„Maienzeit – Liebeszeit”

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Der Frühlingsfolklore der Wolgadeutschen ist eine lebendige Mischung aus alten germanischen Bräuchen und christlichen Festen. In der Regel waren Mailieder und Frühlingszeichen mit Liebe und der Hoffnung auf eine reiche Ernte verbunden.

Kurze Tanzcouplets und Mailieder gehörten zu den beliebtesten Formen, wenn man fröhlich von Hof zu Hof zog oder um den Maibaum tanzte. Im Alltag der Wolgadeutschen stand der Maibaum als Sinnbild für Leben, Liebe und Fruchtbarkeit. Man sagte dort: „Wie der Baum, so die Früchte.“

Für die Deutschen war der Maibaum eine Art Orakel des Jahreslaufs: War er hoch und kräftig, sollte die Familie gesund und der Hof wohlhabend sein. An die Spitze des Baumes hängte man nicht selten nicht nur bunte, auffällige Bänder, sondern sogar hausgemachte Würste und Süßigkeiten. Der Winter war schließlich vorbei, und vor ihnen lag ein sattes, reiches Sommerhalbjahr.

Außerdem war der Mai bei den Deutschen die Zeit der Brautwerbung. Stellte ein junger Mann eine kleine Birke unter das Fenster eines Mädchens, sagte er damit ohne viele Worte dem ganzen Dorf: „Seht her, sie gefällt mir!“ Bei aller Ausgelassenheit vergaß man aber auch das Praktische nicht. Viele Lieder klangen damals wie Bitten und Gebete an den Himmel: Der Mai möge warm werden und der Regen möglichst häufig fallen. Davon hängt die künftige Ernte ab.

„Der Maibaum verkörperte starke Lebenskraft. Traditionell musste sein Stamm vollkommen glatt und sorgfältig von der Rinde befreit sein – das symbolisierte die Reinheit menschlicher Gedanken und die Erneuerung“, erzählte Tatjana Samochwalowa, Programmleiterin der Regionalvertretung der Gesellschaftlichen Stiftung „Kasachstanische Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt““ in Balchasch. „Bei der Bastelstunde tauchten unsere jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Freude in die Kultur und die Frühlingsbräuche der Wolgadeutschen ein, lernten die verborgene Bedeutung des Maibaumschmucks kennen und fertigten mit eigenen Händen Miniaturausgaben des Maibaums an.“

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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