WIR GEHÖREN ZUSAMMEN: Jugendliche erforschen russlanddeutsche Identität Zurück Veröffentlicht in 9. September 2026 Vom 24. bis 30. August besuchten Teilnehmende des Klubs der deutschen Jugend „Diamant“ aus Astana Düsseldorf im Rahmen des internationalen Partnerprojekts „WIR GEHÖREN ZUSAMMEN: Jugendforschung zur russlanddeutschen Identität in Deutschland und Kasachstan“, das gemeinsam mit dem JSDR NRW e. V. umgesetzt wird. Das Projekt bringt Jugendliche deutscher Herkunft aus Kasachstan und Deutschland zusammen und lädt sie dazu ein, gemeinsam zu erforschen, was russlanddeutsche Identität heute bedeutet, welchen Platz sie im Leben junger Menschen einnimmt und wie sich Vorstellungen von Kultur, Herkunft und Zugehörigkeit in der modernen Welt verändern. Hauptziel des Projekts ist es, die heutige Bedeutung russlanddeutscher Identität für junge Menschen in beiden Ländern sichtbar zu machen und auf Grundlage der gewonnenen Erfahrungen neue Ansätze für die internationale Jugendarbeit zu entwickeln. Zugleich stärken die Teilnehmenden ihre interkulturelle Kompetenz, lernen, in einem internationalen Team zu arbeiten, erwerben Forschungs- und Kommunikationsfähigkeiten und setzen sich in einem deutschsprachigen Umfeld vertieft mit der Kultur der Deutschen aus Russland auseinander. Die Arbeit am Projekt begann bereits Anfang 2026. In der ersten Phase nahmen die Teilnehmenden an drei Online-Workshops teil, die Fragen von Identität, qualitativer Jugendforschung, ethnischer Herkunft und Zugehörigkeit gewidmet waren. Gemeinsam entwickelten sie die Struktur der Interviews und bildeten internationale Teams, die die Forschung anschließend im Präsenzformat fortsetzen sollten. Zum Team Kasachstan gehörten Junna Kinerejsh, Anastasia Kirejeva, Sofia Ross, Sofia Zitterkopf und Milana Schiller. Das Präsenztreffen in Düsseldorf wurde zu einer wichtigen Etappe des Projekts. Die Teilnehmenden trafen Gleichaltrige aus Deutschland, tauschten Erfahrungen und Sichtweisen aus, lernten die Jugendarbeit vor Ort kennen und setzten ihre Forschungsarbeit fort. Einer der Schwerpunkte war die Durchführung von Interviews mit jungen Menschen. Die Gespräche drehten sich um Familiengeschichte, die Verbindung zur deutschen Kultur, Sprache, Herkunft und das persönliche Verständnis der eigenen Identität. Besonders wichtig war die Möglichkeit zu sehen, wie unterschiedlich sich die Verbindung zu Kultur und Geschichte je nach Lebenserfahrung eines Menschen zeigen kann. Deshalb wurden die Interviews nicht nur zu einem Forschungsinstrument, sondern auch zu einem Raum für offenen Dialog und den Austausch persönlicher Geschichten. Im Rahmen der Reise besuchten die Teilnehmenden außerdem eine Veranstaltung zum 28. August, dem Tag des Gedenkens an die Opfer der Deportation. Dort sahen sie den Film „SCHÖN IST DIE JUGEND“, der im Interviewformat entstanden ist. Für die Teilnehmenden des Projekts war diese Erfahrung besonders wertvoll, weil sie zeigte, wie persönliche Geschichten die Erinnerung der Generationen bewahren und Teil eines heutigen gesellschaftlichen Gesprächs werden können. Eine weitere wichtige Begegnung war das Treffen mit Heinrich Zertik, einem aus Kasachstan stammenden Russlanddeutschen, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, politisch tätig ist und sich für die Belange der hier lebenden Deutschen aus Russland einsetzt. Seine Geschichte wurde zu einem weiteren Beispiel dafür, wie ein Mensch die Verbindung zu seiner Herkunft und Kultur bewahren kann, auch wenn er in einem anderen sprachlichen und sozialen Umfeld lebt. Doch das Projekt endet damit nicht. Nach ihrer Rückkehr nach Kasachstan setzen die Teilnehmenden die Forschung fort und führen Interviews mit Jugendlichen in Astana. Die in beiden Ländern gesammelten Materialien werden analysiert und zu einem gemeinsamen kreativen Produkt zusammengeführt. Das Ergebnis des Projekts wird ein zweisprachiger Kurzfilm im Interviewformat sein, der auf realen Geschichten und Aussagen junger Menschen aus Kasachstan und Deutschland basiert. Der Film wird in beiden Ländern vorgestellt und online veröffentlicht. „WIR GEHÖREN ZUSAMMEN“ ist nicht nur ein Projekt zur Erforschung von Identität. Es ist eine Möglichkeit für junge Menschen aus zwei Ländern, einander zu begegnen, einander zuzuhören und gemeinsam Antworten auf Fragen nach Kultur, Herkunft, Familienerinnerung und Zugehörigkeit zu finden. Die fünf Teilnehmenden aus Astana kehrten nicht nur mit neuem Forschungsmaterial aus Deutschland zurück, sondern auch mit Erfahrungen internationaler Zusammenarbeit, neuen Begegnungen und dem Verständnis, dass eine gemeinsame Geschichte zur Grundlage neuer Verbindungen und gemeinsamer Projekte werden kann. Анастасия Киреева Поделиться ссылкой: