Die Töpferkunst der Wolgadeutschen

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Schon im 18. Jahrhundert bemerkten Reisende, dass in den deutschen Siedlungen, zum Beispiel in der heutigen Stadt Marx, hervorragende Töpfermeister arbeiteten. Ohne Tongeschirr konnte man damals weder Essen zubereiten noch Lebensmittel aufbewahren.

Aus Ton fertigte man nicht nur Teller und Töpfe zur Verzierung der Häuser, sondern auch nützliche Kleinigkeiten: Gewichte zum Angeln oder Spielzeug für Kinder. Die Meister arbeiteten mit lokalem grauem und rotem Ton. Zunächst formten sie die Gegenstände auf der Töpferscheibe, anschließend brannten sie sie in Öfen, damit sie haltbar wurden.

Später, in den 1920er Jahren, kam das sogenannte glasierte Geschirr besonders in Mode. Es wurde mit einer speziellen farbigen Glasur überzogen, damit es glänzte, leuchtend wirkte und wasserundurchlässig wurde. Die Farben der Glasur hingen von den zugesetzten Metallen ab.

Früher glaubten die Deutschen: In Geschirr eines „richtigen“ Meisters blieben Lebensmittel länger frisch, und saure Sahne wurde darin dickflüssiger. Man meinte, wenn ein Töpfer die beruflichen Geheimnisse und Verbote nicht beherrschte, zum Beispiel wann genau man Wasser zum Anrühren des Tons schöpfen durfte, dann sei sein Geschirr „leer“ und für den Haushalt nutzlos.

– Die wolgadeutschen Töpfermeister stellten sowohl Gebrauchs- als auch Ziergeschirr her: Spielzeug, Pfeifchen, Schmuck und vieles mehr, sagt Tatjana Samochwalowa, Programmleiterin der Regionalvertretung der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt‘“ in Balqasch. – Die Jugendlichen aus unserem Klub der deutschen Jugend tauchten beim nächsten Workshop ins Töpferhandwerk ein und kamen mit großer Freude in Berührung mit dem lebendigen Erbe ihrer Vorfahren. Solche Angebote helfen jungen Menschen, den Alltag und die Lebensphilosophie der Wolgadeutschen besser zu verstehen, bei denen Fleiß, Genauigkeit und Respekt vor Traditionen an erster Stelle standen.

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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