„Klarer Verstand“: Kann man das Gedächtnis in jedem Alter trainieren? Zurück Veröffentlicht in 14. August 2026 „Wo habe ich meine Brille hingelegt?“, „Wie heißt dieser Schauspieler noch mal?“, „Warum bin ich in dieses Zimmer gegangen?“, kommen Ihnen solche Situationen bekannt vor? Fast jeder Mensch merkt mit der Zeit, dass Gedächtnis und Aufmerksamkeit mehr Anstrengung erfordern. Die gute Nachricht ist: Das Gehirn liebt Training, ähnlich wie Muskeln. Und je regelmäßiger es trainiert wird, desto deutlicher wird das Ergebnis. Genau diesem Thema ist das Projekt „ClarerVerstand, Aktiv im Alter / Klarer Verstand“ gewidmet, das im Deutschen Zentrum „Wiedergeburt“ im Rahmen des Projekts „Soziale Arbeit“ umgesetzt wird. Organisatorin ist Ljudmila Galuzkaja, die Unterrichtseinheiten leitet Gulmzhan Bertajewa. Mehr als die Hälfte des Programms liegt bereits hinter den Teilnehmenden. Vier von sechs Themenblöcken haben sie abgeschlossen und bemerken schon erste Veränderungen: Übungen, die am Anfang schwierig erschienen, gelingen heute sicherer, die Aufmerksamkeit ist stabiler geworden, und neue Aufgaben lösen eher Interesse als Unsicherheit aus. Eine Besonderheit des Projekts sind seine Teilnehmenden. An einem Tisch kommen Vertreterinnen und Vertreter der älteren Generation und des Jugendklubs zusammen. Gemeinsam lösen sie Aufgaben, besprechen Lösungswege, helfen einander, teilen Erfahrungen und überzeugen sich davon, dass das Alter kein Hindernis ist, Neues zu lernen. Jede Einheit ist ein echtes Training für das Gehirn. Die Teilnehmenden machen Neuroübungen zur Entwicklung des Zusammenspiels beider Gehirnhälften, der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der Bewegungskoordination. Zum Einsatz kommen Übungen wie „Faust, Kante, Handfläche“, Aufgaben mit kleinen Bällen, Schulte-Tabellen, musikalische Übungen, die Gesellschaftsspiele „Lotto“ und „Memory“ sowie viele weitere Methoden. Spielerisch entwickeln die Teilnehmenden ihre Beobachtungsgabe, ihr logisches Denken, ihre Reaktionsgeschwindigkeit und ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Ein nicht weniger interessanter Teil der Einheiten ist die Arbeit an sprachlichen Kompetenzen. Die Teilnehmenden lernen die deutsche Sprache kennen, indem sie sich neue Wörter mithilfe von Assoziationen, spielerischen Übungen und kreativen Aufgaben merken. Dieser Ansatz macht das Sprachenlernen zugänglich und hilft zugleich, das Gedächtnis zu trainieren. Jede Aufgabe ist ein kleiner Erfolg und ein weiterer Schritt nach vorn. Die schrittweise Steigerung des Schwierigkeitsgrads ermöglicht es jedem, sich im eigenen Tempo zu bewegen, Fortschritte zu sehen und Vertrauen in die eigenen Kräfte zu gewinnen. „Als wir mit dem Projekt begannen, standen viele Teilnehmende den Einheiten zunächst vorsichtig gegenüber und zweifelten daran, ob sie bestimmte Übungen bewältigen könnten. Heute sehen wir, wie ihr Selbstvertrauen Schritt für Schritt wächst, wie sich Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Koordination verbessern und Aufgaben, die früher schwierig wirkten, viel leichter gelingen. Für unser Team ist das der wichtigste Beleg für die Wirksamkeit des Projekts und eine Bestätigung dafür, dass regelmäßiges kognitives Training, Unterstützung und eine wohlwollende Atmosphäre helfen, kognitive Fähigkeiten unabhängig vom Alter und von den Lebensumständen zu erhalten und weiterzuentwickeln“, betont Projektleiterin Ljudmila Galuzkaja. „Anfangs schienen mir einige Aufgaben zu schwierig, und ich machte mir Sorgen, ob ich sie schaffen würde. Doch nach und nach gelang es immer besser. Jetzt merke ich, dass ich aufmerksamer geworden bin, mir neue Informationen leichter merke und mit Freude zu jeder Einheit komme“, sagt Olga Skopinzewa. „Für mich sind diese Einheiten zu einer echten Entdeckung geworden. Das Gehirn lässt sich tatsächlich trainieren. Besonders gefällt mir, dass jede Einheit in einer wohlwollenden Atmosphäre stattfindet, in der niemand jemanden drängt und sich jeder über die eigenen Erfolge freut“, sagt Larissa Schejerman. Vor den Teilnehmenden liegen noch Einheiten zu Kunsttherapie, Musiktherapie, kreativem Schreiben, Erinnerungsarbeit und eine abschließende Diagnostik. Doch schon jetzt lässt sich das Wichtigste sagen: Das Projekt hilft nicht nur, Gedächtnis und Aufmerksamkeit zu trainieren. Es schenkt den Menschen Freude am Austausch, Vertrauen in die eigenen Kräfte und den Wunsch, weiter Neues zu entdecken. Denn ein klarer Verstand ist kein Geschenk der Natur, sondern eine Fähigkeit, die man in jedem Alter erhalten und entwickeln kann. Genau darin liegt der größte Wert des Projekts „Klarer Verstand“: Es hilft Menschen, aktiv, offen für Neues und zuversichtlich in die eigenen Möglichkeiten zu bleiben, und beweist einmal mehr, dass es nie zu spät ist, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Gulmzhan Bertajewa Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: