Virtuelles Museum der Deutschen Kasachstans: Wie Milchprodukte hergestellt wurden

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Die Deutschen Kasachstans tragen akribisch Stück für Stück die Artefakte ihrer Ethnie zusammen. So versuchen sie, ihre Kultur und ihren eigenen, nationalen Kodex zu bewahren und gleichzeitig konkurrenzfähig und weltoffen zu bleiben.

Die deutschen Bauern sagten einst: „Eine Kuh deckt viel Armut zu“. Nachdem sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Steppengebiete gezogen sind, verwendeten die Deutschen eine kasachische Rasse der Kuh und führten weitere Milchmodifikationen durch – „Die rote deutsche Kuh“. Schon bald versorgten sich die Bauern in den deutschen Dörfern nicht nur selbst mit Milchprodukten, sondern stellten auch Waren für den Verkauf her. Sie machten saure Sahne, Butter, Sauermilch, fermentierte Milch, Quark und Käse.

Die Utensilien für die Milchverarbeitung in deutschen Haushalten waren, wie es sich gehört, handwerklich hergestellt. Im virtuellen Museum der deutschen Kasachstans wurden Gegenstände gesammelt, die es ermöglichen, sich die Herstellung der am weitesten verbreiteten Milchprodukte vorzustellen.

Der erste Schritt ist die Separierung, das heißt, die Trennung von Milch in Rahm und den fettfreien Teil, die Magermilch. Die einfachste Methode hierfür ist das Absetzen der Milch, aber im 19. Jahrhundert begann man, mechanische Separatoren herzustellen.

Im heimatkundlichen Schulmuseum der Siedlung Rozowka im Gebiet Pawlodar befindet sich ein Handseparator aus Fabrikherstellung, der von deutschen Bauern verwendet wurde. Die entstandene Sahne wurde entweder frisch verwendet oder zu saurer Sahne oder Butter weiterverarbeitet. Butter wurde per Hand aus Buttermilch hergestellt – durch langwieriges Schlagen der Butter. Es entstand ein Klumpen Butter und fettarme Sahne – Buttermilch, die ebenfalls gegessen wurde.

Im Museum der Geschichte und Kultur des Oberen Tobol in Lisakowsk ist ein Butterfass der einfachsten Art aufbewahrt – ein hoher Holzbottich mit einem kreuzförmigen Quirl. In diesem und in anderen Museen sind auch Butterfässer in Trommelform ausgestellt, die einfacher zu handhaben und daher weiter verbreitet sind. Die Trommel mit den Schaufelblättern wurde per Hand gedreht.

Das frische Fett wurde in eine spezielle Form gepresst – eine Pfundform mit dem Volumen von einem Pfund (ungefähr 410 Gramm). Auf diese Weise wurde überschüssige Flüssigkeit aus dem Butterbrikett entfernt und es auf den Gewichtsstandard gebracht. Oben auf der Pfundform wurden Vertiefungen eingedrückt und die Butter bekam ein Reliefmuster in Form von Beeren, Blättern usw.  Ein solches Musterstück ist in unserem virtuellen Museum zu sehen.

Deutsche Hausfrauen stellten eine Reihe von Sauermilchprodukten her. Durch Fermentierung der Sahne wurde Smetana hergestellt. Aus saurer Milch Frischkäse mit der richtigen Konsistenz, hart oder weich. Die übriggebliebene Flüssigkeit, die Molke, wurde ebenfalls zur Nahrung verwendet. Um Hüttenkäse herzustellen, wurde Frischkäse mit Milch gekocht, abgesiebt und der Prozess wiederholt, wobei nach und nach Eier, Salz und Soda hinzugefügt wurden.

Neben traditionellen Milchspeisen haben die Deutschen aus der kasachischen Küche auch Kumys, Schubat, Ajran, Kurt oder Irimschik übernommen.

Heute gibt es die meisten der Milchprodukte in den Geschäften. Aber die Erinnerung an die Butter und den Smetana aus den deutschen Haushalten bleibt bis heute unübertroffen.

  1. Handseparator auf Untergestell. Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fabrikherstellung, Metall, Holz (Handgriff, Untergestell). Schulmuseum für Geschichte und Heimatkunde der Siedlung Rozowka im Gebiet Pawlodar.

  1. Butterfass aus den 1960er – 1970er Jahren. Handwerkliche Arbeit, Tischlerarbeit, Holz Metall, Farbe. KGU „Museum der Geschichte und Kultur des oberen Tobol Lisakowsk“.

  1. Butterfass. Mitte des 20. Jahrhunderts. Handwerkliche Arbeit, Tischlerarbeit, Holz, Metall, Farbe. Schulmuseum für Geschichte und Heimatkunde der Siedlung Rozowka im Gebiet Pawlodar.
  1. Butterform – „Pfundform“, 1950. (Bild am Anfang des Artikels) Holz, Holzpilz, Handwerkliche Arbeit, Tischlerarbeit, Schnitzerei. KGU „Museum der Geschichte und Kultur des oberen Tobol Lisakowsk“.

 

Weitere Exponate können Sie auf der Seite wiedergeburt.asia betrachten.

Tamara Wolkowa, Doktorandin der Geschichtswissenschaften

Übersetzung: Philipp Dippl

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