Sommerliche Bräuche der Wolgadeutschen Zurück Veröffentlicht in 22. Juni 2026 Der heiße Sommer war für die wolgadeutschen Bauern eine Zeit schonungsloser Arbeit: Die Erntezeit verwandelte sich in ein glühendes Schlachtfeld im Kampf um die Ernte. Die kräftezehrende Arbeit ließ praktisch keine Zeit für Vergnügungen, doch die seltenen Tage der Ruhe wurden zu einem erstaunlichen Mysterium, in dem sich der christliche Glaube auf wundersame Weise mit geheimnisvollem altem Aberglauben verflocht. Der Beginn der Heuernte wurde häufig mit dem Johannistag am 24. Juni verbunden. Die erste geschnittene Garbe galt als besonders und sogar heilig. Wie es Brauch war, brachte man sie nicht in die Scheune, sondern bewahrte sie sorgsam auf, um mit ihr den Altar in der Kirche zu schmücken. Am Vorabend der Johannisnacht wurden über dem Eingang zum Stall Kränze aus wundertätigen Sommerkräutern angebracht, zum Beispiel aus Johanniskraut und Brennnessel. Auf den Feldern entzündete man Feuer zur Reinigung der Erde. So schützten sich die Deutschen vor dem Einfluss böser unreiner Kräfte. Als wichtigstes Sommerereignis galt jedoch Pfingsten. Die Häuser „kleideten“ sich in ein üppiges grünes Gewand: Mit Zweigen von Birke, Weide oder Pappel wurden Tore, Türen und Fenster von außen und innen geschmückt. Den Boden in den Häusern und sogar in den Kirchen bestreute man nicht selten mit frisch gemähtem Gras und Feldblumen. Die Bauern glaubten: Dieser wunderbare Duft bringt Segen ins Haus und vertreibt böse Geister. Zu Pfingsten war unter der Jugend das Begießen mit Wasser beliebt. Außerdem glaubten die Deutschen, dass der Tau, der am frühen Pfingstmorgen fiel, Zauberkraft besaß. Mit ihm wusch man sich, damit die Sommersprossen verschwanden und die Augen nicht schmerzten. Die Tiere wurden früher auf die Weide getrieben, damit sie durch diesen Tau liefen und das ganze Jahr über gesund blieben. „Beim Treffen des Seniorenklubs fand eine interessante Begegnung statt. Die Leiterin des Kreises, Olga Patanina, erzählte von den alten Sommerfesten der Wolgadeutschen. Gemeinsam erinnerten sich alle an Bräuche, Volksglauben und festliche Symbole. Die Seniorinnen und Senioren teilten mit Freude ihre Geschichten aus der Kindheit. Sie erzählten, wie fröhlich diese Tage früher in ihren eigenen Familien gefeiert wurden“, bemerkte Tatjana Samokhwalowa, Programmleiterin der Regionalvertretung der Gesellschaftlichen Stiftung „Vereinigung der Deutschen Kasachstans Wiedergeburt“ der Stadt Balqasch. Marina Angaldt Übersetzung: Anton Genza Поделиться ссылкой: