Persönliche Geschichten statt langweilige Akten: Im Kasachisch-Deutschen Zentrum wurde die Zukunft der Erinnerungskultur diskutiert

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Das Kasachisch-Deutsche Zentrum in Astana empfing eine Delegation der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unter Leitung von Dr. Anna Kaminsky. Seitens der Selbstorganisation nahmen Albert Rau, Mitbegründer der Gesellschaftlichen Stiftung „Republikanische ethnokulturelle Vereinigung der Kasachstandeutschen“, Geschäftsführer Dmitri Redler und die stellvertretende Geschäftsführerin Olga Stein an dem Treffen teil.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand eine zentrale Frage: Wie lässt sich die historische Erinnerung bewahren, wenn die letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts nicht mehr da sind, und wie kann sie zugleich für eine neue Generation verständlich vermittelt werden?

Einen besonderen Stellenwert hatte ein Runder Tisch zum Thema Erinnerungskultur. Olga Stein erzählte davon, wie sich die Selbstorganisation mit der Vergangenheit auseinandersetzt, wie sich die Ansätze zur Bewahrung historischer Zeugnisse verändern und welche Rolle die Mitglieder der deutschen Gemeinschaft selbst dabei spielen.

Ein wichtiger Teil des Programms war der Jugend gewidmet. Junna Kinerejsch und Anastasija Kirejewa vom Klub der Deutschen Jugend „Diamant“ präsentierten ein gemeinsam mit Partnern vom JSDR entwickeltes Projekt über die Frauen von ALZHIR und zeigten einen Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm. Werden schwierige Kapitel der Vergangenheit anhand persönlicher Schicksale und Familienarchive erzählt, verliert Geschichte ihren abstrakten Charakter.

Gleichzeitig entwickelt die Selbstorganisation auch neue digitale Formen der Erinnerungsarbeit. Julia Podoprigora stellte den deutschen Gästen das „Interaktive Archiv der Deutschen Kasachstans“ vor, das einzigartige Dokumente digital aufbereitet und öffentlich zugänglich macht. Tamara Wolkowa berichtete darüber, wie junge Forschende auf ihre Arbeit vorbereitet werden und lernen, mit historischen Primärquellen umzugehen.

Als Fazit des Treffens lässt sich festhalten: Erinnerungskultur reicht heute längst über die klassische Archivarbeit hinaus. Sie ist ein lebendiger Dialog, der digitale Plattformen, Dokumentarfilm und Bildungsinitiativen miteinander verbindet und damit eine solide Grundlage für weitere Zusammenarbeit schafft.

DAZ

Übersetzung: Anton Genza

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