Wer bemalte den Maibaum, als Napoleon kam?

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Unter dem strengen Einfluss der Aufklärung und kirchlicher Verbote drohte die Tradition des Maibaumaufstellens im Süddeutschland des 18. Jahrhunderts als ‚heidnischer Aberglaube‘ zu verschwinden. Anfang des 19. Jahrhunderts belebte sie jedoch ausgerechnet Napoleon Bonaparte wieder.

Er zeichnete die Landkarte Europas neu, schuf das Königreich Bayern, und die neuen bayerischen Behörden erlaubten dem Volk offiziell, den Maibaum als Symbol der gewonnenen Freiheit aufzustellen.

Zwei Jahrhunderte später lebt diese schöne Tradition sogar in Kasachstan weiter. Inspiriert von der Geschichte über Napoleon, gestalteten die jungen Künstlerinnen und Künstler des Begegnungszentrums im Dorf Rosowka im Gebiet Pawlodar einen traditionellen Maibaum aus Pappmaché. Geleitet wurde der kulturgeschichtliche Workshop von Alexandra Kaupina.

Bemerkenswert ist, dass auf dem Stamm des Maibaums in Süddeutschland häufig spiralförmige Linien dargestellt werden. Ihre Richtung folgt einer strengen historischen Regel: Sie muss von unten nach oben und von links nach rechts verlaufen. Wird der Baum falsch bemalt, gilt das als schlechter Stil, als schlechtes Omen, und als Anlass zum Verdacht, dass die Maler bei der Arbeit betrunken waren.

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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