Ein neuer Raum zur Bewahrung von Kultur und Sprache Zurück Veröffentlicht in 20. Mai 2026 Die Gesellschaft der Deutschen der Stadt Astana empfing eine Delegation aus Deutschland unter Leitung des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, sowie des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Yevgeniy Bolgert. Für die Gäste wurde eine ausführliche Führung durch das neue Gebäude der Gesellschaft organisiert. Dabei wurden ihnen die Projekte, Bildungsprogramme und kulturellen Initiativen vorgestellt, die die deutsche Gemeinschaft der Hauptstadt heute umsetzt. Empfangen wurde die Delegation vom Vorsitzenden Alexander Keil und der Organisatorin für ethnokulturelle Arbeit, Elvira Minor. Für die Gesellschaft war dieser Besuch etwas Besonderes: Die deutsche Delegation war die erste offizielle Gästegruppe, die die neuen Räumlichkeiten des Zentrums besichtigte. Die Gesellschaft mietet das neue Gebäude seit November 2025. Fast drei Jahrzehnte lang war die Organisation in den Räumlichkeiten des deutschen Gymnasiums untergebracht. Nach der Erweiterung der Klassen musste die Gesellschaft jedoch einen neuen Standort suchen. Heute ist das vierstöckige Gebäude mit einer Fläche von mehr als 600 Quadratmetern zu einem vollwertigen Zentrum des kulturellen, bildungsbezogenen und gesellschaftlichen Lebens der Deutschen in Astana geworden. Während der Führung zeigten die Gastgeber den Gästen die Büros der Koordinatorinnen und Koordinatoren, die Sprachklassen, die Bildungsbereiche für Kinder sowie den Veranstaltungssaal, in dem Konzerte, Theateraufführungen und Begegnungen stattfinden. Besondere Aufmerksamkeit widmete die Delegation der Museumsausstellung, die dank der Familien der Gesellschaft nach und nach erweitert wird. Zu sehen sind Alltagsgegenstände, Familienarchive, Fotografien sowie Materialien zur Geschichte des Deutschen Kasachstans. Vertreter der Gesellschaft erklärten, dass künftig ein moderner Museumsbereich entstehen soll. Ein besonders eindrucksvoller Programmpunkt war der Besuch der Ausstellung „Wiedergeburt“, die gemeinsam mit dem Künstlerverband organisiert wurde. Das Projekt vereinte Fotokünstlerinnen und Fotokünstler aus verschiedenen GUS-Staaten, die zeitgenössische Fotoarbeiten schufen, inspiriert von Werken klassischer deutscher Maler. Unter den Exponaten waren auch Arbeiten von Autorinnen und Autoren aus dem Gebiet Aqmola zu sehen. Der Delegation wurde außerdem die Arbeit der Gesundheitsgruppe und des Seniorenensembles „Späte Blumen“ vorgestellt. In der Gesellschaft ist man überzeugt, dass Aktivität, Kreativität und regelmäßiger Austausch älteren Menschen helfen, ihre Lebensenergie zu bewahren und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Die Gruppe wird von Svetlana Rutz geleitet, die Elemente der Musik- und Rhythmustherapie einsetzt. Die musikalische Leitung des Ensembles liegt beim Opernsolisten Nikolai Tumaschewitsch. Ein weiterer Teil der Führung galt dem Kinderbereich und dem Sprachprogramm. Der Delegation wurde die Arbeit des Vorschulbildungszentrums „Wunderkind“ und der Sonntagsschule vorgestellt. Seit 14 Jahren lernen Kinder hier ab vier Jahren Deutsch. Im Laufe der Jahre ist das Projekt zu einem wichtigen Bestandteil des Sprachbildungssystems der Gesellschaft geworden. Viele Absolventinnen und Absolventen setzen ihr Deutschlernen fort, bestehen internationale Prüfungen auf dem Niveau C1 erfolgreich und beginnen ein Studium. Ein Symbol dieser Kontinuität ist der „Baum des Lebens“, auf dem jede Absolventin und jeder Absolvent einen Fingerabdruck hinterlässt. Besonders interessiert zeigten sich die Gäste am Kreativraum, in dem Kindern traditionelle deutsche Handwerke vermittelt werden. Die Leiterin des Bereichs, Tatjana Gussak, unterrichtet nicht nur dekorative Kunst, sondern macht die Kinder auch mit Elementen der deutschen Kultur und Geschichte vertraut. Eine der ungewöhnlichen Initiativen des Projekts ist eine gestickte Karte Kasachstans und Deutschlands, an deren Entstehung sich auch die Gäste mit Freude beteiligten. Während der Führung besuchte die Delegation zudem Deutschkurse. In der Gesellschaft arbeiten heute 14 Lehrkräfte, die sich regelmäßig fortbilden und an Sprachprojekten sowie an den Tagen der deutschen Sprache teilnehmen. Besonderes Augenmerk gilt der Gewinnung junger Fachkräfte. Eine Unterrichtseinheit zur Landeskunde wurde von einer jungen Lehrerin und Masterstudentin der Sprachwissenschaft für die Gäste durchgeführt. Den Abschluss des Kulturprogramms bildete die Theateraufführung „Der Weg des Volkes“, vorbereitet vom Theater des Clubs der deutschen Jugend. Im vergangenen Jahr feierte das Ensemble sein 15-jähriges Bestehen und erhielt beim letzten Festival in Almaty den ersten Platz in der Kategorie „Beste deutsche Sprache“. Die Inszenierung unter der Leitung des Regisseurs Igor Petrowitsch Liskow erzählte vom Schicksal und den Traditionen der Wolgadeutschen und verband Volkslieder, Elemente historischer Erinnerung und eine zeitgenössische Deutung der Kultur. Im Hof des neuen Zentrums wurde den Gästen außerdem das Projekt der sommerlichen Sprachplattform vorgestellt. In diesem Jahr werden rund 100 Kinder am Programm teilnehmen — die höchste Teilnehmerzahl seit Bestehen des Projekts. Der Besuch der Delegation bot die Gelegenheit, zu zeigen, wie sich die deutsche Gemeinschaft in Astana heute entwickelt, welche Projekte zur Bewahrung von Sprache und Kultur beitragen und welche wichtige Rolle dabei die Beteiligung der Familien, der Jugend und der älteren Generation spielt. Олеся Клименко Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: