Meine deutsche Stadt

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In der Stadt Karaganda wurden im Rahmen des Projekts „Meine deutsche Stadt“ Exkursionen durchgeführt, bei denen die Teilnehmer die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennenlernten, zu deren Entstehung die Deutschen ihren Beitrag geleistet haben.

Das Gebiet Karaganda ist eine der größten Regionen Kasachstans, in der Deutsche leben. Sie wurden größtenteils in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges hierher geschickt. Und so wurde das Gebiet Karaganda für sie für viele, viele Jahre zum Ort der Verbannung.

Bis 1959 stand die Stadt inmitten des KARLAGs, welches die gigantische Masse an Stalinschen Lagern repräsentierte, in denen sich neben anderen Völkern mehr als 100.000 Deutsche wiederfanden. Das Zentrum des KARLAGs war das Dorf Dolinka, welches sich 45 Kilometer von Karaganda entfernt befindet.

Viele tausend Arbeitssoldaten haben Tag und Nacht in Kohlebergwerken, Fabriken, auf Baustellen und anderen Objekten gearbeitet. Selbst nach ihrer Rehabilitierung und der Aufhebung sämtlicher Anschuldigungen wurde es den Deutschen nicht erlaubt, in ihre Heimat zurückzukehren, und so wurde Karaganda zu ihrem Zuhause.

Im Rahmen des Projekts „Meine deutsche Stadt“ wurden zwei Exkursionen durchgeführt, eine für die Vertreter der älteren Generation und eine für Jugendliche. Insgesamt wurden acht Objekte abgedeckt. Dies waren die Denkmäler von Appak Bajzhanow, W. I. Lenin und Nurken Abdirow, die von dem deutschen Bildhauer und Künstler Günther (Jurij) Gummel geschaffen wurden; das Denkmal von G. Fogeler, ein Künstler, Philosoph, Journalist und Aufklärer, der maßgeblich zur Entwicklung der bildenden Kunst beigetragen hat. Es wurde vor dem Gebäude des deutschen Regionalzentrums „Wiedergeburt“ installiert, die Schöpfer waren die Künstler Marat Dschunusow und Anatolij Bilyk; die Basilika des Heiligen Josef, eine katholische Kirche, die im Jahr 1978 erbaut wurde. Nach den Erinnerungen der Deutschen aus Karaganda wurden im Jahr 1931 nahe der Eisenbahn (am Ort des späteren Viertels Majkuduk in Karaganda) 30.000 abgeladen aus dem Wolgagebiet ausgeladen. Sie wurden im Zuge der „Provisorischen Entkulakisierung“ in der Zeit der Enteignungen hierher geschickt. Die meisten von ihnen starben bereits im ersten Winter. Die Deportierten wurden der Kommandantur unterstellt und konnten ihre Aufenthaltsorte nicht verlassen. Von Anfang an versammelten sich gläubige Katholiken, trotz Verfolgung, zum gemeinsamen Gebet. Der erste katholische Priester war Pater Josif Kelsch, der im Jahr 1936 in das Dorf Majkuduk verbannt wurde. Wenige Monate später wurde er verhaftet und im Jahr 1937 im Gefängnis von Karaganda erschossen.

Das nächste Objekt war der Kulturpalast der Bergleute – eines der Wahrzeichen von Karaganda, dessen Architekten I. Brenner und Ja. Janosch waren. Josif Brenner hat einen enormen Beitrag zur Architektur der Stadt geleistet. Er arbeitete ebenfalls an den Gebäuden des Sommertheaters und der Kindermusikschule, in welcher später Rudolf Richter, Ewgenij Wilman, Andrej Schwarts, Aleksandr Kiuab, Otto Uzing und viele andere arbeiteten, die die Folterkammern des KARLAG durchliefen und gleichzeitig eine wesentliche Spur in der Geschichte und Kultur der Stadt hinterließen.

Auch das Regionalmuseum der Schönen Künste Karaganda, blieb nicht links liegen. Es ist das einzige Kunstmuseum in Karaganda, in welchem Ausstellungen unterdrückter Künstler gezeigt werden, darunter W. Ejfert, I. Borchman, G. Fogeler, der Maler p. Frizen, der Grafiker L. Gamburger, der Aquarellist A. Fonwizin und viele andere.

Die Kathedrale der heiligen Jungfrau Maria von Fatima, der Mutter aller Nationen, ist die größte katholische Kirche in Kasachstan. Als Vorbild für den Bau diente der Kölner Dom, der in Deutschland steht.

Das Projekt der Kirche erarbeitete der deutsche Architekt Karl-Marija Ruf. Im Jahr 2004 beschloss der „Verein zum Aufbau der Kathedrale Mutter aller Nationen“, gegründet in dem Dorf Viktorsberg im Vorarlberg (Österreich), unter Agnes Ritter, den Bau der Kathedrale in Karaganda zu unterstützen.

Am Bau und der Ausstattung war Bischof Athanasius Schneider maßgeblich beteiligt. Die Kirche ist nicht nur ein Teil der spirituellen Kultur, sondern auch der Musik. Hier finden Orgelkonzerte statt, die es ermöglichen, die Traditionen der akademischen Musik in ihrer gesamten Vielfalt zu erleben.

Wie die Organisatoren anmerkten, ist das Hauptziel des Projekts „Meine deutsche Stadt“, die Geschichte und Kultur der Deutschen Kasachstans zu popularisieren und ein Gefühl der Zugehörigkeit der deutschen Jugend zu ihrer ethnischen Gruppe zu erzeugen.

Im Laufe des Projekts gelang es, einzigartige Informationen über jene Deutschen zu sammeln, die zur Entstehung und Entwicklung der Stadt beigetragen haben. Sie sollen es Bewohnern und Gästen der Stadt ermöglichen, sich ein Bild von den Kultur- und Kunstdenkmälern zu machen, die einen direkten Bezug zur deutschen Ethnie, ihrer Geschichte und ihrer Kultur haben.

Nadezhda Frizen

Übersetzung: Philipp Dippl

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