Ostersprüche: österliche Reime der Wolgadeutschen

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In der Folklore der Wolgadeutschen hatten die österlichen Sprüche oft einen praktischen Sinn: Sie dienten als verstecktes Signal an die Hausfrauen, dass es Zeit sei, die Vorratskammern zu öffnen.

Die Wurzeln der Vorfahren und das Kolorit des Lebens in den Kolonien an der Wolga verflochten sich harmonisch in der Osterbrauchtumspflege der Wolgadeutschen. Eine der auffälligsten Traditionen war die eigentümlichen Rundgänge durch die Nachbarhäuser – die Kinder veranstalteten mit Begeisterung eigenwillige Rituale mit Gesängen und Dialogen. Beim Betreten des Hauses erkundigten sich die Kinder hoffnungsvoll nach dem ersehnten Geschenk vom Osterhasen: „Guten Morgen, Frau … (Name), hat der Has’ schon gelegt?“ – „Guten Morgen, Tantchen, hat der Hase schon Eier gelegt?“.

Wenn die Hausfrau bejahend antwortete, hielt das Kind stolz sein Körbchen oder seine zusammengerollte Mütze hin. Nach dem Erhalt eines gefärbten Eies gehörte es sich, der Geberin höflich mit einem kurzen Reim zu danken: „Ich danke dir für das Ei, Gott segne dich dabei!“ Dieser Brauch wurde „Ostereier-Singen“ genannt. An einem Tag konnten die flinken und kecken Kinder Dutzende bunter Eier und so manche hausgemachte Süßigkeit zusammentragen…

Die österlichen Bräuche der Wolgadeutschen erwachten in der vergangenen Woche im Begegnungszentrum des Dorfes Rosowka bei der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ des Gebietes Pawlodar zu neuem Leben. Im Rahmen der Workshops des Projekts „Sprachcafé Ostern“ erlernten die Teilnehmer unter der Leitung von Jekaterina Kremer Folklore, Traditionen und Geheimnisse des festlichen Gebäcks: vom klassischen Kuchen bis hin zu knusprigen Hasenbrötchen.

„Die Atmosphäre eines althergebrachten Volksfestes wurde durch Bewegung und Spiel nachempfunden: Die Teilnehmer erlernten Elemente der deutschen Polka und traten in Frühlingswettspielen an, an denen einst ihre Urgroßväter teilgenommen hatten. Lehrreiche Kreuzworträtsel und Aufgaben halfen, das Wissen über die Folklore zu festigen und das Sprachstudium in eine fesselnde Reise zu den eigenen Wurzeln zu verwandeln“, bemerkte Natalja Kolesnik, Leiterin des Begegnungszentrums in Rosowka.

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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