Sprache eröffnet neue Möglichkeiten Zurück Veröffentlicht in 18. September 202618. September 2026 In Astana wurden die Prioritäten des Förderprogramms für die Deutschen in Kasachstan für 2027 besprochen. Im Kasachisch-Deutschen Zentrum in Astana fand die Jahresplanungskonferenz statt. Daran nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaftlichen Stiftung „Republikanische ethnokulturelle Vereinigung der Kasachstandeutschen“ (GS ReVK), des Bundesministeriums des Innern, der Deutschen Botschaft, des Aufsichtsrats der Stiftung, des Goethe-Instituts, des ifa und weiterer Partnerorganisationen teil. Für die Teilnehmenden war die Begegnung eine Gelegenheit, nicht nur finanzielle Fragen zu besprechen, sondern die Entwicklung des Programms in einem größeren Zusammenhang zu betrachten: Welche Bereiche sind heute besonders gefragt, welche Projekte brauchen neue Ansätze, und was muss der Arbeit in den kommenden Jahren zugrunde liegen? Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Yevgeniy Bolgert, betonte in seiner Rede, dass die Konferenz eine besondere Bedeutung für die Festlegung der Prioritäten der kommenden Förderperiode habe. Er hob die stabile Arbeit des Exekutivbüros, der regionalen Organisationen und die Bedeutung des direkten Austauschs mit der deutschen Seite hervor. Als zentrale Schwerpunkte der weiteren Arbeit nannte er die Unterstützung der Jugend und die Entwicklung der deutschen Sprache, die er als Grundlage für die Zukunft der deutschen Gemeinschaft Kasachstans bezeichnete. Gesondert ging Yevgeniy Bolgert auf die Entwicklung der Infrastruktur ein: Ein wichtiger Schritt werde der Erwerb eines neuen Deutschen Hauses in Öskemen sein. Zugleich unterstrich er, dass bei den Arbeitsbedingungen regionaler Fachkräfte die wirtschaftlichen Realitäten Kasachstans berücksichtigt und die Vergütung schrittweise angehoben werden müssten, um qualifizierte Mitarbeitende zu halten und die nachhaltige Arbeit der Selbstorganisation zu sichern. Dr. Franka Fülle, Leiterin des Referats DG I 4 im Bundesministerium des Innern, hob ihrerseits die Bedeutung des Treffens hervor und betonte, dass die zu Ende gehende Förderperiode für die deutsche Gemeinschaft Kasachstans ereignisreich gewesen sei. Zu den wichtigen Ereignissen gehörten der Besuch von Dr. Bernd Fabritius, das 30-jährige Jubiläum des Verbands der deutschen Jugend Kasachstans und eine Reihe gemeinsamer Initiativen. Die geleistete Arbeit, so Dr. Fülle, schaffe eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung und ermögliche den Übergang zu neuen, größeren Projekten. Deutsch als Grundlage für neue Möglichkeiten Eines der zentralen Themen der Konferenz war die Entwicklung der deutschen Sprache. Sprachkompetenz wird heute nicht nur als Teil der Bewahrung des kulturellen Erbes verstanden, sondern auch als wichtige Grundlage für Bildung, berufliche Entwicklung und die aktive Beteiligung junger Menschen am Leben der Gemeinschaft. Dmitri Redler, Exekutivdirektor der Stiftung, betonte, dass die Spracharbeit weiterhin zu den Prioritäten gehöre. Zugleich formulierten Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Seite konkrete Erwartungen an diese Arbeit. Bettina Bresan-Wolf, Vertreterin des Bundesministeriums des Innern, hob hervor, dass perspektivisch immer mehr junge Menschen aus der deutschen Gemeinschaft Kasachstans das Sprachniveau B1 und später auch C1 erreichen sollten. Ein besonderer Schwerpunkt liege dabei auf der kontinuierlichen sprachlichen Qualifizierung der Fachkräfte selbst: Auch Mitarbeitende der Organisation und Kurslehrkräfte sollten Deutsch auf hohem Niveau beherrschen. In den kommenden Jahren sollen diese Werte schrittweise steigen. Das ermöglicht nicht nur, die Verbindung zu Kultur und ethnischer Zugehörigkeit zu bewahren, sondern eröffnet auch Chancen für weitere Bildung und internationalen Austausch. Sprache und Kultur gemeinsam Eine besondere Rolle behält im Programm für 2027 die Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Goethe-Institut Kasachstan, die Sprach-, Kultur- und Jugendarbeit miteinander verbindet. Insgesamt sind neun gemeinsame Projekte geplant. Ein wichtiger Bereich bleibt die Unterstützung des Deutschlernens in den Regionen, unter anderem durch das Programm der Sprachassistentinnen und Sprachassistenten. Die Teilnehmenden der Konferenz würdigten die Arbeit der Sprachassistentinnen und Sprachassistenten, die in die regionalen Gesellschaften der Deutschen kommen und direkt vor Ort ein zusätzliches sprachliches Umfeld schaffen. Für 2027 sind außerdem Stipendien des Goethe-Instituts, zweiwöchige Intensivsprachkurse, die Unterstützung von Lehrkräften und Jugendinitiativen vorgesehen. Der kulturelle Teil der Zusammenarbeit wird mit der Bewahrung und Vermittlung des deutschen Erbes Kasachstans verbunden sein. Das wichtigste Kulturprojekt des Jahres Einen besonderen Platz während der Jahresplanungskonferenz für 2027 nimmt das XII. Internationale Festival der deutschen Kultur ein, das größte Kulturereignis der deutschen Gemeinschaft Kasachstans, das alle drei bis vier Jahre stattfindet. Diesmal soll das Festival die deutsche Kultur Kasachstans in ihrer Entwicklung zeigen: wie sie sich über Generationen hinweg verändert und gewandelt hat, ihre ursprünglichen Grundlagen bewahrt hat und zugleich heute weiterlebt. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Idee der aktiven Rolle der Kasachstandeutschen als Bindeglied zwischen Kasachstan und Deutschland. Ein Bestandteil des Festivals wird der Wettbewerb „Lebendige Traditionen“ sein, der einer zeitgemäßen Interpretation traditioneller deutscher Lieder und Tänze gewidmet ist. Zur Teilnahme eingeladen sind Menschen verschiedener Generationen, sowohl einzelne Künstlerinnen und Künstler als auch kreative Gruppen. Die besten Arbeiten werden auf den Informationsplattformen der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans vorgestellt, die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten die Möglichkeit, beim Festival selbst aufzutreten. Jugend und Personalreserve Als wichtige Aufgabe für die Zukunft nannten die Teilnehmenden die Bildung einer neuen Generation von Aktiven und Fachkräften, die die Arbeit in der Selbstorganisation der Kasachstandeutschen fortführen können. Dabei geht es nicht nur um die Ausbildung professioneller Kräfte. Ebenso wichtig ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen junge Menschen schrittweise in die gesellschaftliche Arbeit hineinwachsen, Erfahrungen sammeln, Verantwortung übernehmen und später Teil der Personalreserve der Selbstorganisation der Deutschen Kasachstans werden können. Ein zentraler Akzent, der im Ergebnis der Konferenz im Arbeitsfeld „Avantgarde“ formuliert wurde, liegt auf der Notwendigkeit, den eigenen Personalnachwuchs gezielt für die internen Bedürfnisse des Systems aufzubauen. Die Selbstorganisation muss sich in erster Linie selbst mit qualifizierten Fachkräften versorgen und eine verlässliche Reserve für die regionalen Gesellschaften, die Stiftung, die DAZ und den Verband der deutschen Jugend Kasachstans schaffen. Deshalb werden in Projekten wie der „Studierendenförderung“ gerade jene Berufe und Ausbildungsrichtungen besondere Priorität erhalten, die innerhalb der Gemeinschaft gebraucht werden. Deshalb werden Sprach- und Jugendprojekte immer stärker zusammengedacht. Gute Deutschkenntnisse erweitern die Möglichkeiten zur Teilnahme an internationalen Programmen, während die Beteiligung an Projekten jungen Menschen hilft, eigene Perspektiven innerhalb der Gemeinschaft zu erkennen. Ehrenamt: Erfahrungen bewahren und weitergeben Ein weiterer wichtiger Bereich wird die Entwicklung des Ehrenamts sein. Auf der Konferenz wurde die Bedeutung der Arbeit des ifa hervorgehoben, das derzeit nicht nur einzelne Medienprojekte, sondern auch Prozesse der Organisationsentwicklung unterstützt. Das neue ifa-Projekt ist der begleiteten Entwicklung der ehrenamtlichen Arbeit gewidmet. Seine Aufgabe besteht darin, das Ehrenamt als eine der strategisch wichtigen Ressourcen der Organisation zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Mitarbeitenden und Aktiven wirksamer zu gestalten. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Bewahrung der Erfahrungen jener Menschen, die seit vielen Jahren an der Arbeit der deutschen Gemeinschaft beteiligt sind, und ihrer Weitergabe an die nächste Generation. Wichtig ist nicht nur, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, sondern auch Bedingungen zu schaffen, unter denen ihre Initiative, ihr Wissen und ihre Erfahrung Unterstützung finden und sich weiterentwickeln können. Ein wichtiger Teil des Programms bleibt die internationale Zusammenarbeit. 2027 wird die Umsetzung traditioneller gemeinsamer Projekte mit der LmDR und dem JSDR fortgesetzt, die vor allem auf Jugendaustausch, die Bewahrung kultureller Erinnerung und die Entwicklung der Verbindungen zwischen deutschen Organisationen in Kasachstan und Deutschland ausgerichtet sind. Geplant sind unter anderem grenzüberschreitende Initiativen zwischen der Regionalgruppe in Öskemen und der Ortsgruppe Balingen, die Teilnahme am internationalen Sommerlager des JSDR in Deutschland sowie am Jugendforum des JSDR. Ein eigenes Projekt „Zwischen uns“ wird die Jugendgruppe des JSDR Baden-Württemberg und den KDJ „Vorwärts“ aus Almaty zusammenbringen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat für Russlanddeutsche wird ausgebaut. Für das kommende Jahr sind zwei gemeinsame Projekte geplant, darunter ein Hospitationsprogramm, in dessen Rahmen die Teilnehmenden die Arbeit des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold kennenlernen und die gewonnenen Erfahrungen anschließend in den Begegnungszentren Kasachstans nutzen sollen. Eine solche Zusammenarbeit ermöglicht nicht nur den Austausch von Wissen und Praxis, sondern stärkt Schritt für Schritt auch das professionelle Potenzial der Kulturarbeit vor Ort. Regionale Arbeit und neue Ressourcen Im Rahmen der Planung wurden auch praktische Fragen der Tätigkeit regionaler Organisationen besprochen, darunter die Entwicklung der Infrastruktur und Möglichkeiten zur Einwerbung eigener Mittel. Insbesondere ging es um den möglichen Erwerb eines Deutschen Hauses in Öskemen, das zu einer wichtigen Grundlage für die weitere Arbeit der deutschen Gemeinschaft in der Region werden könnte. Besprochen wurden auch Fragen der Vergütung hinzugezogener Fachkräfte und der Honorare in regionalen Organisationen, im Einklang mit den Möglichkeiten und Regeln der Projektarbeit im Förderprogramm. Kurz gesagt zeigte die Planung für 2027, dass Fragen, die mit der Zukunft der Gemeinschaft verbunden sind, immer deutlicher in den Vordergrund rücken: die Ausbildung neuer Fachkräfte, die Entwicklung der Regionen und die Bewahrung menschlichen Potenzials. Die gemeinsame Aufgabe besteht nicht nur darin, das bereits Geschaffene zu erhalten, sondern Bedingungen dafür zu schaffen, dass die deutsche Sprache, die Kultur und das gesellschaftliche Leben der Kasachstandeutschen sich weiterentwickeln und bei neuen Generationen Resonanz finden. DAZ Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: