Artur Schmidt: „Ich habe mir versprochen, nie freiwillig mit dem Eishockey aufzuhören“ Zurück Veröffentlicht in 2. September 202623. September 2026 In Almaty gibt es viele junge Menschen, die versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich in ganz unterschiedlichen Bereichen zu verwirklichen. Einer von ihnen ist der 19-jährige Artur Schmidt, Stürmer in der Jastar Hokei Ligasy, der Junioren-Eishockeyliga Kasachstans. Hinter dem jungen Sportler liegen Jahre intensiven Trainings, Verletzungen, Enttäuschungen und Momente großer Erfolge. Sein Weg im Eishockey war alles andere als einfach. Artur musste hohe körperliche Belastungen bewältigen, sich gegen starke Konkurrenz behaupten und immer wieder mit Zweifeln an den eigenen Fähigkeiten fertigwerden. Doch Ausdauer, Fleiß und die Unterstützung seiner Familie halfen ihm, seinen Traum nicht aufzugeben. Im Interview für die Rubrik „Unsere Leute“ erzählt Artur, wie sein Weg im Eishockey verlief, warum er kurz davorstand, seine sportliche Laufbahn zu beenden und was ihm und seiner Mannschaft schließlich half, die K.-o.-Phase zu erreichen. Die ersten Schritte auf dem Eis Alles begann 2017 und 2018 beim öffentlichen Eislaufen. Schon damals zeigte sich, dass Artur sich auf dem Eis sicher fühlte. „Im Sommer 2018 kaufte mir mein Vater eine Ausrüstung und sagte: ‚So, jetzt hast du Training.‘ Ich kam zunächst in eine Anfängergruppe. Dort trainierte ich nur ein paar Tage, dann sagte der Trainer: ‚Du gehörst nicht hierher. Gleich beginnt das Mannschaftstraining. Geh zum Probetraining.‘ So fing ich an, bei Legion zu trainieren“, erinnert sich Artur. Das Schlittschuhlaufen fiel ihm leicht. Der Umgang mit dem Schläger verlangte ihm dagegen deutlich mehr ab. „Ich habe als Verteidiger angefangen. Mit dem Schläger konnte ich damals noch nicht besonders gut umgehen. Das habe ich durch körperbetontes Spiel wettgemacht. Mir war klar, dass ich noch weit vom Niveau der anderen entfernt war. Aber meine Familie hat mich unterstützt. Mein Vater sagte immer, dass ich das gut mache. Diese Worte sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben.“ Durch Schmerz und Erschöpfung Die ersten Trainingsjahre waren hart. „Ich erinnere mich noch sehr gut an die körperlichen Schmerzen. Die Beine der anderen waren die Belastung schon gewohnt, meine nicht. Nach dem Training wollten sie buchstäblich nicht mehr.“ Wenn im Sommer kein Eis zur Verfügung stand, wurde draußen trainiert. „Crossläufe, Übungen für Schnelligkeit und Ausdauer. Die Belastung wurde immer größer.“ Auch der Weg zum Training war eine Herausforderung. „Ich musste mehrmals umsteigen. Damit ich nicht zu spät kam, ging ich einen Teil des Weges zu Fuß bergauf. Nach einem Training taten mir die Beine schon weh, und das nächste stand bereits bevor. Aber ich musste durchhalten.“ Eine Frage des Charakters Auch schwere Rückschläge blieben auf seinem sportlichen Weg nicht aus. „Ich hatte Verletzungen. Einmal habe ich mir das Schlüsselbein gebrochen und fiel fast ein ganzes Jahr aus.“ Während seiner Zeit an einer Kinder- und Jugendsportschule nahm Artur während der Quarantäne an einer Meisterschaft der Republik Kasachstan teil. Dort trug er zum ersten Mal die Kapitänsbinde. „Das war meine erste Meisterschaft. Im ersten Turnierabschnitt war ich kein besonders guter Kapitän. Wenn wir verloren, reagierte ich nicht richtig. Nach dem Turnier habe ich vieles überdacht. Im zweiten Abschnitt versuchte ich schon, die Jungs zu unterstützen. Und im dritten erzielte ich das entscheidende Tor, sodass wir am Ende den zweiten Platz belegten.“ Doch noch größere Schwierigkeiten sollten folgen. Die Mannschaft, in der Artur spielte, löste sich auf. „Im Verein gab es ständig Probleme. Irgendwann hörte die Mannschaft ganz auf zu existieren. Einige gingen weg, und am Ende waren wir nur noch zu viert. Ich erinnere mich noch daran, wie man uns zum Training mit den Kindern schickte. Damals wusste ich wirklich nicht, wie es weitergehen sollte. Es schien keine Perspektive mehr zu geben.“ Das Spiel, das alles veränderte Gerade in dieser schwierigen Phase bot sich eine neue Chance. „Der Trainer sagte, dass es eine Sichtung für die Juniorenmannschaft geben würde und wir gegen sie spielen sollten. Damals habe ich mir gesagt: Von mir aus werde ich niemals mit dem Eishockey aufhören. Entweder werfen sie mich raus oder eine Verletzung zwingt mich irgendwann dazu.“ Dieses Spiel wurde zu einem der wichtigsten seiner bisherigen Laufbahn. „Ich ging aufs Eis, als wäre es mein letztes Spiel. Ich kämpfte um jeden Puck, wollte unbedingt zeigen, was ich kann, und erzielte ein Tor. Mehr als 60 Spieler nahmen an der Sichtung teil, aber es gab nur 20 Plätze im Kader. Es sah so aus, als hätte ich praktisch keine Chance.“ Doch einige Tage später schrieb ihm der Trainer: „Komm vorbei und unterschreib den Vertrag.“ Für Artur begann damit eine völlig neue Etappe. Er war gerade einmal 16 Jahre alt und spielte plötzlich Seite an Seite mit erwachsenen Spielern. Noch einmal von vorn anfangen Der Wechsel in die Jastar Hokei Ligasy, die Junioren-Eishockeyliga Kasachstans, bedeutete für Artur einen neuen Abschnitt und zugleich eine große Herausforderung. Für viele junge Spieler ist dieses Niveau der erste Schritt in Richtung Erwachseneneishockey. Artur musste sich seinen Platz in der Mannschaft dort noch einmal ganz von vorn erarbeiten. „Wenn du dein ganzes Leben in den ersten Sturmreihen gespielt hast und dann in eine neue Mannschaft kommst, in der du nicht einmal für die Spiele aufgestellt wirst, ist das sehr schwer. Es fühlt sich an, als würdest du wieder bei null anfangen.“ Trotz aller Zweifel gab Artur nicht auf. „Ich erinnerte mich an das Versprechen, das ich mir selbst und meinem Vater gegeben hatte. Deshalb beschloss ich, weiterzumachen und weiterzuarbeiten.“ Einen besonderen Wunsch hatte er dabei: Er wollte ein Tor erzielen und es seinem Vater widmen. „Als ich in die Juniorenmannschaft kam, wollte ich unbedingt ein Tor für meinen Vater schießen. Aber in der ersten Saison wollte einfach nichts gelingen. Dazu kamen familiäre Schwierigkeiten und emotionale Erschöpfung. Es fühlte sich an, als würde einfach alles schieflaufen.“ Die Mannschaft wurde zur Familie Mit der Zeit begann sich die Situation zu verändern. Die Saison 2024/2025 wurde für die Mannschaft aus Almaty zu etwas Besonderem: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte erreichte sie das Halbfinale der K.-o.-Runde, die entscheidende Phase der Meisterschaft, in der die stärksten Mannschaften um die Medaillen kämpfen. „Endlich haben wir das Halbfinale der Play-offs erreicht. Aber das Wichtigste war, dass wir zu einer richtigen Mannschaft geworden sind. Jeder wusste, dass er sich auf die anderen verlassen kann.“ Heute setzt sich Artur neue Ziele und will sich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben. Ziele für die neue Saison „Ich möchte zu den Führungsspielern gehören und die Mannschaft mitziehen. Persönlich möchte ich mehr Tore schießen und mehr Punkte sammeln als in der vergangenen Saison. Mit der Mannschaft wollen wir mindestens das Halbfinale erreichen und einen Medaillenplatz holen.“ Artur Schmidts Geschichte zeigt, wie der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, die Unterstützung der Familie und die Bereitschaft, bis zum Ende zu kämpfen, dabei helfen können, selbst schwierige Phasen zu überwinden. Seine sportliche Laufbahn steht noch am Anfang. Doch eines lässt sich schon jetzt sagen: Sein wichtigstes Versprechen an sich selbst hält er. Zum Abschluss dankte Artur den Menschen, die auf seinem sportlichen Weg eine besondere Rolle gespielt haben. Allen voran seinen ersten Trainern Wladimir und Sergej Sorokin. Sie glaubten von Anfang an an ihn, erkannten sein Potenzial und gaben dem jungen Eishockeyspieler nicht nur ihr Wissen und ihre Erfahrung mit, sondern stärkten auch sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Seinem Vater dankte Artur besonders für dessen Vertrauen und Unterstützung. „Ich werde nie vergessen, was du alles für mich getan hast“, sagt Artur. Text: Veronika Librikht Поделиться ссылкой: