Meine Stadt Karaganda Zurück Veröffentlicht in 28. Februar 202610. März 2026 Obwohl ich nicht in Karaganda geboren wurde, ist diese Stadt für mich zu etwas Besonderem geworden. Genau hier verbrachte ich meine Studienjahre, und hier lernte ich die damals noch junge, energische Lena Becher und die kluge und inspirierende Olga Schtein kennen. Heute ist Karaganda 92 Jahre alt. Die Stadt ist jünger als viele kasachstanische Städte: Almaty oder Aqtöbe, Qostanai und Taras sind ihrer Geschichte nach älter. Doch gerade Karaganda schenkte mir das Studentenleben — erfüllt von eindrucksvollen Begegnungen, kreativen Entdeckungen und einer Inspiration, die mich bis heute begleitet. In meinen Studienjahren lebte ich mit der Stadt, ihrem Rhythmus und ihrer Musik. Ich besuchte den Klub der deutschen Jugend, in dem eine echte kreative Energie herrschte. Dort bastelten wir zusammen mit Nadya Kraynenko, Natalya Frantsen, Slava Tevs, Tanya Mishkina, Lena Braun, Zhenya Ungefur, Tanya Nazarenko, tanzten Volkstänze, inszenierten kleine Szenen und Weihnachtsmärchen im modernen Stil — manchmal sogar im Rockstil. Es war fröhlich und lebendig, und die Luft funkelte förmlich vor Inspiration und jugendlichem Elan. Jede Zusammenkunft, jedes Lachen und jeder musikalische Akkord blieben im Herzen wie kleine magische Momente. Hier haben die Nachkriegsjahre Spuren hinterlassen, im Granit, in der Bronze, in lebendigen Bildern. Und daneben wachsen neue Gebäude empor, modern und hell wie die Träume unserer Tage. Karaganda, meine junge Stadt, mit dir sind Lachen, Inspiration und Feuer verbunden. Du schenkst Geschichte, Erinnerung und Leben, und in jedem Schritt klingt dein ewiger Ton. Karaganda ist eine Stadt, in der sich Geschichte mit den persönlichen Schicksalen von Kreativen verflicht. Vladimir Eyfert (1884–1960) schuf Gemälde und leitete ein Kunststudio, wobei er seinen Schülerinnen und Schülern ein Stück seiner Seele hinterließ. Genrikh Eikhler (1900–1953) formte mit seinem Talent eine neue Generation von Leserinnen und Lesern sowie Schriftstellerinnen und Schriftstellern, und Pavel Frizen (1888–1978) teilte sein malerisches Können mit den Einwohnerinnen und Einwohnern durch ein Kunststudio beim Kulturpalast der Bergleute. In den zwischenkriegszeitlichen und Vorkriegsjahren kamen Künstler von Weltruf nach Karaganda: Artur Fonvizin (1882–1973) und Genrikh Fogeler (1871–1942). Fogeler leistete einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Kunstrichtung „Jugendstil“, und heute steht in Karaganda ein Denkmal für Genrikh Fogeler, das an das kreative Erbe der Stadt erinnert. Die Nachkriegsjahre brachten neue Farben hinzu: Yuriy (Günter) Gummel schuf monumentale Skulpturen und Denkmäler, und Georgiy Prokop kümmerte sich um seine Landsleute und die Entwicklung des Dorfes Shakhter, indem er die TOO „Shakhterskoye“ leitete. Aus den Händen Gummels entstanden Denkmäler für Nurken Abdirov und Appaq Bayzhanov sowie gemeinsam mit dem Moskauer Bildhauer N. Lavinskiy das Granitdenkmal für W. I. Lenin auf dem Platz des 50. Jahrestags des Oktober. Heute lebt Karaganda in den Herzen derer weiter, die hier aufgewachsen sind und geschaffen haben, und in den Taten derer, die seinen Geist weitertragen. Elena Zeyfert ist Dichterin und Übersetzerin, deren Worte die Erinnerung an die Stadt widerspiegeln, auch wenn sie heute in Moskau arbeitet. Eva (Lena) Becher und Dmitriy Gaag setzen ihre kreativen und sportlichen Projekte in Almaty fort, doch ihr Weg begann genau hier, und die Erinnerung an die Studienjahre verbindet sie mit der Stadt. Und Olga Schtein, Pädagogin und Mentorin, die an den Anfängen des Klubs der deutschen Jugend stand, ist heute stellvertretende Exekutivdirektorin der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“. In diesem Jahr feiert der Klub sein Jubiläum, und seine Geschichte ist für immer mit dem Namen Schtein verbunden. Karaganda ist nicht nur Straßen, Schächte und Denkmäler. Es ist das Lachen im Studentenklub, die ersten Schritte in der Kunst, kleine Entdeckungen und Freundschaften, die ein Leben lang bleiben. Hier begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart, hier entsteht Inspiration — und darin liegt der wichtigste Zauber dieser Stadt. Gulmschan Bertajewa Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: