Reise zu den Wurzeln: Anastasia Kowalenko im Projekt „Nationaldorf“ im Gebiet Saratow

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Верхний Еруслан (Гнадентау)

Vom 17. bis 22. Juli 2026 fand im Gebiet Saratow das Projekt „Nationaldorf“ statt, organisiert vom Jugendring der Russlanddeutschen. Teilnehmende waren Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Jugend aus verschiedenen Regionen Russlands sowie eine einzige Teilnehmerin aus Kasachstan: Anastasia Kowalenko, Organisatorin für ethnokulturelle Arbeit im Gebietszentrum der Deutschen in Karaganda.

Für Anastasia war diese Reise nicht nur eine Möglichkeit, die Erfahrungen von Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und mehr über Jugendarbeit zu erfahren. Das Saratower Land hatte für sie eine besondere Bedeutung: Genau hier, im Bezirk Marxstadt, wurde ihr Urgroßvater Andrej Gauert geboren. So wurde das Projekt für sie unerwartet auch zu einer persönlichen Reise zu den familiären Wurzeln.

Im Rahmen des Projekts lernten die Teilnehmenden die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, Genealogie, historische Orte und Ortschaften, lutherische Kirchen, Museen und Archive kennen. Außerdem erfuhren sie mehr darüber, wie deutsches Kulturerbe bewahrt wird.

Für Anastasia bot die Teilnahme am Projekt die Gelegenheit, ihre gewohnte Rolle als Organisatorin für kurze Zeit gegen die Rolle einer Teilnehmerin zu tauschen.

„In Kasachstan habe ich selbst an verschiedenen Jugendprojekten und Lagern teilgenommen und auch Projekte organisiert. Mich interessierte, wie das bei den jungen Leuten in Russland abläuft. Auch dort gibt es sehr viele spannende Projekte, und ich wollte diesmal gerade als Teilnehmerin dabei sein“, erzählt Anastasia.

Сеньоренклуб, г.Маркс культурный центр
Сеньоренклуб, г.Маркс культурный центр

Die Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Regionen Russlands, aus Karelien, Tjumen, St. Petersburg, Moskau, Chakassien und anderen Orten.

Diese geografische Vielfalt wurde zu einer weiteren Besonderheit des Projekts: Die jungen Menschen konnten die Erfahrungen der anderen kennenlernen und sehen, wie unterschiedlich sich die Arbeit mit deutscher Jugend in verschiedenen Regionen entwickeln kann.

Коллаж семейного древа Анастасии Коваленко
Коллаж семейного древа Анастасии Коваленко

Als klar wurde, dass das Projekt im Gebiet Saratow stattfinden würde, erinnerte sich Anastasia an ihre Familiengeschichte und begann gemeinsam mit ihrer Großmutter, Dokumente und Fotos zu suchen.

Am letzten Tag besuchten die Teilnehmenden die Stadt Marx. Von dort bis zum Heimatdorf ihres Urgroßvaters waren es nur etwa zehn Minuten Fahrt.

Es blieb nicht viel freie Zeit, doch Anastasia wollte diese Gelegenheit nicht verpassen und fuhr mit dem Taxi dorthin.

„Für mich war es wie ein Ruf meiner Vorfahren, dorthin zu fahren und diesen Ort zu sehen. Obwohl es nur ein ganz kleines Dorf ist, wurde es für mich zu einem sehr wichtigen Erlebnis“, erinnert sie sich.

Heute ist von der früheren Siedlung fast nichts mehr erhalten. Doch allein auf diesem Boden zu stehen, war für Anastasia sehr emotional.

Sie machte ein Foto neben dem Ortsschild, eine kleine Aufnahme, die für sie viel mehr Bedeutung bekam als nur ein Reisebild.

„Ich musste sogar ein bisschen weinen. Plötzlich kamen so viele Gefühle hoch, etwas Eigenes, etwas Verbundenes. Ich weiß nicht genau, wie ich es nennen soll. Es war, als wäre ein kleiner Traum wahr geworden: Ich habe die Geschichte meiner Familie berührt.“

Anastasias Urgroßvater wurde 1914 geboren. Auch wenn mehr als hundert Jahre später von der früheren Siedlung fast nichts geblieben ist, wurde die Möglichkeit, dort zu sein, für sie zu einem Berührungspunkt mit der eigenen Familiengeschichte.

Wenn Geschichte in konkreten Menschen lebendig wird.

Einer der stärksten Eindrücke der Reise war für Anastasia der Besuch von Werchni Jeruslan, Gnadentau, im Gebiet Wolgograd, wo sich eine lutherische Kirche befindet.

Die Kirche muss heute restauriert werden: Ein Teil des Gebäudes ist zerstört, weiterhin werden Spenden für den Wiederaufbau gesammelt. Doch gerade dieser Ort wurde für Anastasia zu einem jener Momente der Reise, die lange in Erinnerung bleiben.

„Als wir hineingingen, spielte dort Musik, und es gab ein solches Echo. Obwohl sich die Kirche in der Restaurierung befindet und ein Teil von ihr zerstört ist, bekam ich richtig Gänsehaut“, erzählt sie.

Г. Энгельс Центр немецкой культуры
Г. Энгельс Центр немецкой культуры

Besonders beeindruckte sie der Mensch, der sich um den Erhalt dieses Ortes kümmert: Anatoli. Ehrenamtlich sammelt er Materialien, betreut das Museum und hilft, Spenden für die Wiederherstellung der Kirche zu organisieren.

Gerade solche Geschichten zeigen, dass die Bewahrung des kulturellen Erbes nicht nur die Arbeit von Organisationen und Einrichtungen ist, sondern auch persönliche Verantwortung einzelner Menschen.

Ein Mensch, der weiterhin die Geschichte Stück für Stück zusammenträgt und alles Mögliche für die Wiederherstellung der alten Kirche tut, zeigte den Teilnehmenden, wie viel persönliche Initiative verändern kann.

Gerade den Besuch in Werchni Jeruslan nennt Anastasia einen der eindrucksvollsten Momente der gesamten Reise.

In wenigen Tagen konnten die Teilnehmenden zahlreiche historische und kulturelle Orte besuchen.

Einen besonderen Eindruck machte auf Anastasia das Staatliche Historische Archiv der Wolgadeutschen in Engels.

Beim Archiv gibt es ein Museum, in dem es eine Freude war, ein Foto unseres großen Herold Belger zu sehen. Interessant war auch der Besuch des Geschichts- und Heimatkundemuseums in Marx sowie die Bekanntschaft mit lutherischen Kirchen. „Mir hat eigentlich alles gefallen. Jeder Ort war auf seine Weise einzigartig und interessant“, sagt Anastasia.

Dabei war die Reise nicht nur eine Begegnung mit der Geschichte der Russlanddeutschen. Sie bot auch die Möglichkeit, moderne Ansätze in der Jugend- und ethnokulturellen Arbeit kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und Menschen zu treffen, die sich in verschiedenen Regionen für die Bewahrung der deutschen Kultur einsetzen.

Für Anastasia wurde die Teilnahme am Projekt zu einer wertvollen beruflichen Erfahrung. Sie sah, wie Jugendvereinigungen in verschiedenen Regionen Russlands arbeiten, lernte ihre Ansätze kennen und erhielt Ideen, die sich für die Arbeit in Kasachstan anpassen lassen.

Das wichtigste Ergebnis der Reise waren aber wohl neue Begegnungen, Eindrücke und ein persönlicheres Gefühl der Verbindung mit der Geschichte der Russlanddeutschen.
Für sie wurde diese Reise zugleich zu einer beruflichen Erfahrung, zu einer Begegnung mit der Arbeit von Kolleginnen und Kollegen und zu einer persönlichen Reise in die Vergangenheit.

Lutherische Kirche im Dorf Podstepnoje
Werchni Jeruslan, Gnadentau
Collage des Stammbaums von Anastasia Kowalenko
Stadt Engels, Zentrum der deutschen Kultur
Dorf Krasny Jar, Kulturhaus der Siedlung
Soziale Aktion: Aufräumarbeiten auf dem Stadtfriedhof in Marx
Workshop zum Strohflechten
Gesellschaftliche Organisation, lokale national-kulturelle Autonomie der Deutschen des Bezirks Marx im Gebiet Saratow
Staatliches Historisches Archiv der Wolgadeutschen in Engels
Seniorenclub, Kulturzentrum der Stadt Marx

Gulmshan Bertajewa

Fotos: Anastasia Kowalenko

Übersetzung: Anton Genza

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