Echo der Sondersiedlung: Das Schicksal von Erina Zeiter

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Das Schicksal von Erina Zeiter, Einwohnerin der Siedlung Otenai bei Taldyqorghan, begann 1937 auf dem Höhepunkt der stalinistischen Repressionen. Und schon kurz darauf wurde es durch den Krieg brutal in ein „Davor“ und ein „Danach“ zerrissen.

1941 wurde sie, damals noch ein kleines Kind, Opfer der totalen Deportation: Ethnische Deutsche wurden als „politisch unzuverlässig“ erklärt und gewaltsam aus ihrer Heimat gerissen. Der lange Weg in die kasachische Steppe, in überfüllten Güterwaggons, wurde zum ersten Kreis der Hölle: Kälte, Krankheiten und Hunger rissen die Schwächsten schon unterwegs aus dem Leben.

Nach der Ankunft geriet die Familie in die Bedingungen der Sondersiedlung unter der strengen Aufsicht der Kommandantur. Es war eine Zeit tiefer Demütigung: Aus friedlichen Bürgern von gestern wurden rechtlose „Sondersiedler“, die ihr Recht auf Leben täglich durch schwere Arbeit beweisen mussten. Die Last der Arbeitsarmee, im Grunde ein Gulag im Hinterland, lag auf den Schultern von Jugendlichen und Erwachsenen. Väter und Mütter wurden zu erschöpfender Arbeit hinter Stacheldraht eingeteilt, während ihre kleinen Kinder am Rand des Überlebens zurückblieben. Erina Zeiter wuchs in einer Atmosphäre auf, in der „deutsch“ oft mit dem ungerechten und wütenden Stigma des Feindes verbunden war: „Faschist“. Und für eine Handvoll auf dem Feld gesammelter Ähren drohte eine harte Strafe.

„Im Rahmen des Projekts ‚Juwel‘ hat unsere Jugend die 89-jährige Erina Zeiter besucht. Sie teilte uns ihre schweren Erinnerungen an die Deportation und die Repressionen mit. Ihre Tränen sind die Erinnerung an einen Schmerz, den man nicht vergessen kann — und natürlich an menschliche Würde, die weder Befehle von oben noch Jahre schwerer Prüfungen brechen konnten“, sagt Swetlana Musyrina, Leiterin der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Taldyqorghan. „Es gibt immer weniger Zeitzeugen dieser Ereignisse. Deshalb ist es unsere Aufgabe, ihnen zuzuhören, ihre Geschichten aufzuzeichnen und die wahrhaftige Erinnerung an die Vergangenheit zu bewahren.“

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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