Erinnerungen, die wir gemeinsam teilen

Zurück
Память, которую мы несём вместе

Am 28. August jährte sich die Deportation der sowjetischen Deutschen zum 85. Mal. Für viele von uns ist das nicht einfach ein Datum im Kalender. Dahinter stehen die Schicksale unserer Angehörigen, Familiengeschichten, alte Fotografien und Erinnerungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

An diesem Tag fuhren Mitarbeitende und Mitglieder des Deutschen Zentrums in Karaganda gemeinsam mit den Teilnehmenden zur Gedenkstätte Spassk, um der Opfer der Deportation und politischer Repressionen zu gedenken. Der Fahrt schlossen sich Menschen verschiedener Generationen an: Seniorinnen und Senioren, Kursteilnehmende, Mitglieder des KDJ, darunter auch Jugendliche aus Balqasch.

Память, которую мы несём вместе

Der Gedenktag begann bereits unterwegs. Auf der Fahrt erzählte die Organisatorin von der Geschichte der Deportation, von den Ereignissen jener Jahre und von den Schicksalen der Menschen, die schwere Prüfungen durchstehen mussten. So wurde der Weg nach Spassk nach und nach zu einem gemeinsamen Raum für Gespräch, Erinnerung und Nachdenken.

Viele kamen nicht nur mit Blumen, sondern auch mit Fotografien ihrer Angehörigen. Auf den Bildern sind Menschen zu sehen, die heute nicht mehr bei uns sind, aber Teil jeder Familie bleiben. Für die einen waren es Großmütter und Großväter, für andere Eltern oder Angehörige noch älterer Generationen.

Das Gedenkprogramm begann mit Beiträgen der Jugend. Edward Gorn las ein Gedicht über Qurt, einen einfachen kasachischen Trockenkäse, der den Menschen in den schweren Jahren beim Überleben half:

„Es war kein böser Stein und kein Granit,
es war Qurt, gesalzener, getrockneter Käse!
Eine kasachische Gabe, die Leben in sich trug,
die Menschen rettete und ihnen Frieden zurückgab.“

In diesen Zeilen lebt die Erinnerung an menschliche Güte und Unterstützung, die viele Deportierte auf kasachischem Boden erfuhren.

Sergej Rimmer las ein Gedicht über die Deportation in deutscher Sprache. Gedichte auf Russisch trugen Amalia Betkher, Kristina Klein und Artjom Olenberg vor. Die jungen Menschen standen am Mahnmal und lasen Verse über Ereignisse, die lange vor ihrer Geburt geschahen. Doch gerade in solchen Momenten wird deutlich: Erinnerung hängt nicht vom Alter ab. Sie wird weitergegeben, wenn die Jugend selbst Teil dieser Erinnerung wird.

Nach den Beiträgen erklang ein Metronom. Zu seinem gleichmäßigen Klang gedachten wir der Verstorbenen mit einer Schweigeminute. Anschließend fand ein Gebet statt. Pater Augustin Brusen von der Kleinen Basilika des heiligen Josef in Karaganda sprach ein Gebet für die Verstorbenen, segnete den Ort mit Weihwasser und sang ein Gebetslied auf Latein. Es war ein sehr stiller und berührender Moment.

Leila Nickel sagte: „Solche Veranstaltungen sind sehr wichtig, sie helfen, die historische Erinnerung zu bewahren. Es ist sehr wichtig, dass diese Erinnerung an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Danke für die Möglichkeit, Geschichte berühren zu dürfen.“
Elisabeth Bondarenko hob besonders hervor, wie notwendig es sei, Kindern und Enkeln von dieser Geschichte zu erzählen: „Auch sie sollen wissen und sich daran erinnern, in welch schrecklicher Zeit ihre Vorfahren lebten und durch welches Leid sie gehen mussten.“
Sehr emotional teilte Larissa Scheirman ihre Eindrücke: „Die Fahrt zum Mahnmal hat uns in die Vergangenheit versetzt, und wir haben diese Trauer um die Märtyrer, um die Verstorbenen, Getöteten und in den Jahren der Repressionen Erschossenen gespürt. Das Lied und die Erzählung über unsere Deutschen seit Beginn des Krieges und über ihr Leben haben uns tief berührt.“
Nach der Rückkehr wurde unser Gedenktag fortgesetzt. Um 14 Uhr nahmen Interessierte an einer Online-Schalte teil, die Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaften der Deutschen aus verschiedenen Regionen Kasachstans und Deutschlands miteinander verband.
Es wurde ein besonderer Tag, ein Tag, an dem Geschichte, Gedichte, Musik, Gebet, Stille und menschlicher Austausch ihren Platz hatten. Erinnerung lebt nicht nur an Mahnmalen. Sie lebt in unseren Häusern, in alten Fotografien, in den Erzählungen der Großmütter und Großväter, in den Namen, die wir weiter aussprechen. Sie lebt in der Sprache, in Liedern, Gedichten und Traditionen, die wir unseren Kindern weitergeben.

Память, которую мы несём вместе

Und solange wir bereit sind, uns zu erinnern und darüber zu sprechen, geht die Geschichte unserer Familien weiter.

Wir erinnern uns. Wir erzählen. Wir geben die Erinnerung weiter.
Wir danken allen, die an diesem Tag bei uns waren.
„Unsere Körbe mit rot-schwarzen Rosen, die wir heute an den Monumenten niedergelegt haben, wurden von unseren Handarbeiterinnen gefertigt. Vielen Dank an alle für die Kreativität und die Arbeit, die zur Entstehung dieser wunderbaren Körbe beigetragen haben“, sagte Anastassija Kowalenko, Organisatorin des Projekts.

Gulmzhan Bertajewa

Übersetzung: Anton Genza

Поделиться ссылкой:

x