„Bei Großeltern zu Besuch“: Wie Kinder in Schachtinsk Deutsch durch Familientraditionen lernten

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Sommer bei den Großeltern auf dem Dorf. Familiengeschichten, alte Fotos im Familienalbum, Märchen vor dem Schlafengehen und das Gefühl echter häuslicher Geborgenheit. Für die Kinder aus Schachtinsk wurden genau so diese Ferien, ohne die Stadt zu verlassen. Seit dem 15. Juni fand zehn Tage lang in der Gebietsgesellschaft „Deutsches Zentrum „Wiedergeburt“ in Karaganda das Projekt Kindersprachtagesstätte „Bei Großeltern zu Besuch“ statt, das die Sprachplattform in ein echtes Zuhause einer deutschen Familie verwandelte. Hier lernten die Kinder nicht einfach Deutsch. Sie erlebten eine kleine Geschichte, in der jeder Tag zu einem neuen Kapitel der Sommerferien bei Oma und Opa wurde.

Die wichtigste Besonderheit des Projekts war die vollständige sprachliche und kulturelle Immersion. Alle Unterrichtseinheiten waren durch eine gemeinsame Geschichte verbunden: „Bei Großeltern zu Besuch“. Dieses Format ermöglichte es den Kindern, Deutsch nicht über den gewohnten Unterricht zu lernen, sondern durch Spiel, Kreativität, Austausch und gemeinsame Entdeckungen.

„Unsere Aufgabe war es nicht einfach, den Kindern Wörter und Grammatik beizubringen, sondern einen Raum zu schaffen, in dem die deutsche Sprache Teil des Lebens wird. Wenn ein Kind in der Sprache spielt, kreativ ist und kommuniziert, beginnt es, sie als lebendig und natürlich wahrzunehmen“, betont Natalja Galiakberowa, Leiterin des Bildungsprogramms des Projekts.

In diesen zehn Tagen wurde die Sprachplattform für die Kinder zu einem zweiten Zuhause und die Schule zu einem Raum für Entdeckungen. Bei der Foto-Schnitzeljagd „Mein Schulhof mit deutschen Augen“ erforschten die Teilnehmenden jeden Winkel des Schulhofs: Sie suchten ungewöhnliche Perspektiven, zählten Fenster, Laternen und Bänke, lernten, die Schönheit vertrauter Orte wahrzunehmen, und beschrieben ihre Beobachtungen auf Deutsch. Jetzt wissen sie ganz genau, wo sich der beste Ort für ein Foto befindet. Das Bildungsprogramm leitete die erfahrene Deutschlehrerin Natalja Galiakberowa, das abwechslungsreiche Abendprogramm bereitete die Organisatorin Aljona Abdrakhmanowa vor. Dank der großen Erfahrung des Teams in Sprachprojekten gelang es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Kinder mit Freude Deutsch sprachen, spielten, kreativ waren und miteinander kommunizierten.

Einen besonderen Platz im Programm nahmen die Einheiten des Workshops „Meine fünf Sinne“ ein. Die Teilnehmenden errieten mit geschlossenen Augen Gegenstände anhand von Geruch, Geschmack und Berührung und entwickelten dabei zugleich sprachliche und sensorische Fähigkeiten. Während des Workshops „Feste der ethnischen Deutschen Kasachstans“ lernten die Kinder die Traditionen der ethnischen Deutschen Kasachstans kennen, beschäftigten sich mit der Symbolik der Feste, gestalteten thematische Attribute und dachten über die Bedeutung des kulturellen Erbes nach.

Besonders wichtig ist, dass Kinder unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Deutschniveau am Projekt teilnahmen. Für einige begann die Bekanntschaft mit der deutschen Sprache genau hier. Doch schon nach wenigen Tagen verwendeten die Kinder neue Wörter und Ausdrücke sicher, beteiligten sich aktiv an Aufführungen, Meisterkursen und Teamspielen. Für viele wurde das Projekt zum ersten Schritt für das weitere Erlernen der deutschen Sprache.

Das wichtigste Ergebnis des Projekts spiegeln die Eindrücke der Eltern am besten wider.

„Ein riesiges Dankeschön, Natalja Galiakberowa, für diese unglaubliche Saison! Die Jugendlichen sind von den Deutschstunden völlig begeistert. Es ist Ihnen gelungen, das Lernen in ein spannendes Spiel zu verwandeln und bei den Kindern Interesse an der Sprache zu wecken. Ein besonderes Dankeschön für Ihre Geduld, Ihr Feingefühl und Ihre positive Energie“, teilte Vera Sugak, Mutter von Projektteilnehmern, mit.

Das Projekt bestätigte erneut: Eine Sprache wird näher, wenn sie mit lebendigen Emotionen, Familienwerten und Kultur verbunden ist. Manchmal reicht es dafür tatsächlich, bei Oma und Opa „zu Besuch“ zu kommen, und sei es nur für zehn Tage. Denn die wichtigsten Dinge, Familie, Muttersprache, Traditionen und das Gedächtnis der Generationen, entstehen dort, wo es für Kinder interessant, warm und wirklich gemütlich ist.

Gulmzhan Bertajewa

Übersetzung: Anton Genza

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