Tanjana Woronzowa (Uralsk): „Ich will nicht, dass die Jugend verlorengeht“

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Die Vorsitzende des deutschen Jugendklubs in Uralsk hat zahlreiche Pläne und Aufgaben. Vor allem möchte Tatjana Woronzowa den jungen Menschen das Gefühl bieten, nicht vergessen zu werden.

In Uralsk gibt es eine neue Jugendleiterin der deutschen Gesellschaft „Heimat“. Ja, es stimmt! Vor etwas mehr als einem Monat haben wir bereits Uljana Gubskaja vorgestellt. Es kam dazu, dass das Mädchen einen Studienplatz an einer Hochschule im Ausland erhalten hat und nicht länger die Leitung des Jugendflügels übernehmen konnte.

Der Posten blieb allerdings nicht lange unbesetzt. Wir stellen vor: Tatjana Woronzowa. Mit ihren 24 Jahren hat sie es bereits geschafft, das Leben zu entdecken: sie lebte und studierte in Tschechien und kam zurück in das heimatliche Uralsk, wo sie als Übersetzerin für Englisch arbeitete. Sie unterrichtet auch jetzt noch Fremdsprachen, arbeitet aber bereits freiberuflich. Und sie erschließt sich auch noch die Geheimnisse der deutschen Sprache.

– Meine Mutter hat deutsche Wurzeln, die Verwandten leben in Deutschland, aber es kam so, dass bis ich 23 Jahre alt war, meine deutsche Identität tief in mir verborgen war, ich habe mich nicht als Deutsche gefühlt, – gesteht Tatjana.

Die katholische Kirche brachte die junge Frau mit der Gesellschaft der Deutschen „Heimat“ zusammen.

Zum Osterwest wurde hier ein großes Orgelkonzert gegeben, zu dem auch die Repräsentanten der Gesellschaft kamen. Sie haben sich kennengelernt und interessierten sich füreinander. In den ersten Monaten hat Tatjana zugeschaut, hier und da einen Rat gegeben und geholfen, und als sie das Angebot bekam, den Jugendflügel zu leiten, sagte sie zu.

– Ich habe große Perspektiven und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gesehen. Ich werde von Seiten der Leitung der Gesellschaft „Heimat“ unterstützt. In kurzer Zeit wurden wir zu einer eng verbundenen Familie: wir tauschen Ideen aus und erarbeiten Projekte. Viele sehnen sich nach Deutschland, nach ihrer historischen Heimat, aber ich glaube, nichts hindert uns daran, als Deutsche in Uralsk zu bleiben, – sagt meine Gesprächspartnerin.

Sprache ohne Barriere

Die Hauptaufgabe der frischgebackenen Führerin ist es, junge Menschen in die Arbeit der deutschen Gesellschaft miteinzubeziehen, ihnen zu helfen, ihre Identität zu finden und ihre Wurzeln nicht zu vergessen. Es finden sich Wege, dies zu erreichen, solange es den Wunsch dazu gibt. Daran lässt sich Tatjana messen:

– Wir planen, den Schwerpunkt auf die Entwicklung der deutschen Sprache zu legen. Im September beginnen wir mit dem Unterricht für die Bewohner des Uralgebietes, an den Sprachkursen teilnehmen können nicht nur ethnische Deutsche, sondern jeder Interessierte, unabhängig vom Alter oder der Nationalität. Und davon gibt es viele!

Sich selbst kennenlernen

Tatjana hat große Pläne. Von der Schaffung eines Jugendtheaters in deutscher Sprache bis zum Studium der Geschichte der Deutschen des Gebietes Ostkasachstan.

– Wir haben ein Projekt erarbeitet – die Schule der Journalisten. Die Kursteilnehmer versuchen, davon zu schreiben, wie die Deutschen in die Region kamen, sie versuchen, ihren damaligen Alltag zu beschreiben. In Uralsk sind nur wenige der Deutschen übriggeblieben, die noch von ihrer Geschichte erzählen können, aber in den Regionen haben noch viele solcher Familien überlebt, – teilt die Vorsitzende des Jugendflügels „Heimat“ mit.

Ab Oktober sind Ausflüge junger Menschen in die Regionen geplant. Buldurta, Zhanibek, Dzhambejta, Fedorowka – das sind die Dörfer, in denen die Familien der in den 1930er Jahren vertriebenen Deutschen nahe beieinander leben. Hier werden die Tage der deutschen Küche oder festliche Veranstaltungen organisiert.

– Bei der Jugend hören wir nicht auf. Wir sind das Bindeglied der Generationen. Ich hoffe, dass es ein Deutsches Haus geben wird, in dem die Alten ihr Wissen mit den Kindern teilen werden. So werden wir alle zusammen unsere Gemeinschaft erleben.

Die deutsche Jugend von Uralsk war aktiv an der Aktualisierung und der Digitalisierung der Listen der Deutscher, die im Gebiet leben, beteiligt. Eine so großangelegte Arbeit wurde lange Zeit nicht mehr durchgeführt.

– Die Zeit ist heute eine solche: wir vergessen sehr leicht, wer wir sind. Unsere Aufgabe ist es, alles dafür zu tun, damit die Jugend nicht verlorengeht, sondern von ihren Wurzeln weiß, – schließt Tatjana Woronzowa.

Dmitrij Schinarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

 

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