Berlin in Maikuduk: Wie die Deutschen in Karaganda die Erinnerung an ihre Vorfahren bewahren Zurück Veröffentlicht in 2. September 202623. September 2026 Für die meisten jungen Menschen in Karaganda ist Deutschland ein weit entferntes Land im Herzen Europas. Für die Enkel und Urenkel der nach Maikuduk deportierten Deutschen beginnt Deutschland jedoch zu Hause: mit alten Familienfotos, Briefen aus den Kriegsjahren, traditionellen Gerichten und den Geschichten, die in den Familien weitergegeben werden. Dieser Stadtteil ist zu einem Teil der Geschichte der deutschen Gemeinschaft Karagandas geworden. Maikuduk ist einer der größten Stadtteile Karagandas. Er entstand ab 1943 im Zuge des Ausbaus des Kohlebergbaus. Ursprünglich wurde er als Wohngebiet für Bergleute und ihre Familien errichtet und entwickelte sich mit der Zeit zu einem großen Stadtviertel. Auch wenn die meisten Deutschen von hier später in ihre historische Heimat auswanderten, pflegen ihre Nachkommen bis heute ihre Wurzeln. Sie besuchen Sprachkurse, bewahren Traditionen und beteiligen sich an ethnokulturellen Angeboten: an Festivals deutscher Kultur, Sprachklubs, Jugendlagern, traditionellen Festen, Kulturgruppen, Ausstellungen, Konzerten und Projekten zur Bewahrung des deutschen Kulturerbes. Dass die Einwohner diesen Teil Maikuduks „Berlin“ nannten, hatte seinen Grund. Hier lebten zahlreiche deportierte deutsche Familien, denen es trotz schwerster Erfahrungen gelang, ihre Sprache, ihre Traditionen und ihr Gemeinschaftsgefühl zu bewahren. Bis heute erinnern sich Bewohner Maikuduks daran, wie Nachbarn miteinander Deutsch sprachen, gemeinsam traditionelle Feste feierten und sich gegenseitig unterstützten. In vielen Familien wird davon erzählt, wie ihre Vorfahren in den Bergwerken arbeiteten, am Aufbau des Stadtteils beteiligt waren und ihr Leben praktisch bei null beginnen mussten. Gerade solche Erinnerungen halten die Vergangenheit lebendig. Für Ksenia Rikkel ist die Geschichte des deutschen Viertels „Berlin“ in Maikuduk zugleich die Geschichte ihrer eigenen Familie. Ihre Urgroßmutter wurde in das Gebiet Karaganda deportiert und sprach nur selten über das, was sie erlebt hatte. Ksenia zufolge war die Deportation in der Familie lange ein Tabuthema, weil die Erinnerungen daran zu schmerzhaft waren. Nur von einem erzählte ihre Urgroßmutter stets mit Dankbarkeit: von der Hilfe kasachischer Familien vor Ort, die ihr Essen teilten und Kinder retteten, die ihre Eltern verloren hatten. Heute arbeitet Ksenia im deutschen Zentrum „Wiedergeburt“ und trägt dazu bei, die Geschichte der Deutschen Karagandas zu bewahren. In einer kleinen Museumsecke sammelt und verwahrt sie sorgfältig Erinnerungsstücke von Deportierten: Holztruhen, Bücher, Briefe, Alltagsgegenstände und sogar ein Notenheft. Ihren Worten zufolge nahmen die Menschen, die zwangsweise nach Karaganda umgesiedelt wurden, oft nicht nur das Allernötigste mit, sondern auch Bücher. Sie wussten, dass die Erinnerung an die eigene Familie und Kultur nicht verloren gehen durfte. Ksenia Rikkels Familiengeschichte ist nur eine von Tausenden. Viele Familien schwiegen jahrzehntelang über das Erlebte. Manche Erinnerungen wurden nur im engsten Familienkreis weitergegeben, andere gerieten in Vergessenheit oder wurden nie erzählt. Heute setzen die Nachkommen alles daran, diese Geschichten dem Vergessen zu entreißen und die Erinnerung an ihre Vorfahren zu bewahren. Dana Igisinowa Поделиться ссылкой: