Rote Mäntel, glänzende Schwerter…

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In der Luft lag etwas mehr als nur die Vorzeichen des Winters. Es war, als wären wir ins Mittelalter versetzt worden – auf die Seiten alter, epischer Romane über tapfere Ritter und Heilige. Doch nein, wir befinden uns in Petropawlowsk, das sich an den Ufern des kasachischen Ischim ausbreitet.

Unter den Gewölben der gastfreundlichen regionalen Filiale der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Nordkasachstan versammelten sich Jungen und Mädchen, um das Andenken des Heiligen zu ehren, dessen Güte und Barmherzigkeit zur Legende geworden sind. In farbenfrohen Kostümen, mit vor Begeisterung leuchtenden Augen, verwandelten sie sich voller Freude in kleine Martine. „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne!“ erklangen ihre hellen Stimmen.

Der Martinstag kam in diese graue und unruhige Welt und brachte Licht, Hoffnung und den Glauben an das Gute mit sich.

Die roten Mäntel, Symbol der Großzügigkeit des Heiligen, der einst die Hälfte seines Mantels einem frierenden Bettler schenkte, flatterten wie Flammenzungen im Wind. Die glänzenden Schwerter, zwar aus Spielzeug, aber nicht weniger edel, erinnerten an die Stärke des Geistes und die Bereitschaft, die Schwachen zu beschützen. Die Laternen, bunt bemalt, wie kleine Sonnen oder kostbare Edelsteine, erhellten den Weg nach vorn. Ein Fest, königlich würdig, begann mit einem farbenprächtigen Umzug. Danach folgte eine kleine Theateraufführung.

In alter Zeit bereiteten die Deutschen an diesem Tag besondere Leckereien zu. In ihren Häusern duftete es nach frisch gebackenem Brot, Gänsebraten und köstlichen Kuchen. Die Deutschen glaubten: Der Geist der mittelalterlichen Ritter und Heiligen, ihr Edelmut und ihre Güte, kann bis heute weiterleben und die Menschen inspirieren.

„Die Geschichte vom heiligen Martin von Tours, der als römischer Soldat die Hälfte seines Mantels abschnitt, um einen frierenden Armen zu retten, wurde an diesem wunderbaren Tag wieder lebendig. Die Emotionen der Kinder waren echt: Gemeinsam sangen sie alte deutsche Lieder und lauschten mit Begeisterung der Geschichte des Festes. Durch die farbenfrohen Kostüme, Lieder und Spiele konnten die Kinder das Erbe ihrer Vorfahren spüren“, bemerkte Elena Belik, Programmleiterin der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Nordkasachstan.

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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