Hefezopf: die geheime Geschichte des Frauen-Zopfes

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In alten Zeiten schnitten Witwen zum Zeichen des Trauergelübdes ihre Zöpfe ab und legten sie in die Gräber ihrer Ehemänner. Im Laufe der Zeit milderte sich dieses strenge Ritual: An die Stelle menschlicher Haare trat die Kunst des Bäckers. So wurde das goldene Brotgeflecht zu einem der poetischsten Beispiele für Ersatzopfer in der Kultur Süddeutschlands und der Alpen.

Hefezopf ist ein süßes sakrales Brot, dessen Verflechtungen die Form eines Frauenzopfes nachbilden. Die ersten dokumentierten Erwähnungen geflochtener Brote in Europa stammen aus dem 15. Jahrhundert. In Klosterbüchern werden „Zöpfe“, die eigens zu Allerheiligen gebacken wurden, beschrieben. Im Mittelalter wurde das Rezept dieses kunstvollen Brotes durch den unwillkürlichen Einsatz von Eiern, Butter, Zucker und Milch deutlich verfeinert.

Es muss gesagt werden, dass die christliche Kirche die Ablösung heidnischer Rituale durch „Brotopfergaben“ förderte. Das Flechten aus drei „Strängen“ Teig wurde recht schnell als Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit umgedeutet, und… der Hefezopf wurde zum festen Bestandteil christlicher Feste. Das süße Gebäck begann man mit verschiedenen Füllungen zuzubereiten: Nüssen, Mohn, Rosinen, Früchten und Quark.

Im Laufe der Zeit tauschte der Hefezopf endgültig seine symbolischen „Trauerkleider“ gegen festliche. Von einer Allegorie des Abschieds verwandelte er sich in die Krone des Hochzeitsmahls: Nun verkörperten die geflochtenen Teigstränge nicht mehr die Trennung, sondern die Untrennbarkeit der familiären Bande und die Festigkeit des neuen Schwurs.

„Beim jüngsten Workshop bereiteten unsere Teilnehmer vom VDJK den ‘Hefezopf mit verschiedenen Füllungen’ zu – jenen legendären Zopf, in dessen drei ‘Stränge’ gekonnt verschiedene Geschmacksrichtungen eingeflochten wurden“, erzählte Tatjana Samochwalowa, Programmleiterin der Regionalen Vertretung der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans „Wiedergeburt“ in Balqasch. „Der Hefezopf ist wunderbar lecker geworden – die Jugendlichen haben sich bemüht, den alten Rezepten genau zu folgen.“

Marina Angaldt

Übersetzung: Anton Genza

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