Wladimir Auman: Das letzte Gespräch. Das letzte Buch

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Vor einer Woche habe ich noch mit Wladimir Auman gesprochen. Wie so oft in den vergangenen Monaten ging es vor allem um sein Buch. Wir sprachen über die Veröffentlichung seiner Memoiren, klärten Einzelheiten, erinnerten uns an Ereignisse und feilten an Formulierungen. Er wollte dieses Buch unbedingt noch gedruckt in den Händen halten.

Es ist für mich eine große Ehre, dass Wladimir Auman ausgerechnet mich als verantwortliche Redakteurin seiner Erinnerungen ausgewählt hat.

Über mehrere Jahre hinweg arbeiteten wir eng zusammen. Gemeinsam entstanden drei Bände der Reihe „Bekannte Deutsche Kasachstans“: über den bedeutenden Schriftsteller Herold Belger, den Verdienten Trainer der UdSSR Eduard Airich und das Akademiemitglied Erwin Gossen. Für Wladimir Auman und für mich war keines dieser Bücher einfach nur ein weiteres Projekt. Es ging uns darum, die Erinnerung an Menschen zu bewahren, auf die unser Volk zu Recht stolz sein kann. Nun sollte seine eigene Geschichte erzählt werden.

In den vergangenen sechs Monaten telefonierten wir sehr häufig. Wir besprachen das Manuskript, Fotografien, Dokumente und die Vorbereitung für den Druck. Mich beeindruckte immer wieder, wie klar sein Geist und wie außergewöhnlich sein Gedächtnis geblieben waren. Mit 88 Jahren lebte er nicht in der Vergangenheit, sondern blickte nach vorn. Er hatte einen Wunsch, einen einfachen und zutiefst menschlichen: Er wollte die Veröffentlichung seines Buches noch erleben.

Am 21. Juli erschien auf meinem Handy eine Nachricht von Wladimir Aumans Nummer. Für einen Augenblick dachte ich, ich würde gleich wieder seine ruhige Stimme hören, wir würden unser Gespräch über das Buch fortsetzen, eine weitere Korrektur oder eine neue Idee besprechen. Doch stattdessen kam die traurige Nachricht: „Wladimir Auman ist heute verstorben.“

Es ist kaum zu begreifen, dass der Mensch, mit dem wir noch vor Kurzem Pläne geschmiedet haben, nie wieder anrufen und sein eigenes Buch nie in den Händen halten wird.

Ein Mensch mit einem außergewöhnlichen Lebensweg ist von uns gegangen. Wladimir Auman war Träger des Ehrentitels „Verdienter Kulturschaffender der Republik Kasachstan“, Historiker, Publizist, Forscher und gesellschaftlich engagierter Vertreter der Russlanddeutschen, der sein Leben in den Dienst seines Volkes stellte. Als Kind erlebte er die Deportation. Doch er ließ nicht zu, dass die Tragödie der Vergangenheit in Vergessenheit geriet. Im Gegenteil: Er tat alles dafür, die Erinnerung lebendig zu halten.

Ob als Lehrer und Schuldirektor, als Lektor beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Kasachstans, als Berater für interethnische Beziehungen in Moskau, als Leiter des Programms „Russlanddeutsche“ oder als Direktor des Bildungszentrums BIZ: Wladimir Auman beschäftigten stets das Schicksal der Russlanddeutschen sowie die Bewahrung ihrer Sprache, Kultur und historischen Erinnerung.

Er hinterlässt ein unschätzbares Vermächtnis: Bücher, wissenschaftliche Arbeiten und Hunderte Veröffentlichungen. Einen besonderen Stellenwert nimmt das gemeinsam mit Valentina Chebotarewa erarbeitete grundlegende zweibändige Werk „Geschichte der Russlanddeutschen in Dokumenten“ ein. Auch die Reihe „Bekannte Deutsche Kasachstans“, deren wissenschaftlicher Leiter und Autor Wladimir Auman war, wurde zu einer Chronik der Lebenswege bedeutender Vertreter der deutschen Gemeinschaft.

Am meisten aber lag ihm vermutlich das Buch über sein eigenes Leben am Herzen. Nicht um seiner selbst willen. Sondern für die Erinnerung. Für kommende Generationen. Damit sie wissen, um welchen Preis die Russlanddeutschen ihre Würde, ihre Kultur und ihre Geschichte bewahrt haben.

Nun ist es unsere gemeinsame Aufgabe, dieses Buch zu vollenden. Ich bin überzeugt, dass die Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans dieses Vorhaben zu Ende führen wird. Gemeinsam werden wir Wladimir Aumans großen Wunsch erfüllen und seine Erinnerungen veröffentlichen.

Es wird nicht einfach nur ein Buch sein. Es wird sein letztes Wort an die Nachkommen sein, sein Vermächtnis, seine Stimme, die bei uns bleiben soll.

Lieber Wladimir Auman, wir werden Sie in ehrender Erinnerung behalten. Wir werden das Werk, das Sie begonnen haben, zu Ende führen.

Olesja Klimenko

Mit großer Trauer haben wir vom Tod Wladimir Aumans erfahren.

Neben seinen großen Verdiensten um Kasachstan und seinem jahrzehntelangen gesellschaftlichen Engagement hat Wladimir Auman für unsere Familie etwas von unschätzbarem Wert getan. Er schrieb das Buch „So war mir der Weg beschieden“, das dem Leben und Schicksal unseres Mannes, Vaters und Großvaters Herold Belger gewidmet ist. Dafür werden wir ihm immer dankbar sein.

Wladimir Auman und Herold Belger verband bereits seit der Sowjetzeit eine langjährige Freundschaft. Sie begegneten sich häufig auf Konferenzen in Moskau und pflegten ein herzliches Verhältnis. Während der Arbeit an dem Buch stand Wladimir Auman in engem Kontakt mit unserer Familie. Er kam nach Moskau in das Haus von Herold Belgers Tochter. Gemeinsam sichteten sie Familienfotos, überprüften Daten aus Herold Belgers Leben und Wirken und wählten Briefe aus, die er seinem Enkel geschrieben hatte. Später traf er die Familie auch in Almaty bei einem Gedenkabend für Herold Belger. Er war ebenfalls bei uns zu Hause zu Gast.

Wladimir Auman arbeitete mit außergewöhnlicher Wärme, Aufrichtigkeit und tiefem Respekt vor der Persönlichkeit, dem Lebensweg und dem literarischen Erbe Herold Belgers an diesem Buch. Wir wissen, dass er später noch mehrere Bücher über bedeutende Deutsche Kasachstans schrieb und damit ihre Namen und Lebensgeschichten für die Nachwelt bewahrte.

Trotz seines Alters und seiner gesundheitlichen Probleme blieb Wladimir Auman bis zuletzt aktiv und interessiert am Geschehen. Kasachstan lag ihm zutiefst am Herzen. Obwohl er viele Jahre in Moskau lebte, verfolgte er aufmerksam, was im Land geschah.

Er war ein warmherziger Mensch, eine starke Persönlichkeit, ein begabter Forscher und jemand, der sich seiner Arbeit mit außergewöhnlicher Hingabe verschrieben hatte.

Wir werden Wladimir Auman in ehrender Erinnerung behalten und sprechen seiner Familie, seinen Angehörigen, Freunden und allen, die das Glück hatten, diesen außergewöhnlichen Menschen zu kennen, unser tief empfundenes Beileid aus.

Mit Hochachtung, die Familie von Herold Belger

Für uns war Wladimir Auman nicht nur Historiker, Wissenschaftler, eine bedeutende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und Autor zahlreicher Monografien und Artikel. Er war auch das Oberhaupt einer großen Familie.

Er war ein lebensfroher Mensch, die Seele jeder Runde und jeder Familienfeier. Er scherzte viel, sang wunderbar und träumte in jungen Jahren sogar einmal von einer Bühnenkarriere.

Er war ein Mensch mit großem Herzen, der seinen Angehörigen immer mit Rat, Tat und persönlicher Anteilnahme zur Seite stand. Trotz seines schwierigen Lebensweges verstand er es, glücklich zu sein – im Hier und Jetzt.

Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit stand das Schicksal der Russlanddeutschen und der Deutschen Kasachstans. Auch dieses Thema erwuchs aus der Geschichte seiner eigenen Familie und aus seinem eigenen Leben.

Als Junge wurde er gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester Valja nach Kasachstan deportiert und erlebte die ganze Härte der Deportation. Seine kleine Schwester überlebte Hunger und Entbehrungen nicht.

Wladimir Aumans Frau Elsa, die leider bereits vor 13 Jahren verstarb, war die Tochter des Mathematiklehrers Heinrich Peters. Er wurde 1937 Opfer der Repressionen und kurz darauf erschossen. Erst in den 1960er-Jahren erfuhr die Familie, dass er postum rehabilitiert worden war.

In seinen Büchern erzählte Wladimir Auman von bedeutenden Persönlichkeiten unter den Russlanddeutschen und den Deutschen Kasachstans. Jedem Einzelnen widmete er sich mit großer Anteilnahme, einem Blick für Details und aufrichtigem Interesse.

In seinen letzten Lebensjahren war er häufig krank, ließ sich davon aber möglichst wenig anmerken.

Am 10. Juni 2026, an seinem letzten Geburtstag, versammelte er noch einmal alle Angehörigen um den Tisch. Er erzählte viele Geschichten aus seinem Leben und erinnerte sich an seine Kindheit und Jugend.

2024 flog er zur Hochzeit seiner Enkelin nach Almaty. Dort fand er sehr persönliche und herzliche Worte. Überhaupt liebte er unsere Stadt und unser Land, in dem er so viele Jahre seines Lebens verbracht hatte. Auch in diesem Sommer wollte er wieder zu Besuch kommen.

Wenn man ihn fragte, wie es ihm gehe, antwortete er: „Dem Alter entsprechend.“

Einmal sagte er allerdings auch: „Was erwartest du? Einen alten Baum kannst du gießen, so viel du willst, jünger wird er davon aber nicht mehr.“

Ich griff dieses Bild auf und begann, mir ihn als großen Baum vorzustellen: mit tiefen, kräftigen Wurzeln, einer mächtigen Krone und starken Ästen. Man glaubte, dieser Baum würde allem standhalten, alles aushalten und auch diesmal weiterbestehen. Doch es kam anders. Für unsere ganze Familie ist es ein schwerer Verlust. Aus allen Teilen der Welt erreichen uns Worte des Mitgefühls und der Trauer.

Doch das Leben geht weiter. An seinem Baum gibt es reife Früchte und junge Triebe. In jedem von ihnen leben etwas von seinen Taten, seinen Gedanken und seinem Leben weiter.

In Erinnerung an ihn haben wir, seine Nachkommen, uns zu einer kleinen Redaktionsgruppe zusammengeschlossen. Wir wollen die Arbeit an dem Buch vollenden, das er selbst nicht mehr fertigstellen konnte: ein Buch über sein eigenes Leben im Spiegel der Geschichte.

Die Arbeit daran wird sein Enkel Denis Auman leiten, ebenfalls Historiker, mit Dankbarkeit, Respekt und Liebe. Vielleicht liegt gerade in dieser Weitergabe von einer Generation an die nächste ein wesentlicher Sinn des menschlichen Lebens.

Elmira Auman

Mit tiefer Trauer haben wir vom Tod unseres Landsmanns Wladimir Auman erfahren.

Noch als Kind wurde er in das Gebiet Qostanai deportiert. Hier verbrachte er seine Kindheit, seine Schulzeit und seine Jugend. Diese Region blieb für immer ein Teil seines Lebens und wurde zur letzten Ruhestätte seiner Mutter.

Wir kannten Wladimir Auman viele Jahre persönlich. Auf Initiative von Sergej Blok hatten wir das Glück, an der Organisation der Feier zu seinem 85. Geburtstag mitzuwirken, als er Freunde und Verwandte im Gebiet Qostanai besuchte. Diese Begegnung ist uns in warmer und guter Erinnerung geblieben.

Wladimir Auman war ein Mensch von großer geistiger Tiefe und hoher Bildung mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Er widmete sein Leben seiner Familie, seiner Arbeit und der Bewahrung historischer Erinnerung. Einen besonderen Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit bildeten die Geschichte der Russlanddeutschen und die interethnischen Beziehungen.

Einen bedeutenden Beitrag zur Geschichtsforschung leistete sein zweibändiges Werk „Geschichte der Russlanddeutschen in Dokumenten. 1763–1992“, eine unschätzbare Sammlung von Archivmaterialien. Sie ist bereits zu einer der wichtigsten Quellen für Forschende geworden und wird es noch viele Jahre bleiben. Auch für meine eigene wissenschaftliche Arbeit waren diese Dokumente unverzichtbar.

In Gesprächen mit Wladimir Auman war stets zu spüren, wie stark seine Worte von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen geprägt waren. Er kannte die Tragödie der Deportation, das Schicksal der Russlanddeutschen und die Folgen jener Entscheidungen, die einst in den höchsten Parteigremien getroffen wurden, nicht nur aus Büchern. Gerade deshalb waren seine Worte, seine Forschungen und seine Erinnerungen von besonderer Aufrichtigkeit und Eindringlichkeit.

Mit dem Tod Wladimir Aumans ist eine ganze Epoche zu Ende gegangen, die deutliche Spuren in der Geschichte der Russlanddeutschen und in der Erinnerung all jener hinterlassen hat, die das Glück hatten, diesen außergewöhnlichen Menschen zu kennen.

Wir sprechen seiner Familie, seinen Angehörigen, Freunden und Kollegen unser tief empfundenes Beileid aus. Wladimir Auman wird uns in ehrender und bleibender Erinnerung bleiben.

Olga Kikolenko

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