Maibaum-Traditionen in Schesqasghan

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In der Regionalvertretung der Deutschen „Wiedergeburt“ in Schesqasghan fand eine lehrreiche und kreative Veranstaltung statt, die einer der farbenreichsten und eigenständigsten Traditionen der deutschen Kultur gewidmet war: dem Aufstellen des Maibaums.

Zu Beginn tauchten die Kinder in die Geschichte dieser Tradition ein. Sie erfuhren, wie der Brauch entstanden ist und welche Bedeutung er im Leben der Deutschen hatte. Besonders spannend fanden sie den alten Brauch des „Maibaumstehlens“: Bewohner eines Dorfes konnten den Maibaum der Nachbarn entwenden und ihn erst gegen eine Bewirtung und eine freundschaftliche Versöhnung zurückgeben. Dieses Spiel voller Humor und Wettbewerbsgeist stärkte einst die Beziehungen zwischen den benachbarten Dörfern.

Nicht weniger interessant war die Tradition, die mit dem Werben eines jungen Mannes um ein Mädchen verbunden war. Die Kinder besprachen mit großem Interesse, wie der Maibaum als Zeichen der Zuneigung und sogar der Brautwerbung dienen konnte: Auf diese Weise machte ein junger Mann deutlich, dass seine Absichten ernst waren, und später konnte ein offizieller Besuch der Brautwerber folgen. Als „Mai“, also als Zeichen der Aufmerksamkeit, wurden häufig nicht nur geschmückte Bäume, sondern auch grüne Zweige oder Sträuße mit Frühlingsblumen verwendet. Sie standen für Leben, Erneuerung und aufrichtige Gefühle. In der Volkskultur gab es zudem symbolische Handlungen und Gegenstände, mit denen man auf ein solches Zeichen reagieren konnte. Solche Details halfen den Kindern, die kulturellen Bedeutungen und Werte hinter den Bräuchen besser zu verstehen.

Im Anschluss sahen sich die Teilnehmenden Videos zu heutigen Maibaumfesten in Deutschland an. Sie erfuhren, wie der Maibaum heute geschmückt und aufgestellt wird, hörten traditionelle Kinderlieder und sprachen darüber, welche Elemente bis heute erhalten geblieben sind. Besonders faszinierte sie der Brauch, Wünsche zu äußern und bunte Bänder an den Baum zu binden.

Im praktischen Teil konnten sich die Kinder selbst wie Teil eines echten Festes fühlen. Sie gestalteten ihren eigenen Maibaum: Als Grundlage diente weiches Holz, aus dem zuvor kleine Scheiben vorbereitet worden waren. Die Kinder wählten selbst bunte Bänder aus, probierten verschiedene Längen und Anordnungen aus und schufen so helle, individuelle Kompositionen. Den Abschluss bildete das symbolische „Aufstellen“ des Baums. Anstelle von Erde wurde eine lufttrocknende Knetmasse verwendet, mit der sich die Konstruktion sicher befestigen ließ. Dieses spielerische Element weckte besonderes Interesse und half dabei, die Atmosphäre eines echten Brauchs nachzuempfinden.

Die Kinder erweiterten ihren Horizont, entwickelten ein stärkeres Bewusstsein für kulturelle Vielfalt und erlebten Traditionen als lebendige Verbindung zwischen den Generationen.

Maria Gorbatschowa

Übersetzung: Anton Genza

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