Der „Kaffee-Lifehack“ der Wolgadeutschen

Zurück

Als die Deutschen im 18. Jahrhundert ins Wolgagebiet übersiedelten, waren sie bereits leidenschaftliche Kaffeetrinker. Echte Kaffeebohnen zu bekommen, kostete damals jedoch astronomische Summen. Für einfache Bauern war das schlicht unerschwinglich.

Da erfanden die Deutschen eine geniale Alternative: Sie rösteten Gerste, Weizen, Hafer und Roggen gründlich in der Pfanne und mahlten sie anschließend. Vom Aussehen und auch vom Geruch her kam das dem ersehnten Kaffee erstaunlich nahe. Das Getränk erhielt den Namen „Prips“. Man trank es jeden Morgen mit Milch, Sahne und Gebäck: Der Geldbeutel blieb geschont, und das geliebte morgendliche Ritual wurde trotzdem eingehalten.

„Das Rezept für den Kaffee ‚Prips‘ wird in unserer Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Meine Eltern rösteten vor allem Hafer und Gerste. Danach wurde der Kaffee gemahlen, Zichorie, Milch, ein wenig Zucker und Salz für den Geschmack kamen dazu“, sagt Eleonora Ponomarjowa-Dornes, Leiterin des Kreises für deutsche Küche in der Stadt Aqsu bei der Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ in Pawlodar. „Ich erinnere mich, wie meine Mutter uns in der Kindheit morgens vor der Schule immer Kaffee kochte. Genau zu jener Zeit begann man in den Geschäften ähnlichen Getreidekaffee in Packungen zu verkaufen, und zwar in zwei Varianten: mit Zichorie oder ohne. Sein Aroma ist sehr angenehm! Bis heute trinke ich den Kaffee ‚Prips‘ mit Freude. Er erfrischt wunderbar und schadet dem Körper zugleich überhaupt nicht in der Sommerhitze.“

Kaffee aus Getreide und Zichorie schützt gut vor Austrocknung, denn er enthält kein Koffein. „Prips“ hat keine harntreibende Wirkung und hält Flüssigkeit im Körper, belastet das Herz nicht, erhöht den Blutdruck nicht, beschleunigt den Puls nicht und gleicht den Verlust von Mineralstoffen aus.

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

Поделиться ссылкой:

x