Deutsche im modernen Kasachstan: Geschichte, Erinnerung und die Wiedergeburt

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Von der Hoffnung auf die Wiederherstellung historischer Gerechtigkeit bis hin zum Aufbau eines modernen Systems gesellschaftlicher Vereinigungen: Die Geschichte der Deutschen Kasachstans umfasst Jahrzehnte der Prüfungen, der Suche nach Identität und der Bewahrung des kulturellen Erbes. Darüber sprachen die Teilnehmenden einer Sitzung des Klubs des Virtuellen Museums „Einblick in die Geschichte“, die in der Gesellschaft der Deutschen des Gebiets Zhambyl stattfand.

Thema des Treffens war die Geschichte der republikanischen gesellschaftlichen Organisation der Deutschen „Wiedergeburt“. Das Gespräch ermöglichte einen Blick auf die Geschichte der Sowjetdeutschen nicht nur durch die Ereignisse der Deportation und der Reisebeschränkungen während der Nachkriegszeut, sondern auch durch die Schicksale von Menschen, die ihre Kultur bewahren und in Kasachstan ein neues Leben aufbauen konnten.

Von der Hoffnung auf Rückkehr zur neuen Heimat

Nach dem Tod Josef Stalins begann in der Sowjetunion eine schrittweise Überprüfung der Repressionspolitik. Ein wichtiger Schritt war der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 13. Dezember 1955 „Über die Aufhebung der Einschränkungen in der Rechtsstellung der Deutschen und ihrer Familienangehörigen, die sich in Sondersiedlungen befinden“.

Für die Sowjetdeutschen bedeutete dies die Rückgabe eines Teils ihrer Bürgerrechte. Die Hoffnung auf weitere Veränderungen wurde auch durch den Besuch des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland Konrad Adenauer in Moskau im September 1955 gestärkt. Während der Verhandlungen sprach er die Frage des Schicksals der Menschen deutscher Nationalität an, die sich in der Sowjetunion befanden.

Nach dem XX. Parteitag der KPdSU erhielten viele deportierte Völker die Möglichkeit, in ihre historischen Siedlungsgebiete zurückzukehren. Die Autonomien mehrerer Völker wurden wiederhergestellt, die Wolgadeutschen erhielten diese Möglichkeit jedoch nicht. Die Republik der Wolgadeutschen wurde nicht wiedererrichtet, und die Einschränkungen für die Rückkehr an die früheren Wohnorte hielten die Folgen der Deportation faktisch aufrecht.

So wurde Kasachstan zu einem der wichtigsten Siedlungszentren der Sowjetdeutschen. Für viele Familien entstand gerade hier nach und nach eine neue Heimat, ein Ort, an dem Kinder und Enkel aufwuchsen, Familien gegründet wurden, Arbeitskollektive entstanden und ganze Generationen heranwuchsen.

Sprache, Kultur und Erinnerung

Allmählich veränderte sich die staatliche Politik gegenüber der deutschen Bevölkerung. Die deutschsprachige Presse wurde wieder aufgenommen, der Deutschunterricht entwickelte sich, und es entstanden Möglichkeiten für kulturelle Arbeit.

In den 1960er- und 1970er-Jahren gab es in der Republik spezialisierte Schulen mit vertieftem Deutschunterricht. In den Jahren 1968 bis 1972 lernte ein erheblicher Teil der deutschen Schülerinnen und Schüler Deutsch als Muttersprache. In Temirtau arbeitete das Deutsche Theater.

Kulturelle Entwicklung bedeutete jedoch keine vollständige Wiederherstellung historischer Gerechtigkeit. Die Frage der deutschen Autonomie blieb ungelöst. Gleichzeitig veränderte sich das Lebensumfeld der Deutschen selbst: Die Rolle der russischen und kasachischen Sprache nahm zu, die Zahl interethnischer Ehen wuchs, und die traditionelle Kultur wurde nach und nach Teil eines breiteren multinationalen Raums. Doch die Erinnerung an die Vergangenheit blieb erhalten.

Der Kampf um das Recht, gehört zu werden

Die Frage der Wiederherstellung der deutschen Autonomie wurde der sowjetischen Führung wiederholt vorgetragen. Im Januar 1965 trafen sich Vertreter der Deutschen Kasachstans, Kirgisistans und Sibiriens mit dem Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, Anastas Mikojan. Die Delegierten sprachen über die Notwendigkeit, die nationale Autonomie und die historischen Rechte des deutschen Volkes wiederherzustellen. Die erwartete Entscheidung blieb damals aus. Es wurde deutlich: Kulturelle Möglichkeiten konnten erweitert werden, doch die Frage der historischen Autonomie blieb ohne Antwort.

„Wiedergeburt“: eine Bewegung, die in der Zeit des Wandels entstand

Der eigentliche Wendepunkt kam in den Jahren der Perestroika. In der sowjetischen Gesellschaft wurden Fragen der historischen Erinnerung, des nationalen Selbstbewusstseins und des Rechts der Völker auf kulturelle Entwicklung immer lauter gestellt.

Im März 1989 fand in Moskau die Gründungskonferenz der Allunionsgesellschaft der Sowjetdeutschen „Wiedergeburt“ statt.

An der Entstehung der Bewegung beteiligten sich Vertreter der deutschen Intelligenz und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens: Herold Belger, Anatoli Wiese, Iwan Scharf, Willi Muntaniol, die Wissenschaftler Erwin Gossen und Ernst Boos, die Sängerin Elvira Muth, der Trainer Eduard Airich und viele andere.

Bereits im Juni desselben Jahres wurde in Alma-Ata die republikanische Gesellschaft der Sowjetdeutschen „Wiedergeburt“ gegründet. Bald entstanden ähnliche Organisationen in verschiedenen Regionen Kasachstans: in Zelinograd, Karaganda, Taras, Gurjew und später in Pawlodar, Semipalatinsk, Uralsk, Schymkent und anderen Städten. Eine neue Seite der Geschichte begann.

Von der Bewegung zur einheitlichen Organisation

Am 29. und 30. Oktober 1992 fand in Alma-Ata der Erste Kongress der Deutschen Kasachstans statt. Daran nahmen 401 Delegierte aus allen Gebieten der Republik teil.

Auf dem Kongress wurde der Rat der Deutschen Kasachstans gegründet, der später in die Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ umgewandelt wurde. Ihr erster Vorsitzender wurde Alexander Dederer, der die Organisation bis 2017 leitete.

Vor der Vereinigung standen Aufgaben, die bis heute aktuell sind: die Bewahrung der deutschen Sprache und Kultur, die Unterstützung der nationalen Identität, die Arbeit mit Jugend und älterer Generation, die Entwicklung gesellschaftlicher Aktivität und die Stärkung der Beziehungen zu Deutschland.

Ein wichtiges Ereignis war die Eröffnung des Deutschen Hauses in Alma-Ata am 25. August 1994. Mit Unterstützung der Bundesregierung wurde es zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum der deutschen Bevölkerung Kasachstans und zu einer Plattform für die Umsetzung von Förderprogrammen für ethnische Deutsche.

Bereits ein Jahr zuvor, am 21. Oktober 1993, war das Komplexprogramm zur Wiedergeburt der in der Republik Kasachstan lebenden Deutschen bestätigt worden. Es wurde zu einem der Instrumente zur Unterstützung der kulturellen und sozialen Entwicklung der deutschen Bevölkerung.

Die Wiedergeburt geht weiter

Heute wird die Geschichte der Deutschen Kasachstans nicht mehr nur als Geschichte von Deportation, Einschränkungen und Kampf um die Wiederherstellung der Autonomie wahrgenommen. Es ist die Geschichte von Menschen, die schwere Prüfungen überstanden, auf kasachstanischem Boden Wurzeln geschlagen und die Verbindung zu ihren Vorfahren bewahrt haben.

Gesellschaften der Deutschen und Begegnungszentren in verschiedenen Regionen des Landes führen weiterhin Sprachkurse, kreative und Jugendprojekte, Treffen der älteren Generation, Familienveranstaltungen und Feste des deutschen Kalenders durch. Einen besonderen Platz nimmt die Arbeit mit der historischen Erinnerung ein. Alte Fotografien, Briefe, Dokumente, Familiengeschichten, Lieder und Erinnerungen werden zu Quellen, durch die die Vergangenheit an die nächsten Generationen weitergegeben wird.

Gerade deshalb sind Projekte wie das Virtuelle Museum und der Klub „Einblick in die Geschichte“ so wichtig. Sie machen Geschichte nicht nur Fachleuten zugänglich, sondern jedem Menschen, der mehr über das Schicksal seiner Familie und seines Volkes erfahren möchte.

Die Sitzung des Klubs im Gebiet Zhambyl wurde zu einer weiteren Begegnung mit der Geschichte der „Wiedergeburt“, der Geschichte von Menschen, die nicht zuließen, dass die Vergangenheit im Schweigen verschwindet.

Text und Fotos: Jewgenija Kober

Übersetzung: Anton Genza

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