Ostern in Letowochny: ein alter Traktat und moderne Hasen

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Ende der 1690er Jahre beschrieb der deutsche Arzt und Botaniker Georg Franck von Franckenau in seinem außergewöhnlichen Traktat „De ovis paschalibus“ („Über Ostereier“) offiziell die Tradition, wonach der Osterhase sorgfältig Eier im Garten für Kinder versteckt.

Dieser Traktat wurde zu einem Wendepunkt in der Geschichte von Ostern und verwandelte einen volkstümlichen Aberglauben in ein allgemein anerkanntes kulturelles Phänomen. Und der langohrige Mystifikator begann seitdem seinen triumphalen Siegeszug um die Welt und verdrängte nach und nach weniger flinke Konkurrenten: den Fuchs, das Lamm, den Hahn, den Kuckuck, den Storch …

Im Dorf Letowochny im Gebiet Nordkasachstan ehrt man alte Traditionen, und dem Traktat von Georg Franck von Franckenau begegnet man dort mit besonderer Ehrfurcht und Respekt. Unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft der Deutschen des Gebiets Nordkasachstan „Wiedergeburt“ entstehen dort eigene Versionen österlicher Symbolik: Aus buntem Papier und Karton basteln Schulkinder kreatives, selbst gestaltetes Dekor rund um den legendären Hasen.

Der kreative Prozess ist untrennbar mit Bildung verbunden. Während sie Papierohren und Pfoten ausschneiden, trainieren die Kinder nicht nur ihre Feinmotorik, sondern berühren auch im wahrsten Sinne die Geschichte und lassen Bilder lebendig werden, die Franckenau vor mehr als drei Jahrhunderten beschrieben hat.

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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