Die Personalakte von Wladimir Wajzel: „Ich schätze jeden Moment meines Lebens“ Zurück Veröffentlicht in Januar 20, 2026 Fünfundsiebzig Jahre – das ist kein Alter, sondern eine goldene Zeit. Eine Phase, in der man nicht mehr zur Arbeit eilen muss, Kinder und Enkel erwachsen sind und vor allem die Möglichkeit entsteht, im Einklang mit sich selbst und den eigenen Interessen zu leben. Genau so nimmt diesen Lebensabschnitt Wladimir Wajzel wahr – Pädagoge, Musiker, Fotograf, gesellschaftlich Engagierter und aktiver Teilnehmer der deutschen ethnokulturellen Bewegung der Region Schambyl. Sein Lebensweg ist in vielerlei Hinsicht durch die Geschichte seiner Familie vorgezeichnet. Die Mutter, Jekaterina Ring, wurde 1919 im Dorf Uljanowo in der Region Stalingrad in einer kinderreichen Familie geboren. Die Familie lebte solide und wohlhabend, doch Krieg und Repressionen zerstörten das gewohnte Leben innerhalb kürzester Zeit: Der Ehemann wurde in die Arbeitsarmee eingezogen, sie selbst wurde mit den Kindern nach Kasachstan deportiert. Der neue Wohnort war das Dorf Nikolskoye im Rajon Zyryanovsk der Ostkasachstanischen Region. Trotz ihres Status als Sondersiedler wurden sie von den Einheimischen freundlich aufgenommen und mit Lebensmitteln und Kleidung unterstützt, bis Jekaterina eine Arbeit aufnehmen konnte. Am 24. Dezember 1950 wurde in Nikolskoye Wladimir geboren. Hier verbrachte er seine Kindheit und Schuljahre – mit Oktobristen, Pionierappellen, Komsomol und den obligatorischen Einsätzen „zur Kartoffelernte“. 1968 zog Wladimir nach Schambyl, wo er seine berufliche Tätigkeit im Lederkombinat als Schlosser-Zuschneider begann. Bereits ein Jahr später nahm er das Studium am Pädagogischen Institut Schambyl an der Fakultät für russische Sprache und Literatur auf. Das Studentenleben war ereignisreich: Vorlesungen, Seminare, Leistungsnachweise, künstlerische Aktivitäten – und schließlich der lang ersehnte Abschluss. Als junger Fachlehrer ging er anschließend in das Dorf Golowatschjowka. Die Mittelschule Aischa-Bibi wurde für 21 Jahre zu seinem zweiten Zuhause. Unterricht, Klassenleitung und außerunterrichtliche Arbeit erforderten großen Einsatz. Mit der Zeit entwickelte sich Wladimir zu einem anerkannten Pädagogen, teilte seine Erfahrungen auf Seminaren, führte offene Unterrichtsstunden durch und veröffentlichte Beiträge in regionalen und überregionalen Medien. Das gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern eingerichtete Fachkabinett für russische Sprache und Literatur wurde als eines der besten anerkannt und erhielt den Status eines kreativen Labors. 1980 wurde er zum Organisator der außerunterrichtlichen und außerschulischen Erziehungsarbeit ernannt, ab 1985 zum stellvertretenden Schulleiter für Unterrichts- und Erziehungsarbeit. Auch in leitenden Funktionen blieb Wladimir vor allem Mentor und stets nahe bei den Kindern. Seit 1994 arbeitet er im regionalen Zentrum, der Stadt Schambyl, als stellvertretender Direktor für Unterricht in einer spezialisierten Schule für Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. Die Arbeit in einer solchen Schule erfordert nicht nur Professionalität, sondern auch ein großes menschliches Herz. Hunderte schwierige Jugendliche gingen durch seine Hände, und jeder Fall gelungener Sozialisation wurde zu einem echten Erfolg. Mit vielen ehemaligen Schützlingen hält er bis heute Kontakt. 2014 ging er nach 42 Jahren pädagogischer Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Doch seine aktive Lebenshaltung ließ ihn nicht in den Hintergrund treten. Seit 2010 ist Wladimir Mitglied der Gesellschaft der Deutschen der Region Schambyl und wurde von der Volksversammlung Kasachstans mit Gedenkmedaillen und Ehrenurkunden ausgezeichnet. „Die Arbeit in der Gesellschaft der Deutschen hat mir die Möglichkeit gegeben, mich in Musik, Sport und Fotografie zu verwirklichen. Mein ganzes Leben war ich in der künstlerischen Selbsttätigkeit aktiv, und jetzt, im Ruhestand, empfinde ich besondere Freude daran, der Gesellschaft nützlich zu sein“, sagt Wladimir. In der Stadt ist er gut bekannt: Keine Veranstaltung der Gesellschaft der Deutschen oder der Versammlung des Volkes Kasachstans der Region Schambyl kommt ohne die Gesangsgruppe Singende Herzen aus, deren ständiges Mitglied er ist. In der Sammlung des Ensembles befinden sich über 50 Diplome und Urkunden von Festivals verschiedener Ebenen, darunter auch internationale. Die Fotografie ist ein weiterer wichtiger Teil von Wladimirs Leben. Die Kamera begleitet ihn überall. Im Haus der Freundschaft der Stadt Taras wurde seine persönliche Fotoausstellung „Taras – das ist meine Stadt“ präsentiert, eröffnet im Rahmen des Besuchs des Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafters Deutschlands in Kasachstan. Heute sind seine Arbeiten nicht nur auf Ausstellungen, sondern auch in sozialen Netzwerken zu sehen. Sein YouTube-Kanal zählt mehr als 2.500 Abonnenten, und die Videoexkursionen durch Taras erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Nicht zufällig lautet Wladimirs Lebensmotto: „Ich schätze jeden Moment meines Lebens.“ Alexander Gibner Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: