„Heimat, ach Heimat…“: Der Weg nach Rodina durch Steppe, Erinnerung und Musik

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Manchmal wird eine Fahrt zu mehr als nur einem Ausflug. Sie verwandelt sich in eine Reise zur Geschichte, zu Menschen, zur Kultur und zu jenen Gefühlen, die einen Menschen mit seiner Heimat verbinden.

Am 9. Juli fand eine Exkursionsfahrt des Deutschen Zentrums in Karaganda in das Dorf Rodina im Gebiet Aqmola statt. Dank der Organisatorin des Projekts für ethnokulturelle Arbeit, Anastasia Kowalenko, nahmen an dieser Fahrt Seniorinnen und Senioren, Teilnehmende der Sprachkurse mit ihren Kindern, Lehrkräfte des Projekts und Mitarbeitende des Deutschen Zentrums teil.

Für mich hatte diese Reise eine besondere Bedeutung. Mein Geburtsort liegt im Gebiet Aqmola. Vielleicht klang deshalb das Wort „Heimat“ während dieser Fahrt für mich besonders nah. Denn Heimat ist nicht nur ein Punkt auf der Landkarte, sondern die Erde, mit der erste Erinnerungen, Wurzeln und das Gefühl der Zugehörigkeit verbunden sind. Unser Weg führte über Astana durch die Weiten des Aqmolaer Landes. Vor den Fenstern des Busses öffnete sich die grenzenlose Steppe der Saryarka, ruhig, majestätisch und voller Geschichte.

Die Reiseleiterin erzählte uns von Aqmola, von der Geschichte der Region, von der Natur der Steppenzone und vom grünen Gürtel rund um die Hauptstadt. Wir erfuhren, wie Menschen in einer Steppenregion, in der jahrhundertelang offene Weiten vorherrschten, neue Grünflächen schufen, Bäume pflanzten und sich um die Zukunft dieses Landes kümmerten. Wir hörten die Geschichte des legendären kasachischen Ringers Chadschimukan Munaitpassow, von seiner Kraft, seinem Mut und seinem Beitrag in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges. Danach erklang das Lied „Hallo, Neuland!“, das an die Zeit der Neulanderschließung und an die arbeitenden Menschen erinnerte, die neue Siedlungen, Straßen und Felder schufen. Besonders berührend war jedoch der Moment, als auf dieser Fahrt neben kasachischer Musik auch das deutsche Lied „Heimat“ erklang. Die Seniorinnen und Senioren sangen das vielen bekannte Lied: „Heimat, ach Heimat…“

Als unser Bus im Dorf Rodina ankam, öffnete sich vor uns nicht einfach eine ländliche Ortschaft, sondern ein echtes Beispiel dafür, wie ein modernes Dorf aussehen kann. Schöne Häuser, gepflegte Höfe, blühende Gärten, ordentliche Zäune, saubere Straßen und asphaltierte Wege mit Markierungen vermittelten ein Gefühl von Ordnung und Fürsorge. Man sah: Die Einwohnerinnen und Einwohner lieben ihr Dorf und sind stolz darauf. Wir besuchten das Freilichtmuseum des militärischen Ruhms, wo neben der Geschichte des Landes auch Militärtechnik zu sehen ist. Dieser Ort erinnert an den Mut früherer Generationen und an die Bedeutung der Bewahrung des Gedächtnisses.

Einen großen Eindruck hinterließ auch das moderne Regionalmuseum, in dem man die Geschichte des Dorfes und seine Entwicklung kennenlernen kann. Wir besuchten das Kulturhaus und den Supermarkt „Nascha Rodina“. Besonders warme Gefühle weckte der Zoo, wo die Teilnehmenden der Exkursion, vor allem die Kinder, Bisons und Ponys füttern konnten.

Wir besichtigten auch das Gelände eines modernen Viehzuchtkomplexes, in dem umfangreiche Arbeit zur Herstellung von Milchprodukten geleistet wird. Im Betrieb werden die sanitären und veterinärmedizinischen Vorschriften sowie die Besuchsbeschränkungen streng eingehalten. Das hängt mit der Sorge um die Gesundheit der Tiere und der Vermeidung möglicher Risiken bei der Verbreitung von Krankheiten zusammen. Wir begegneten dem mit Verständnis. Denn hinter hochwertigen Produkten stehen Verantwortung, Professionalität und die tägliche Arbeit von Menschen.

Besondere Worte des Respekts gelten der Leitung und dem Team der Agrarfirma „Rodina“ für die Schaffung eines so vorbildlichen Beispiels für die Entwicklung eines modernen Dorfes. Hinter den schönen Straßen, der modernen Produktion und dem Komfort der Einwohnerinnen und Einwohner stehen Jahre der Arbeit, Verantwortung und Liebe zur Heimat.

Das Dorf Rodina zeigt, dass moderne Landwirtschaft mit Fürsorge für Menschen, Kultur, Gestaltung des Lebensumfelds und würdigen Lebensbedingungen verbunden werden kann.

Vor der Abfahrt wurden wir in den Park der Freundschaft eingeladen. Der Direktor des Kulturhauses erzählte uns, dass im Dorf Vertreterinnen und Vertreter von 26 Nationalitäten leben.

Diese Worte blieben besonders in Erinnerung. Sie spiegeln gleichsam das Wesen Kasachstans wider, eines Landes, in dem Menschen verschiedener Kulturen und Traditionen eine gemeinsame Geschichte schaffen.

Wir bewunderten die schönen steinernen Wasserfälle im Park, ruhten uns in einer gemütlichen Laube aus und genossen einfach die Atmosphäre dieses Ortes.

Ein warmer Abschluss der Begegnung war die Bewirtung mit lokalen Produkten: Uns wurden frischer Joghurt, Muffins und duftende Brötchen aus eigener Herstellung angeboten. In diesen einfachen Leckereien spürte man die Gastfreundschaft und Fürsorge der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner.

Wir verließen das Dorf Rodina mit vielen Eindrücken. Doch das Wichtigste, was in der Seele blieb, war ein Gefühl der Dankbarkeit.

Dankbarkeit gegenüber den Menschen der Arbeit, den Bewahrerinnen und Bewahrern der Erinnerung, jenen, die Schönheit um sich herum schaffen und sich um die Zukunft kümmern.

Diese Fahrt zeigte erneut: Heimat ist nicht nur der Ort, an dem ein Mensch geboren wurde. Sie ist der Ort, mit dem seine Gefühle, Erinnerungen und Liebe verbunden sind.

Vielleicht möchte jemand, der diese Zeilen liest, das Lied „Heimat, ach Heimat“ hören, mehr über deutsche Lieder erfahren, in den Seniorenklub des Deutschen Zentrums kommen und gemeinsam kulturelles Erbe bewahren. Denn Traditionen leben nur dann, wenn sie weitergegeben werden: durch Musik, Begegnungen und menschlichen Austausch.

Das Dorf Rodina aber blieb in der Erinnerung als ein Ort, an dem Arbeit, Geschichte, Kultur und Respekt vor dem Menschen in einem schönen Wort zusammenfinden: Heimat.

Gulmzhan Bertajewa

Übersetzung: Anton Genza

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