Die Kraft von Wort und Denken: Wie Debatten die Jugend verändern

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Heute entscheiden sich immer mehr junge Menschen nicht nur für aktive, sondern auch für intellektuelle Freizeitgestaltung. Eine dieser Richtungen ist das Debattieren – ein Format, das Denken, Argumentation und die Fähigkeit, zuzuhören, entwickelt. Darüber, warum Debatten wichtig sind und wie sie die Jugend beeinflussen, sprachen wir mit Egor Kurnosow – Leiter des Klubs der deutschen Jugend „Hoffnung“ in Schymkent, Schüler der 11. Klasse „D“ des Schul-Gymnasiums Nr. 1 benannt nach A. Puschkin und Leiter des Debattierklubs.

– Egor, erzähl mal: Was ist Debattieren?

– Das ist ein intellektuelles Spiel, in dem zwei Seiten zu einem bestimmten Thema Argumente austauschen. Es gibt einen Juror, der bewertet, welches Team überzeugender war. Alles läuft nach strengen Regeln ab: Jede Sprecherin und jeder Sprecher hat eine Rolle, ein Zeitreglement und Bewertungskriterien. Es gibt viele Debattenformate, aber für das verbreitetste Format – das britisch-parlamentarische – gibt es sogar eine eigene sogenannte „Verfassung“, also Grundregeln. Das ist ein 50-seitiges Handbuch mit einer klaren Beschreibung der Rollen der Sprecher, der Aufgaben des Jurors sowie der Debattenordnung. Nach diesem Handbuch werden weltweit Hunderte Turniere pro Jahr durchgeführt, darunter Welt- und Europameisterschaften, und man kann sicher sagen, dass die konsequente Anwendung bei der Jurierung sehr stark zu einem hohen Maß an Unparteilichkeit in der Bewertung beiträgt.

– Worin unterscheiden sich Debatten von normalen Streitgesprächen?

– Der wichtigste Unterschied ist, dass du nicht immer deine eigene Meinung verteidigst. Es gibt eine Seite „dafür“ und „dagegen“, und per Los landest du auf einer von beiden. Das zwingt dazu, ein Problem aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, und lehrt Objektivität.

– Welche Themen werden in Debatten besprochen?

– Die Themen können völlig unterschiedlich sein – von Politik und internationalen Beziehungen bis zu sozialen und kulturellen Fragen. Zum Beispiel: Was ist wichtiger – Wirtschaftswachstum oder Umweltschutz? Oder was ist wirksamer – Bestrafung oder Resozialisierung? Solche Themen lösen immer Diskussionen aus, und es gibt Argumente auf beiden Seiten.

– Was geben Debatten jungen Menschen?

– In erster Linie eine Veränderung des Denkens. Du lernst, Informationen zu analysieren, die Reaktion des Gegenübers vorherzusehen und die richtigen Worte zu wählen. Außerdem entwickeln sich das kritische Denken und die Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen. Mit der Zeit entwickelt sich sogar ein „Filter“: Man versteht, welche Worte Sinn ergeben und welche nicht.

– Verändert sich ein Mensch durch Debatten?

– Ja, sehr stark. Ich nehme zum Beispiel weniger an sinnlosen Streitgesprächen teil. Es entsteht eine Unverträglichkeit gegenüber oberflächlichem Gerede. Man beginnt, Argumente, Logik und Struktur der Rede zu schätzen. Debatten lehren, vorauszusehen, was und wann man sagen sollte, wie man es präsentiert, welche konkreten Worte man wählt und worauf man während der Rede besser keine Zeit verschwendet. Und natürlich vermitteln Debatten umfassende Fähigkeiten im Analysieren von Informationen, Realitäten, Reaktionen, Handlungen und Worten anderer – all das wird analysiert, um hochwertige Argumente zu entwickeln.

– Wie entwickeln sich Debatten in eurem Klub der deutschen Jugend?

– Bei uns im Klub der deutschen Jugend werden Veranstaltungen, besonders solche mit Publikumskontakt, häufiger von denen durchgeführt, die an Debatten teilnehmen, weil sie das Publikum besser fühlen und Gedanken richtig vermitteln können. Deshalb werbe ich überall dafür, an Debatten teilzunehmen.

– Du bist Leiter des Debattierklubs an deiner Schule. Kann euer Team Erfolge vorweisen?

– Ja, an unserem Gymnasium gibt es einen Debattierklub mit mehr als 50 Teilnehmenden. Wir haben sehr gute Bedingungen für die Arbeit – vielen Dank an unsere Verwaltung, die Lehrkräfte und an die Leitung, die Lehrerin für russische Sprache, Aigul Meirbekowna. Vor Kurzem haben wir ein großes Anfängerturnier mit 40 Teams durchgeführt, jeweils zwei Personen pro Team. Das war eine sehr große Veranstaltung – für russischsprachige Debatten, soweit ich es einschätzen kann, eine der größten in unserer Stadt in den letzten Jahren. Davor sind wir mit einer Delegation von 12 Personen nach Astana zur nationalen Meisterschaft gefahren. Eines unserer Teams erreichte das Halbfinale der Schulliga. Im Februar nahmen wir an einem englischsprachigen Turnier, dem „Turan International Schools Debating Championships“, teil; dort waren Jugendliche aus Privatschulen sowie einige Austauschstudierende mit Englisch als Muttersprache. Am Ende belegte unser Team den 3. Platz, und ich erhielt die Auszeichnung „Bester Sprecher“.

– Was würdest du denen sagen, die erst darüber nachdenken, anzufangen?

– Unbedingt ausprobieren. Es entstehen gerade viele Möglichkeiten, an Debatten teilzunehmen, und das ist wirklich eine wertvolle Erfahrung. Tatsächlich werden für Schülerinnen und Schüler sehr viele Möglichkeiten geschaffen, an Debatten teilzunehmen – auch auf Ebene des Bildungsministeriums. Ich weiß auch, dass in den Klubs der deutschen Jugend in Taras und Almaty vor nicht allzu langer Zeit Veranstaltungen dazu stattgefunden haben. Ich denke, Debatten sollten noch stärker popularisiert werden: In Kasachstan gibt es viele talentierte Jugendliche, denen Debatten helfen können, sich zu entfalten.

Debatten sind nicht nur ein Spiel, sondern eine Schule des Lebens, in der Zukunftskompetenzen entstehen: denken, analysieren und sprechen zu können. Genau solche Eigenschaften werden in der modernen Welt entscheidend.

– Vielen Dank, Egor, für das Interview. Wir wünschen dir viel Erfolg.

Maria Gorbatschowa

Übersetzung: Anton Genza

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