„Ich kannte meinen Vater nur drei Jahre …“ Zurück Veröffentlicht in 1. September 202618. September 2026 Genau diesen Satz hörte ich, als ich den Saal der Gebietsgesellschaft der ethnischen Deutschen in Nordkasachstan betrat, wo eine Gedenkbegegnung zum 85. Jahrestag der Deportation der Deutschen stattfand. Eine ältere Frau erzählte von ihrem Vater. 1953 kehrte er nach langen Jahren der Trennung von seiner Familie nach Hause zurück. Aufgrund einer Denunziation war er zum „Volksfeind“ erklärt worden, und ein großer Teil seines Lebens verlief fern von seinen Angehörigen. Seiner Tochter ließ das Schicksal nur drei Jahre an seiner Seite. Bald darauf starb der Vater. An diesem Abend waren hier Seniorinnen und Senioren der deutschen Gemeinschaft, Deutschlehrkräfte, Vertreterinnen und Vertreter der Jugend sowie eine Sprachassistentin zusammengekommen. Im Mittelpunkt aber standen die Erinnerungen. Familiengeschichten, die jahrzehntelang von Eltern an Kinder weitergegeben wurden. Die Seniorinnen und Senioren erinnerten sich an die Erzählungen ihrer Mütter und Väter, manche auch an die eigene Kindheit. Sie sprachen von Erdhütten mit eisiger Kälte, in denen sie ihr Leben von Grund auf neu beginnen mussten, von schwerer Arbeit und Armut. Auch an anderes wurde erinnert: an den Stempel der „Unzuverlässigkeit“, der den Menschen noch lange Jahre nach Kriegsende anhaftete. Manche wurden als Kinder nicht in die Pioniere aufgenommen, später nicht in den Komsomol. Die deutsche Herkunft konnte dort zu einem Hindernis werden, wo es für andere gar keines gab. Vielleicht war diese Begegnung gerade deshalb so still und bewegend. Hier erinnerte man sich nicht einfach an Ereignisse, die 85 Jahre zurückliegen. Man erinnerte sich an Eltern, Familien, an die eigene Kindheit. Manchmal mit einem Lächeln, manchmal mit Tränen, aber mit erstaunlicher Wärme gegenüber jenen, die schwere Prüfungen durchstanden, Kinder großgezogen und die Erinnerung an ihre Wurzeln bewahrt haben. Der Abend endete mit Musik. Die Sprachassistentin Klara sang gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren zur Gitarre „Echo der Liebe“ von Anna German. Das vertraute Lied klang an diesem Abend besonders ergreifend … Evgenija Schol Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: