Ein Dialog, der Zukunft gestaltet

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In Taschkent fand die 15. Sitzung der usbekisch-deutschen Regierungskommission für die Angelegenheiten der in Usbekistan lebenden ethnischen Deutschen statt. Im Mittelpunkt standen das Unterstützungsprogramm für die Deutschen des Landes, die Weiterentwicklung der ethnokulturellen Arbeit sowie die weitere Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Den gemeinsamen Vorsitz führten der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, und der Vorsitzende des Komitees für interethnische Beziehungen und Angelegenheiten der Landsleute im Ausland, Kahraman Sarijew.

Solche Treffen sind nicht nur ein Forum, auf dem konkrete Projekte und Fragen der finanziellen Unterstützung erörtert werden. Hinter jeder Sitzung der Kommission steht eine umfassendere Frage: Wie kann die Identität der deutschen Gemeinschaft bewahrt, können Bedingungen für ihre weitere Entwicklung geschaffen und zugleich die Beziehungen zwischen Usbekistan und Deutschland vertieft werden? Die hochrangige Zusammensetzung der Delegationen auf beiden Seiten ermöglichte es daher, nicht nur aktuelle Fragen zu besprechen, sondern auch Perspektiven für eine langfristige Zusammenarbeit auszuloten.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Bereichen Bildung, deutsche Sprache, Jugendarbeit und der Weitergabe des kulturellen Erbes von einer Generation an die nächste. Diese Themen werden maßgeblich darüber entscheiden, wie die deutsche Gemeinschaft Usbekistans in zehn, zwanzig oder noch mehr Jahren aussehen wird.

Die deutsche Sprache verbindet

In seinem Beitrag betonte Ruslanbek Dawletow, Berater des Präsidenten der Republik Usbekistan, Schawkat Mirsijojew, das hohe Maß an Vertrauen zwischen Usbekistan und Deutschland, das auf gegenseitigem Respekt und einer für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit beruht. Besonderes Augenmerk legte er auf die Bedeutung der deutschen Sprache im heutigen Usbekistan.

Derzeit wird an 980 Schulen des Landes Deutsch unterrichtet. Mehr als 3.000 Lehrkräfte vermitteln die Sprache. Diese Zahlen sprechen für sich: Das Interesse an Deutsch reicht weit über die deutsche Volksgruppe hinaus. Für viele Menschen in Usbekistan ist die deutsche Sprache Teil ihrer Bildungsbiografie und eröffnet Möglichkeiten für eine weitere Ausbildung sowie für berufliche, akademische und kulturelle Kontakte mit Deutschland.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Pflege der deutschen Sprache innerhalb der ethnisch deutschen Gemeinschaft zusätzliche Bedeutung. Sprache ist nicht nur ein Bestandteil des kulturellen Erbes, sondern auch ein lebendiges Mittel der Kommunikation, Bildung und internationalen Verständigung.

Die Teilnehmer der Sitzung verwiesen zugleich auf die Atmosphäre des interethnischen und interreligiösen Miteinanders, die das heutige Usbekistan prägt. Die Regierung des Landes begegnet den verschiedenen ethnischen Gruppen mit Respekt und schafft Bedingungen dafür, dass sie ihre kulturellen Traditionen und ihre Eigenständigkeit bewahren können.

Für die deutsche Gemeinschaft ist dies von besonderer Bedeutung. Die Möglichkeit, Kultur, Sprache und Traditionen offen zu pflegen, trägt dazu bei, dass ethnische Identität nicht lediglich ein Teil der Familiengeschichte bleibt, sondern auch im heutigen Alltag ihren Platz behält.

Wenn eine Gemeinschaft nach vorn blickt

Die Bedeutung der Arbeit der Regierungskommission hob Dr. Bernd Fabritius hervor. Seinen Worten zufolge ist die Abwanderung ethnischer Deutscher aus Usbekistan inzwischen zum Stillstand gekommen, und die Zahl der Deutschen im Land ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben.

Hinter dieser Entwicklung steht eine kontinuierliche Arbeit sowohl des Staates als auch des Kulturzentrums der Deutschen Usbekistans. Die Organisation setzt Projekte in unterschiedlichen Bereichen um und versucht dabei, auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Gemeinschaft einzugehen. Während es in früheren Jahren vor allem darum ging, die Organisation und ihre Strukturen zu erhalten, richtet sich der Blick heute zunehmend auf die Qualität und langfristige Perspektive dieser Arbeit.

Ein wichtiges Ereignis der vergangenen Jahre war die Eröffnung des Deutschen Hauses in Taschkent im September 2024 mit Unterstützung der Bundesregierung Deutschlands. Wie Dr. Bernd Fabritius betonte, richtet sich das Deutsche Haus nicht ausschließlich an die ethnischen Deutschen Usbekistans. Es steht allen offen, die sich für die deutsche Sprache, Kultur und Geschichte interessieren.

Dieser Ansatz erweitert auch das Verständnis eines Kulturzentrums. Es wird zu einem Ort der Begegnung für Menschen unterschiedlicher Generationen und Interessen, zu einer Plattform für Bildungsinitiativen, kulturelle Veranstaltungen und internationalen Austausch.

Eine Investition in die nächste Generation

Eine der zentralen Fragen der Sitzung lautete: Wie kann sichergestellt werden, dass die heutige Arbeit auch morgen fortgesetzt wird?

Dr. Franсa Fülle, Leiterin des Referats HI7 im Bundesministerium des Innern, das seit Jahrzehnten das Unterstützungsprogramm für die deutsche Minderheit in den Staaten Zentralasiens umsetzt, stellte ausführlich die Schwerpunkte der Förderung von Projekten in Usbekistan vor.

Besondere Aufmerksamkeit widmete sie der Jugendarbeit und Projekten zur Förderung des Generationendialogs. Gerade hier wird heute die Zukunft der deutschen Gemeinschaft gestaltet. Für junge Menschen ist es wichtig, nicht nur die Geschichte ihrer Vorfahren zu kennen, sondern auch zu verstehen, welchen Platz die deutsche Kultur in ihrem eigenen Leben einnehmen kann.

Deshalb geht moderne Jugendarbeit weit über die Durchführung einzelner Veranstaltungen hinaus. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen eigene Ideen entwickeln, Verantwortung übernehmen, organisatorische Erfahrungen sammeln, die deutsche Sprache erlernen, die Kultur ihrer Vorfahren kennenlernen und zugleich Freunde und Gleichgesinnte finden können.

Ein solcher Ansatz trägt dazu bei, Schritt für Schritt eine neue Generation von Aktiven aufzubauen, die künftig Verantwortung für die Entwicklung der deutschen Organisationen übernehmen und die heute begonnene Arbeit fortführen können.

Projekte, die Menschen erreichen

Die Vorsitzende des Kulturzentrums der Deutschen Usbekistans, Jelena Mironowa, betonte, dass es in den 30 Jahren des Bestehens der Organisation noch nie eine solche Vielfalt an Projekten gegeben habe – und vor allem noch nie so viele Angebote, die tatsächlich auf eine konkrete Nachfrage innerhalb der Gemeinschaft treffen.

Darin zeigt sich auch eine Veränderung in der Arbeit des Zentrums selbst. Die heutige deutsche Gemeinschaft braucht nicht nur Möglichkeiten zur Bewahrung ihrer Traditionen, sondern auch neue Formen der Begegnung, Bildung und persönlichen Entfaltung.

Zu den Prioritäten zählte Jelena Mironowa die Jugendarbeit und die Förderung der deutschen Sprache. Gleichzeitig nimmt die internationale Partnerschaft einen wichtigen Platz ein. Seit vielen Jahren pflegt das Kulturzentrum der Deutschen Usbekistans Kontakte zu Selbstorganisationen der Deutschen in anderen Ländern, insbesondere auch in Zentralasien.

Solche Verbindungen ermöglichen einen Erfahrungsaustausch, gemeinsame Initiativen und einen Blick über die eigenen organisatorischen Grenzen hinaus. Für eine Gemeinschaft, deren Größe vergleichsweise begrenzt ist, kann internationale Zusammenarbeit zu einer wichtigen Ressource für ihre weitere Entwicklung werden.

„Jugendstern“: Die junge Generation gestaltet mit

Über die konkreten Pläne für die Weiterentwicklung des Netzwerks der Jugendklubs „Jugendstern“ berichtete dessen Leiterin Vitalia Lorer.

Die Jugendarbeit findet derzeit in vier Städten statt – Taschkent, Fergana, Buchara und Samarkand. Dabei engagieren sich die jungen Menschen nicht nur innerhalb der deutschen Gemeinschaft, sondern auch im gesellschaftlichen Leben ihrer Städte.

„Die Jugendarbeit findet in vier Städten statt – Taschkent, Fergana, Buchara und Samarkand. Die Jugendlichen engagieren sich aktiv sowohl innerhalb der deutschen Gemeinschaft als auch darüber hinaus. Zu unseren Schwerpunkten gehören die Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes der Wolgadeutschen, Bildungs- und Aufklärungsprogramme, die Entwicklung der Jugendbewegung und der internationalen Zusammenarbeit sowie die Gewinnung neuer Aktiver“, erklärte Vitalia Lorer.

Gerade der letztgenannte Punkt – die Gewinnung neuer Aktiver – ist von besonderer Bedeutung. Eine gesellschaftliche Organisation kann langfristig nur dann bestehen, wenn nach und nach eine neue Generation von Menschen hinzukommt, die nicht nur an Veranstaltungen teilnimmt, sondern bereit ist, selbst Verantwortung zu übernehmen und eigene Initiativen zu entwickeln.

Für die deutsche Jugend Usbekistans bedeutet dies zugleich die Möglichkeit, die Inhalte ihrer Arbeit selbst mitzugestalten. Geschichte und Kultur bilden dabei den Ausgangspunkt, müssen aber keine Grenzen setzen. Im Gegenteil: Sie können den Zugang zu modernen Bildungs-, Kultur- und internationalen Projekten eröffnen.

Von Vereinbarungen zu konkreten Schritten

Die Arbeit der Regierungskommission endete mit der Unterzeichnung eines Kommuniqués. Darin wurden gemeinsame Ansätze für die weitere Unterstützung der deutschen Gemeinschaft Usbekistans und die Stärkung ihrer ethnokulturellen Identität festgehalten.

Der Wert solcher Treffen liegt jedoch nicht allein im abschließenden Dokument. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, dass Vertreter beider Länder am Verhandlungstisch offen über die Bedürfnisse der Gemeinschaft sprechen, aktuelle Herausforderungen benennen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Die deutsche Gemeinschaft Usbekistans steht heute vor einer neuen Etappe. Es geht längst nicht mehr ausschließlich um Bewahrung. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Weiterentwicklung: Die deutsche Sprache soll lebendig bleiben, kulturelle Traditionen sollen an Kinder und Enkel weitergegeben werden, junge Menschen sollen ihren Platz im gesellschaftlichen Leben finden und die Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und Deutschland soll neue Formen annehmen.

Die 15. Sitzung der Regierungskommission hat gezeigt, dass die Grundlage für diesen Dialog geschaffen ist. Nun kommt es darauf an, die getroffenen Vereinbarungen konsequent in konkrete Projekte und Initiativen zu überführen.

Für die deutsche Gemeinschaft bedeutet dies die Möglichkeit, mit größerer Zuversicht in die Zukunft zu blicken – die Erinnerung an die Vergangenheit zu bewahren und zugleich neue Seiten ihrer Geschichte zu schreiben.

Olesja Klimenko

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