Die harte Schule des Lebens von Werner Becker Zurück Veröffentlicht in Januar 20, 2026Januar 20, 2026 Die Erinnerungen des 90-jährigen Bewohners von Ridder, Werner Becker, sind eine lebendige Chronik von Schmerz und Standhaftigkeit. Im Herbst 1941 wurde seine Familie nach Ostkasachstan deportiert – beraubt von Zuhause und Kindheit. Mit sieben Jahren, als Gleichaltrige die Schulbank drückten, musste Werner bereits arbeiten gehen. Im Frühjahr 1942 wurde der Vater in die Arbeitsarmee eingezogen, und für die Familie begannen endlose Wanderungen durch fremde Unterkünfte und der tägliche Kampf ums Überleben. „Ich suchte Kartoffelschalen auf Müllkippen, briet sie und aß sie, um nicht zu verhungern“, erinnert sich Werner Gawrilowitsch. „Den ganzen Tag schwere Feldarbeit: Pflügen mit Ochsen, Transport von Mist. Die kurzen Nächte dienten nicht dem Schlaf, sondern dem Flicken der zerlumpten Kleidung, damit ich am Morgen wieder in die Furche gehen konnte.“ Erst mit fünfzehn Jahren, als er den Pflug gegen das Schusterwerkzeug tauschte, konnte Werner Becker eine Abendschule besuchen. Er wurde sofort in die dritte Klasse aufgenommen, da er für einen „Erstklässler“ bereits zu alt war. Lernen war notwendig! Nach vier Klassen der Fabrik- und Betriebsausbildung war sein weiterer Weg vorgezeichnet – er führte ihn nach Leninogorsk. Ein halbes Jahr in der Fabrik- und Betriebsausbildung verging wie im Flug: zwei Monate Theorie am Schreibtisch und vier Monate im dröhnenden Lärm der Praxis, die das Schicksal Werner Gawrilowitschs endgültig bestimmte. So begann sein Weg von einem Vierteljahrhundert. Fünfundzwanzig Lebensjahre Werner Beckers liegen verborgen in den Tiefen der Erde, in den mächtigen Erzschichten. Die Grube verzeiht keine Schwäche – und Werner Becker wurde ihr eigener Mann. Er durchlief alle Stufen der Bergmannsbruderschaft: arbeitete als Streckenhauer, bezwang als Sprengmeister die Gewalt des Gesteins und führte als Brigadier Menschen an. Seine Arbeitsbiografie wurde in den Strecken der legendären Leninogorsker Grube geschrieben und auf dem Tishinskoje-Vorkommen geschmiedet. Als die Zeit kam, endgültig an die Oberfläche zurückzukehren, schmückte ein wohlverdientes Abzeichen seine Brust – der Titel „Ehrenbergmann“, ein Symbol der Anerkennung seines eisernen Willens. Das Leben bot Werner Gawrilowitsch mehr als einmal die Möglichkeit, neue Horizonte zu wählen: Fast alle seine Verwandten sind nach Deutschland ausgewandert. Doch er blieb der Erde treu, die seine Familie in den harten Kriegsjahren aufgenommen hatte. Kasachstan wurde für ihn zur wirklichen Heimat. Marina Angaldt Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: