Wolgadeutsche Maibaum-Traditionen Zurück Veröffentlicht in 17. April 2026 Die Traditionen rund um das Aufstellen eines Maibaums im Wolgagebiet hatten eigene Besonderheiten und unterschieden sich von den klassischen bayerischen Bräuchen. Bei den Wolgadeutschen war dieser Brauch oft mit dem Kirchenkalender verbunden, insbesondere mit Pfingsten. Statt der klassischen hohen Fichte verwendete man meist eine Birke oder einen hohen Holzpfahl mit einem Bündel Zweige an der Spitze. Die Stämme wurden von der Rinde befreit, manchmal weiß, blau oder rot gestrichen, und die Krone mit Bändern, Kränzen, Tüchern und sogar Lebensmitteln als Symbol des zukünftigen Wohlstands geschmückt. Den Maibaum grub man auf dem Platz vor der Kirche, der Schule oder den Häusern angesehener Einwohner ein. Rund um den Frühlingsbaum veranstaltete man Volksfeste und Wettbewerbe. Eine beliebte Unterhaltung war das Hochklettern am Stamm, um Preise zu gewinnen. Festlich geschmückte Birken stellte man auch in den Höfen der Geliebten auf: Die Jungen errichteten einen Maibaum, um den Mädchen öffentlich ihre Zuneigung zu zeigen. Wie in Deutschland gab es auch an der Wolga die „freche“ Tradition, den Maibaum zu stehlen. Jungen aus Nachbardörfern versuchten, ihn vor der offiziellen Aufstellung zu klauen – unbemerkt. Wenn das gelang, musste man den Maibaum mit Bewirtung „auslösen“. Der Frühlings- und Sommerzyklus der Wolgadeutschen war reich an Bräuchen, die tiefe Religiosität mit alten agrarischen Glaubensvorstellungen verbanden, sagt Tatjana Samokhwalowa, Programmleiterin der regionalen Vertretung der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ in Balqasch. – Beim Treffen des Seniorenclubs berichtete dessen Leiterin Olga Patanina über die Traditionen deutscher Frühlings- und Sommerfeste. Besonderes Augenmerk galt dem Maibaum als Symbol der Wunscherfüllung. Der Abend endete sehr warm: Bei einer Tasse Tee schrieb jede und jeder seine Wünsche an sich selbst oder an die geliebte Gesellschaft auf und befestigte sie an einem improvisierten Baum. Marina Angaldt Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: