Mit einem Faden verbunden

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Die Handwerksmeisterin Olesja Riffel aus Aktjubinsk hat die japanische Strickkunst Amigurumi erlernt und erfreut jetzt Kinder und Erwachsene mit ihrem Blick auf die Welt.

Der Morgen beginnt für Olesja Riffel mit einem Lächeln, und mit ihm geht ihr Tag auch zu Ende. Was versetzt sie in eine solche Stimmung, ohne dass sie ihren inneren Dämonen erlaubt, herauszukommen?

– Ich habe einfach gelernt, meine Emotionen zu kontrollieren, das ist zwar nicht sehr leicht, aber es ist möglich, erzählt Olesja, und einige Minuten später erklärt sie die Geheimnisse ihrer Gelassenheit.

Meine Gesprächspartnerin ist dreißig Jahre alt. Sie kann sich schon selbst nicht mehr daran erinnern, wann sie Nadel und Faden in die Hand genommen hat. In ihrer Kindheit hat dem Mädchen, das ohne Eltern aufgewachsen ist, die Tante das stricken beigebracht. Zu erst waren es kleine Söckchen, danach Schals und Jäckchen. Zu dieser Zeit hat sie noch nicht gewusst, dass viele Jahre später ihr Hobby zu etwas viel Größerem heranwachsen würde.

Ihre Inspiration schöpft Olesja aus allem: sei es ein Spaziergang mit dem Hund an einem Frühlingstag, oder ein Angelausflug im Sonne, oder die stille Jagt im Herbst. Manchmal kann eine Vision durch das Gespräch mit einem Menschen entstehen, manchmal kommt sie aus dem Nichts, aus der Stille…

– Für das erste Püppchen – es war ein kleiner Pinguin – habe ich ungefähr zwei Wochen gebraucht. Als ich auf das Resultat blickte, hat sich irgendwas in mir verändert, ich habe verstanden, dass es das war, wonach ich viele Jahre gesucht habe, – teilt die Handarbeiterin offenherzig mit.

Heute gilt Olesja Riffel fast als die begabteste Meisterin im Amigurumi. Sie strickt für Kinder und für Erwachsene. Es ist eine bewiesene Tatsache: wenn ein Mensch ein gestricktes Tier wenigstens ein paar Minuten betrachtet, wird er von Stress befreit, und wenn er es sogar noch in den Händen hält, dann lindert es die Müdigkeit wie mit einem Handschlag. Jeden Tag rufen dutzende Menschen bei Olesja an und erläutern, was sie genau sehen möchten. Sie übernimmt nicht alles, sie sagt, sie beherrscht noch nicht alle Feinheiten des japanischen Strickens.

– Es ist schwer, einen Gesichtsausdruck zu treffen, weil es hier wichtig ist, Emotionen und Stimmungen zu vermitteln, damit der zukünftige Besitzer auch zufrieden ist. Wenn es mir in der Seele traurig ist, dann nehme ich den Strickauftrag nicht an, andernfalls überträgt sich meine Stimmung auf die Puppen – sagt Olesja. – Jedem Püppchen gebe ich ein Stück meiner Seele, das ist für mich sehr wichtig.

Übrigens ist Stricken nicht wirklich ein profitables Geschäft: ein großer Teil des Verdienten geht für den Kauf von Materialien weg.

Erst seit kurzem interessiert sich die Meisterin für europäische Kultur, insbesondere erregten deutsche Volkspüppchen ihre Aufmerksamkeit, mit welchen sie sich noch beschäftigen möchte, um die Erinnerung an die Vorfahren, die in Deutschland lebten, zu bewahren.

– Ich versuche, und hoffe, dass die Bewohner von Aktjubinsk meine Vorhaben positiv bewerten werden, – so teilt Olesja Riffel ihre Pläne mit.

Dmitrij Schinkarenko

Übersetzung: Philipp Dippl

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