конечно, это благо,
Если нет в той жизни зла,
Но в бараках «ТагилЛАГА»
Жизнь мне тягостной была…
Сердце страшными рубцами
Покалечено давно,
И навеки подлецами
Все оплевано оно“.
А.Лир, „Сыновьям“

Es schien, als sollte dies alles einfach nicht existieren, weil es den Grundlagen des Humanismus und der menschlichen Natur widersprach. Leider lieferte das Schicksal, und mit ihm auch Luzifer, keine anderen Varianten des Skriptes.

… Vor einigen Jahren ist Lidija Aleksandrowna Schmidt gestorben. Im Kreis Zhelezninsk im Gebiet Pawlodar kannten und verehrten viele diese gute Seele: die Veteranin der Arbeit, Werktätige im Hinterland und „Arbeitssoldatin“ wuchs in der Großfamilie Lorenz auf. Der Vater von Lidika Aleksandrowna war Eisenbahner, die Mutter Hausfrau. Vor Beginn des Großen Vaterländischen Krieges schaffte es Lidija, die sieben Schuljahre abzuschließen, anschließend wurde sie zusammen mit ihren Verwandten und Lieben nach Kasachstan geschickt.

Ich glaube, die Handlung des Lebensdramas der Familie Lorenz-Schmidt ist für niemanden eine weltanschauliche Offenbarung: in der Mitte des letzten Jahrhunderts waren hunderttausend sowjetische Deutsche der gewaltsamen Deportation ausgesetzt. Sie wurden wahllos in die Güterwaggons geladen und nach Zentralasien gebracht. Drei Monate später wurden die Überlebenden in der Steppe ausgeladen: hungrig, frierend und an Typhus erkrankt.

Die kasachische Erde wurde zum neuen Zuhause für Lidija Schmidt und ihre Familie: sie ließen sich im Dorf Beregowoje im Urljutjubsker Kreis nieder (Heute Zhelezinsk, Anm.). Eine nicht unbedeutende Sache ist, dass die örtlichen Bewohner, obwohl sie selbst bisweilen unterernährt waren und dem unvermeidlichen Hungertod ins Gesicht schauten, ihr weniges Essen mit den deportierten Deutschen teilten. Mit vierzehn Jahren ging das dünne und kränkliche Mädchen Lidija Aleksandrowna arbeiten. Sie hat geschuftet wie ein Kerl – sie musste alles mit ihren eigenen Händen leisten.

Im Jahr 1943 kamen sie vom Bezirksmilitärkomitee in das Haus der Familie Lorenz und teilten ihnen mit, dass auf die sechzehnjährige Lidija die Arbeitsarmee in dem Dorf Krutaja (ASSR Komi) wartet. An die Bewährungsproben, denen sie sich im Exil stellen musste, erinnerte sich die Frau nicht gerne. Zuerst lebten die Häftlinge in Zelten, dann haben sie sich selbst eine Schlafraum gebaut. Mutig entwurzelten sie die Taigabäume oder gossen Mörtel in die Fundamente, auf denen Öl- und Gasbohrtürme errichtet wurden… Generell verstanden es viele, dass man trotz Unterernährung, harter Arbeit bis zur Erschöpfung und Verhöhnung überleben und zu seinen Verwandten zurückkehren musste.

Im Jahr 1947 kehrte die Arbeitssoldatin in das Dorf Beregowoje zurück. Wie sich herausstellte, starb ihre Mutter, die den Belastungen des Lebens nicht standhalten konnte, – für Lidija Aleksandrowna war dies doppelt bitter und beleidigend. Es schien, als würde das Schicksal sie stur auf ihre Stärke testen…

In der Nachkriegszeit, die nicht weniger beschwerlich war als die Kriegsjahre, nahm die Frau jede beliebige Arbeit an: sie kümmerte sich um die Aussaat, erntete das Brot und machte das Heu, sie arbeitete als Köchin und als Milchmagd. Sie heiratete, brachte zwei Söhne zur Welt und erzog sie, sie schämte sich nie, ihre wahren menschlichen Werte auszusenden: Mitgefühl, Respekt, Liebe… und dies nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Musik. Lidija Schmidt war nie ohne ein Lied auf den Lippen, sie war aktives Mitglied im Chor des regionalen Hauses der Kultur. Darüber hinaus wurde sie zwei Mal zur Delegierten des Kongresses der Arbeitssoldaten gewählt, der in Almaty stattfand.

Außerdem wiederholte Lidija Aleksandrowna immer wieder: Sie sagen, unter den Arbeitssoldaten gab es viele tapfere und ehrliche Menschen – Erinnern wir uns an sie!

Marina Angaldt

Übersetzung: Philipp Dippl

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